Amazon scheint in den USA das eigene Versandgeschäft auszuweiten – und wird damit zunehmend zum Konkurrenten für etablierte Logistiker wie FedEx oder UPS. 

Amazon Zustellfahrzeug
Adnan Ahmad Ali / Shutterstock.com

Nicht nur Waren, die Amazon-Kundinnen und -Kunden auf dem Marktplatz erwerben, versendet der Online-Gigant, sondern will verstärkt auch für externe Auftraggeber Lieferungen zustellen. Amazon wolle „eine neue Art von US-Postdienst sein, bei dem alles überall hinkommt, aber auch schnell“, wie es ein E-Commerce-Berater, der von 2006 bis 2012 für Amazon Verkäuferleistungen analysierte, laut dem US-Nachrichtensender CNBC zusammenfasst.

Neu ist diese Idee aber nicht: Bereits seit Juni vergangenen Jahres ist bekannt, dass Amazon in Großbritannien mit „Amazon Shipping“ Pakete von Händlern zustellt, die nicht auf dem Marktplatz unterwegs sind. Auch weitere damit im Zusammenhang stehende Unternehmungen gibt seit einigen Jahren, etwa im Zuge einer Partnerschaft mit dem US-Postdienst Stamp.com. Darüber hinaus gibt es Amazons Fulfillment-Service, über den in den USA auch Bestellungen bei Ebay oder Walmart abgewickelt werden können.

Amazon-Paketdienst könnte bald in den USA starten

Experten zufolge könnte Amazon seinen Versanddienst für externe Händler allerdings noch in diesem Jahr verstärkt in den USA einführen: Einer Untersuchung zufolge habe Amazon bereits damit begonnen, im Stillen Fracht für den U.S. Postal Service in seinen Flugzeugen zu transportieren, auch gebe es bereits Verkäufer, die die einen Dienst namens Amazon Freight nutzen, heißt es bei CNBC weiter. 

Der Online-Riese wolle dabei aber offenbar nicht dieselben Dienstleistungen wie UPS oder FedEx anbieten und x-beliebige Pakete transportieren. „Amazon sucht sich seine Routen sozusagen selbst aus. Sie wollen die Paketgrößen, die sie ausliefern wollen, überprüfen und sortieren“, vermutet ein Analyst. Auch könne der Konzern durch derartig speziell ausgewählte Zustellungen mit ansonsten verschwendetem Platz in seinen Lkw Geld verdienen. Solch freie Kapazitäten, die Algorithmen finden, seien bereits buchbar.

Amazon hat eigene Logistikkapazität massiv erhöht

Seit Jahren baut Amazon die eigene Logistik aus. Weltweit verfügt der Konzern über 400.000 Zusteller weltweit und eine Flotte von 40.000 Sattelschleppern, 30.000 Lieferwagen und mehr als 70 Flugzeugen. Die Kapazitäten im eigenen Logistiknetzwerk hätten sich im Vergleich zum Vorjahr bereits verdoppelt, so CNBC. 72 Prozent der Bestellungen versendet das Unternehmen inzwischen selbst, 2019 waren es noch 46,6 Prozent, heißt es weiter mit Verweis auf Zahlen des Analysehauses SJ Consulting Group.

Ob auch hierzulande Konkurrenz durch Amazon-Zusteller zu erwarten ist, bleibt fraglich. Allerdings hat der Großkonzern dem Amazon Watchblog zufolge zwischen 2010 und 2020 bereits satte 40 Milliarden Euro in die eigene Logistik gesteckt.

/ Geschrieben von Hanna Behn




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