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Automatisierung in der Intralogistik hat viele Gesichter. Der Einsatz von Roboter-Systemen ist dabei nur ein Bestandteil, der jedoch immer mehr an Relevanz gewinnt. Denn Roboter sind selbst dann einsetzbar, wenn es nahezu keine Automatisierung in der Logistik gibt oder die Gebäudeinfrastruktur dies schwer zulässt.

Kommissionier-Roboter Toru | Magazino
© Magazino

Im Großteil der Lager in Deutschland ist es Standard, dass die Picker täglich mehrere Kilometer zurücklegen. Sie laufen durch die Regale, sammeln die Ware ein und bringen sie zum Kommissionierer. Das typische System „Mann zur Ware“ ist zeitaufwendig und durchaus auch fehleranfällig. Durch den Einsatz von Robotern soll sich dies ändern.

„Mann zur Ware“ wird abgelöst durch „Ware zum Mann“

Der Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist Amazon. Der Online-Gigant setzt schon seit einiger Zeit auf kleine Roboter, die durch die Logistikzentren fahren. Bereits an verschiedenen Standorten in Großbritannien, Polen und den USA werden die Robotersysteme zur Effizienzsteigerung eingesetzt. Erst vor Kurzem wurde im nordenglischen Manchester ein neuer Standort vorgestellt, der, so die WirtschaftsWoche, als eine Art Blaupause zu verstehen ist. Dort schleppen Hunderte Roboter, die eine Last von 300 Kilo tragen können, lautlos Regale durch den Raum, „kreuz und quer, mal schneller, mal langsamer, aber nie in Kurven; stets ändern die Maschinen ihren Weg im rechten Winkel.“ Der Einsatz der selbst gebauten Roboter lohnt sich für Amazon: „Auf derselben Fläche bringen wir wesentlich mehr Ware unter“, erklärt Roy Perticucci, Amazon Vice President Operations in Europa.

Tatsächlich sind im neuen Amazon Lager die Regale sehr viel enger gestellt als in den älteren Lagern. Breite Gänge für Mitarbeiter braucht es nicht mehr. Ein weiterer Vorteil: Die Regale lassen sich in vergleichbar niedrigen Räumen anordnen. Mitarbeiter verlieren aber, so beteuert es Amazon, ihre Jobs nicht an die Roboter. Ohnehin werden ältere Lager nicht aufgerüstet. Die Maschinen kommen nur an neuen Orten zum Einsatz – wie beispielsweise an dem neuen Standort in niedersächsischen Winsen. Das neue Logistiklager wird auf einer 64.000 Quadratmeter großen Fläche entstehen und bereits im ersten Jahr sollen 1.000 Mitarbeiter fest und unbefristet angestellt werden. Die Investitionen belaufen sich auf 90 Millionen Euro.

Kommissionierung durch den Toru Cube

Amazon ist dabei nicht das einzige Unternehmen, das auf Roboter in der Intralogistik setzt. Ganz aktuell setzt der Logistikdienstleister ITG in einem Pilotprojekt in seinem Logistikcenter in Schwaig bei München, das er für Puma betreibt, ein Kommissionier-Roboter ein. Der Roboter wurde von dem StartUp Magazino entwickelt. Bereits im Februar 2016 stellte das Robotik-StartUp seine neueste Version des Kommissionier-Roboters Toru vor. Der Roboter Toru Cube vereint eine intelligente Objekterkennung mit einer präzisen Greiftechnik und ermöglicht so den stückgenauen Zugriff auf das einzelne Objekt. Spezialisiert ist er auf quaderförmige Objekte wie Bücher, Schachteln oder Schuhkartons. Während Amazon also lieber darauf setzt ganze Regale zu bewegen, sammelt der Toru Cube ausgewählte Produkte ein und lagert diese in herausnehmbaren Kommissionier-Regalen mit variablen Ebenen ein.

2017 wurde der Cube dann noch einmal aufgerüstet. Ein neu entwickelter Sauggreifer ermöglicht es, sowohl einzelne Schuhkartons aus einem Stapel als auch mehrere Kartons gleichzeitig aus einem Regal zu picken. „Da in vielen Schuhlagern die Kartons chaotisch gelagert sind, ist es zudem wichtig, dass wir einen bestimmten Karton aus jeder beliebigen Position in einem Regalfach picken können – auch aus der Mitte eines Stapels“ erklärt Frederik Brantner, Mitgründer und Geschäftsführer von Magazino. Die Roboter von Magazino werden mittlerweile in mehreren Lagern eingesetzt – seit September 2017 fahren sie beispielsweise drei Toru Cubes durch das Fiege Mega Center Ibbenbüren und kommissionieren dort online bestellte Schuhe. 

Skalierbarkeit der Systeme ermöglicht kleine Pilotprojekte

Auch der eCommerce/MultiChannel-Day (4.7.2017) beschäftigte sich mit den Herausforderungen der Logistik. Das „IDIH - Institut des Interaktiven Handels GmbH“ lud an diesem Tag nach Hannover ein. Gastgeber war die erst kürzlich in Hannover gegründete GreyOrange GmbH. Das Unternehmen nutzte die Gelegenheit, den neu entwickelten „Butler“ im Livebetrieb zu präsentieren. Beim „Butler“ handelt es sich um einen vergleichbaren Roboter, wie ihn auch Amazon einsetzt. Auch hier besteht das System, so beschreibt es Randy Meinhard auf econment.de, aus mobilen Regalen, die von den kleinen fahrerlosen Transportsystemen unterfahren, angehoben und vollautomatisch zur Arbeitsstation transportiert werden.

Durch das skalierbare Lager- und Kommissioniersystem kann die Pickleistung signifikant erhöht werden. Zudem soll durch den Einsatz auch dem sich abzeichnenden Arbeitskräftemangel entgegengewirkt werden. Dadurch, dass das System auch in Logistikzentren mit mehreren Stockwerken und geringer Deckenhöhe eingesetzt werden kann, wirkt man gleichzeitig auch dem Trend der fehlenden Logistikgrundstücke entgegen.

Generell, so stellte Friedrich-Wilhelm Düsing, Geschäftsführer der Metroplan Engineering GmbH, auf dem eCommerce/MultiChannel-Day dar, wird ohne signifikant höhere Automatisierung „in der nahen Zukunft von weniger als 10 Jahren eine wettbewerbsfähige Logistik nicht mehr möglich sein“. Das von GreyOrange vorgestellte System ist dabei zum Start auch als klein angelegtes Pilotprojekt testbar. Das System kann sukzessiv an das wachsende Geschäft angepasst werden. Robotik-System kann daher auch eine Lösung für StartUps im E-Commerce und für alle, die den ersten Schritt in die Automation gehen wollen, sein.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


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