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Über 45.000 unbesetzte Stellen – so der Ist-Stand bei den Lkw-Fahrern. Dass sich dieser Zustand zum Positiven ändert, ist eher unwahrscheinlich, denn der Ruf des Brummi-Fahrers ist nicht sonderlich beliebt. Und doch sind die Logistiker darauf angewiesen, Nachwuchs zu finden. Das neue Jobportal „Road Heroes“ will sich der Sache nun annehmen und auch Auszubildende an Transportfirmen vermitteln.

Lkw-Fahrer im Lkw
© welcomia – shutterstock.com

Wie sehr der Lkw-Fahrermangel die Branche belastet, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass sogar auf dem 24. Handelslogistik Kongress lang darüber diskutiert wurde, wie man den Beruf des Lkw-Fahrers attraktiver gestalten könne. Immer wieder flammen Diskussionen darüber auf, wie man dem Problem begegnen sollte. Dass dies notwendig ist, zeigen die über die Jahre hin veröffentlichten Zahlen. Erst im September 2017 warnte der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) vor Versorgungsengpässen aufgrund 45.000 unbesetzter Stellen.

Das Jobportal „Road Heroes“, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, qualifizierte Fahrer, die ihren Job wechseln möchten, mit entsprechenden Unternehmen zusammen zu bringen, hat nun nach Angaben der DVZ seinen Geschäftsansatz erweitert und will nun auch „potenzielle Auszubildende an Transportfirmen“ vermitteln.

2020 werden voraussichtlich 150.000 Lkw-Fahrer fehlen

Pascal Kremp, Geschäftsführer von Road Heroes, erklärte gegenüber der DVZ, dass bei einer ersten Werbeaktion in sozialen Netzwerken es gelungen sein, „sofort 35 potenzielle Azubis mit echtem Interesse am Fahrerjob zu akquirieren“. Ob es vom Interesse bis zur Ausbildung klappt ist fraglich, in Deutschland haben nur wenig Jugendliche Lust auf den Job. Überalterung ist das Problem, denn schätzungsweise scheiden jährlich 30.000 Lkw-Fahrer aus dem Beruf aus. Dem gegenüber stehen gerade einmal 16.000 neue Fahrer. Angesichts dieser Entwicklung droht Deutschland laut der Initiative „FairTruck“ eine Lücke von mindestens 150.000 fehlenden Fahrern bis zum Jahr 2022.

Doch wie dem Problem begegnen? Der DVZ liegt ein inoffizielles Arbeitsdokument (Non-Paper) zum Fahrermangel aus Industriekreisen vor, in dem es unter anderem heißt: „Ein zentrales Hemmnis für junge Menschen, den Beruf des Kraftfahrers zu erlernen, besteht in den ungünstig gelegenen möglichen Zeitpunkten für einen Einstieg in die Branche.“ – Das ist insofern wenig überraschend, als das beispielsweise der mittlere Bildungsabschluss bereits mit 16 Jahren erreicht wird. Einen Lkw darf man jedoch erst mit 18 Jahren fahren. Ob sich das Interesse an dem Job hält, wenn man zwei Jahre darauf warten muss, hinter dem Steuer zu sitzen, ist fraglich.

Führerschein mit 17, verkürzte Ausbildung und eine leichtere Anerkennung ausländischer Fahrerlaubnisscheine

Um diese Lücke zumindest zu minimieren, hat sich bereits im November 2017 der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) für den Lkw-Führerschein ab 17 Jahren ausgesprochen. „Das begleitete Fahren ab 17 Jahren im Pkw hat sich bewährt. Deshalb empfehlen wir, es auch im Lkw einzuführen“, so Jürgen Bente, Referatsleiter für fahrpraktische Programme im DVR.

Weitere Möglichkeiten, dem Nachwuchsmangel zu begegnen, sieht das Arbeitsdokument (Non-Paper) unter anderem darin, die standardisierten schriftlichen Prüfungsfragen in einfachem Deutsch zu verfassen, „um die Hürden für Nicht-Muttersprachler nicht unnötig hoch zu setzen.“ Auch eine Verkürzung der dreijährigen Ausbildung auf zwei Jahre wird angeregt. Das Argument: Einige Kenntnisse sind für das Führen eines normalen Lkw nicht notwendig. Besondere Qualifikationen, die etwa beim Transport von Gefahrengut benötigt werden, könnten modular als Zusatzausbildung angeboten werden.

Zu guter Letzt wird in dem Paper auch die Forderung laut, dass man auch die Gewinnung „von Arbeitskräften aus dem Nicht-EU-Ausland“ erleichtern müsse. Demnach sollte die „Bundesagentur für Arbeit die Aufnahme des Berufsbildes in die Positivliste der Mangelberufe“ prüfen. Auch die „hohen bürokratischen Hürden zur Anerkennung ausländischer Fahrerlaubnisscheine“ sollten laut dem Paper abgebaut werden.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


Kommentare

#18 Michael Gawehn 2019-10-24 20:04
Ich mache diesen Job als Quereinsteiger mehr für die Sozialversicher ung und auch nur weil ich aus alten BW - Zeiten noch den Führerschein habe. Allerdings in Teilzeit um nur Tagestouren im Heimatgebiet. Nie im Leben würde ich mich auf einen 40 -Tonner setzen und wochenlang durch Europa fahren. Das ein Führerschein heute um die 7000,- kostet ist der Hammer! Dafür das man anschließend nichts verdient und sich mit allen Vorschriften herumschlagen muss ist keinen Berufsanfänger geraten diesen Job zu machen. Die Knebelung mit der Fahrerkarte, den Ladungssicherun gsvorschriften usw....spricht für sich. Ich wüsste keinen anderen Job bei dem man deart geknebelt wird.
#17 Andreas 2019-08-19 13:06
Seit 8 Jahren fahre ich Gefahrenstoffe Säuren ,Laugen ,Spritzmittel ohne überhaupt eine vernünftige Vergütung dafür zu bekommen.
Das ganze für 2550 Euro Brutto ohne Spesen.Eine feste Arbeitszeit gibt es auch nicht.Ca.48-60 Stunden die Woche.Jeden Tag 400 -500 KM im Nahverkehr.Kein e planbare Arbeitszeit.
Wer macht so etwas überhaupt noch........... .

Ich kann heute keinen mehr diesen Beruf empfehlen.
#16 Hendrik Müller 2019-08-02 07:56
An alle Damen und Herren, die über fehlende Lkw Fahrer jammern. Würdet ihr mit solch einer Arbeitszeit, ca 200 h und mehr. Und mit den schon genannter Hungerlohn klar kommen ? Ich glaube eher nicht. Dann wie die Fahrer behandelt werden, einfach nur abartig !
Keine Freizeit, verkürzte Wochenenden usw. An alle, die den Fahrermangel beklagen, einfach mal nachdenken !!!
#15 Lutz Koslowski 2019-07-12 08:27
Einer der größten Fehler war den PKW Führerschein auf 3,5 to zu begrenzen. Wenn sich heute jemand dazu durchringt einen LKW Führerschein zu machen, dann gleich den CE. Und dann will er auch schwere LKW fahren. Kostet ja auch ein Wahnsinns-Geld.

Bevor die ganzen Änderungen beschlossen wurden (digitalen Fahrerkarte, Kraftfahterqual ifikationsgeset z, hunderte andere Vorschriften) war es einfacher Fahrer zu finden.

Die Konsequenz heißt, der 7,5 to stirbt aus. Dann werden alle Waren mit 3,5 to befördert. Mehr Fahrzeuge auf den Straßen, mehr Abgase, mehr CO2.

Soviel zum Thema Klimawandel.
#14 Eisbrenner 2019-06-12 10:19
Als ich 1971 anfing Berufskraftfahr er zu lernen war ich 16, die Fahrerlaubnis wurde in der Firma gemacht und die Ausbildung dauerte 2 Jahre! Die Fahrerlaubnis galt auch für Pkw! Aber in diesem gelobtem Land ist ja alles besser. Da muss man erstmal die Pkw-Fahrerlaubn is selbst bezahlen! Dann 3 Jahre für den Lehrlingslohn Arbeiten! Davon 2 Jahre fahren! Ich hatte schon mit 18 die Lkw-Fahrerlaubn is und volles Geld! Was soll man 3Jahre lang lernen? Ladungssicherun g? Und den Quatsch kaut man dann alle 5Jahre wieder durch(Module). Ich bin jetzt nach 46 Jahren auf der Strasse in Rente, habe aber die Module noch mal in meiner ehemaligen Firma bezahlt bekommen und werde noch ein wenig fahren um den Kirchturm. Übrigens wollte von meinen 2 Jungs die ich oft in den Ferien mithatte keiner Fahrer werden.
#13 reinhard 2019-05-15 12:38
Als selbstfahrender Unternehmer war ich 16 Jahre vor allem in Deutschland unterwegs und habe es bedauert angefangen zu haben. Die Schikanen durch Behörden, Polizei und BAG sind so motivierend, dass es mir leicht gefallen ist den LKW zu verkaufen. Jemand zu diesem Job zu bewegen ist mir niemals in den Sinn gekommen, weil ich bestimmt für die gemachten Erfahrungen verantwortlich gemacht worden wäre. Dass jemand bei 600000km pros Jahr im Punktesystem noch härter behandelt wird wie ein Freizeitfahrer spottet auch jeder Beschreibung, für 75 km/h auf der Landstraße wird schon ein Punkt verabreicht, und wenn jemand als Rentner noch fahren will, sprich einen Führerschein besitzen, braucht er viel Glück. Die Gründe würden bestimmt noch viele Seiten füllen, von den Kosten, der Freizeit erst gar nicht zu sprechen. Die Kriminalisierun g der Fernfahrer hat Ausmaße angenommen die nicht mehr hinnehmbar sind. Die Nation wird es zu spüren bekommen. Dass eine Armee der Polizei alles daran setzt dem letzten Trucker den Führerschein abzunehmen ist auch noch ein gängiger Grund denke ich.5ge35
#12 Lisa Weber 2019-04-24 09:23
Toller Beitrag! Gerade erst über Google gefunden.
#11 Riskanto 2019-03-15 05:59
Wer vernünftige Fahrer will muss auch vernünftig zahlen so einfach ist das,wer bleibt schon eine Woche auf Tour immer von der Familie weg für 1800 Euro Netto.

Zahlt anständige Löhne und es würde kein Problem geben,Unterhalt s kosten steigen ständig doch die Löhne bleiben gleich.
#10 Ewald Droll 2019-03-02 19:00
Fahrermangel ist Hausgemacht. Das gewollte Chaos in der Transportbranch e in EUROPA. Ausbeutung mit System !!
In keinem anderen europäischen Land sind die Differenzen
bei den Tarifverträgen und den Fahrerlöhnen so groß wie
in Deutschland. Das hat jetzt schlimme Konsequenzen.
Nicht das Fahrpersonal leidet unter dem schlechten Image, sondern die Transportuntern ehmen. Wer sein Personal jahrelang knechtet und ausbeutet, muß sich nicht wundern, dass sich kein Nach...wuchs mehr findet. Hauptgrund ist die sittenwidrige Entlohnung, zwischen 5 und 6 Euro Brutto pro Arbeitsstunde, selbst beim Mindestlohn wird noch gemauschelt,Tar if in BaWü 14.75 Euro. Arbeitszeiten von 70 bis 80 Stunden pro Woche, kein Überstundenzusc hlag, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, Kosten Fahrerquallifik ation ( entgangene Freizeit ) sowie Führerschein - Verlängerung alles Fahrerproblem. Die Fahrer von heute, sind die Sozialhilfe - Empfänger von morgen.
#9 Robert 2018-12-30 18:45
Vor 2Jahren habe ich mein Transportuntern ehmen verkauft. Diesen Entschluss habe ich in keiner Sekunde bereut! Der Wirtschaft sind dadurch 5 erfahrene Lkw Fahrer verloren gegangen. Keiner der ehemaligen Fahrern sitz noch hinter dem Lenkrad. Gründe für die Geschäftsaugabe gibt es einige: Unverschämte Preise, völlig überhebliches Verhalten seitens der Kunden. Keinerlei Verständnis bei Verhandlungen auf Grund höherer Dieselpreise, Maut, oder berechtigter Lohnfoderung der Fahrer. Wir bezahlten Stundenlohn, die Fahrer wurden auch bezahlt, bei Stehen im Stau oder beim Warten an der Rampe oder beim Kunden. Forderungen unsererseits wurden mit dem Hinweis abgetan, es stehen noch einige andere Unternehmen ( ausnahmslos aus Osteuropa ) vor der Türe, und warten nur bei uns anzufangen. Trotz jahrzehntelange r Geschäftsbezieh ungen zu manchem Kunden wurde dies nicht honoriert. Meinen beiden Söhnen, die immer begeistert mit dabei waren, habe ich von diesem Job, mehr ist es immer noch nicht, völlig abgeraten. Bei mehreren Kunden, Verladern musste ich sogar die Jungs, wenn ich einen mitgenommenen habe, über mehrere Stunden beim Pförtner stehen lassen! Oder er musste im Fahrzeug bleiben. Wie will man so noch die Jugend, vor allem heute, für einen Job begeistern? Dies sind nur einige Gründe aus der Sicht eines selbstfahrenden Unternehmers.



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