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Amazon hat gestern, am 19. Oktober, damit begonnen, Pakete in Eigenregie im Münchner Großraum auszuliefern. Damit macht Amazon Schluss mit den anhaltenden Gerüchten um einen eigenen Paketdienst. Ein eigener Fuhrpark sei dabei jedoch nicht geplant.

Amazon Logo am Turm

© Julia Ptock / Händlerbund

DHL, Hermes und Co. haben wahrscheinlich schon lang auf die Meldung gewartet: Amazon liefert nun selbst seine Pakete aus. Seit gestern, dem 19. Oktober, stellt der Online-Riese im Großraum München seine Pakete in Eigenregie zu und beendet damit sämtliche Gerüchte um einen möglichen Einstieg in das Geschäft der Paketdienste.

Gegenüber der VerkehrsRundschau bestätigt Bernd Schwenger, Geschäftsführer von Amazon Deutschland Transport, die neusten Entwicklungen. Organisiert wird der Versand aus dem Gewerbegebiet Geiselbullach (Olching) im Landkreis Fürstenfeldbruck. Amazon hat an diesem Standort eine 6.000 Quadratmeter große Halle angemietet. Der Standort ist auf Grund seiner infrastrukturellen Anbindung (Autobahnen A8 und A99) bestens geeignet, um täglich Waren vom Amazon-Logistikzentrum in Graben/Augsburg zu den Kunden im Großraum München zu bringen. So sollen rund 200 Fahrer für den reibungslosen Ablauf sorgen.

Zweiter Standort soll 2016 starten

„Wir wollen wie ein regulärer Paketdienst arbeiten und bieten nun den gleichen Next-Day- und Same-Day-Delivery-Service, den DHL und Hermes heute schon für Amazon erbringen“, erklärt Bernd Schwenger. Es sei allerdings kein eigener Fuhrpark geplant. Aktuell werde mit sechs lokalen und regionalen Lieferdiensten wie Interkep, Liefery, Rico Logistics, Systemlogistik, Krae Transport und AZ Logistik zusammen gearbeitet.

Wie ernst es Amazon mit dem Einstieg in den Paketdienst-Sektor ist, zeigt auch das zweite geplante Verteilzentrum mit 7000 Quadratmetern in München-Ost an der Autobahn A94. Dies soll angeblich im Sommer 2016 starten. Zudem soll Amazon bereits in den Städte Hamburg und Berlin nach möglichen Standorten suchen. Amazon selbst hält sich zu den Expansionsgerüchten zurück. Schwenger erklärt auf Nachfrage, dass man erst einmal die Ergebnisse in Olching abwarten wolle.

Bis zu 700 Millionen Pakete pro Jahr von Amazon

Für die etablierten Unternehmen ist der Eintritt von Amazon in den Paketdienst-Sektor wenig überraschend. Tatsächlich hielten sich solche Gerüchte schon lang. Allerdings, so kommentiert Michael Lierow, Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman gegenüber der VerkehrsRundschau, sei der Einstieg durchaus gefährlich: „Von den jährlich rund drei Milliarden Paketen im deutschen Paketmarkt stammen etwa 500 bis 700 Millionen Pakete allein von Amazon." Sollten diese entweder teilweise oder schlimmstenfalls ganz wegbrechen, würden die etablierten Dienstleister einen ihrer wichtigsten Kunden verlieren und entsprechend Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.

Mit der neusten Entwicklung im Paket-Sektor stellt sich zu Recht auch die Frage nach den Diensten „Amazon Fresh“ und „Prime Now“. Über die Einführung von „Prime Now“ in Deutschland – genauer: München – wurde zuletzt stark spekuliert.

Bernd Schwenger zeigt sich jedoch zurückhaltend. Im Interview mit der VerkehrsRundschau versichert er, dass diese Dienste zumindest vorläufig nicht in Geiselbullach geplant seien. Allerdings, so der Logistikexperte Oliver Wyman, sei es durchaus wahrscheinlich, dass die Dienste kommen werden: „Spätestens im kommenden Jahr […] geht Amazon damit an den Start.“

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


Kommentare

#1 N.Wache 2015-10-24 13:10
Dumm gelaufen, oder?

Was die Amazon-Händler schon seit langen erleben, trifft nun die Paketdienstleis ter. War da nicht mal zu lesen, dass Amazon-Mitarbei ter bereits in den Paketzentren gearbeitet haben und so bestens sich über Arbeitsabläufe und Logistik informieren konnten?



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