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Jedes Unternehmen sieht sich heutzutage gezwungen, einen Drahtseilakt zu vollführen: Es muss immer abgewogen werden zwischen der eigenen Wirtschaftlichkeit und jenen Ausgaben, die notwendig sind, um ein bestimmtes Level an Service und Qualität des Geschäfts zu garantieren. Glaubt man der lauter werdenden Kritik, patzt die Deutsche Post aktuell bei dieser Kür.

Postbox

(Bildquelle Postbox: Nico Kaczmarczyk via Flickr, keine Änderungen, bestimmte Rechte vorbehalten)

Deutsche Post zwischen Aktionärs-Lust und Kunden-Frust

Als Chef der Deutschen Post scheint Frank Appel ziemlich viel richtig gemacht zu haben – zumindest aus Sicht der Anteilseigner. Der Wert der Unternehmens-Aktie hat sich in den vergangenen Jahren überaus positiv entwickelt und war seit dem Börsengang 2000 nie höher. Der Konzern kann sich als weltweiter Branchenführer feiern.

 

Erst heute wurden die aktuellen Zahlen für 2014 veröffentlicht: Unterm Strich steht ein operativer Gewinn zwischen 2,9 und 3,1 Milliarden Euro. Die Umsätze der Deutschen Post DHL Group sind im Vorjahresvergleich um 3,1 Prozent auf 56,6 Milliarden Euro gestiegen. Zu diesem Wachstums haben vor allem die internationalen Expressgeschäfte, sowie das deutsche Paketgeschäft beigetragen.

 

„Wir haben 2014 in einem weiterhin herausfordernden Umfeld solide abgeschnitten, insbesondere dank unserer starken Marktposition im E-Commerce und in den Schwellenländern“, kommentiert Appel die Zahlen.

 

Doch wo die Geschäfte besser kaum laufen könnten, mehren sich die Beschwerden der Kunden über das Unternehmen. Allein im vergangenen Jahr 2014 sei die Beschwerde-Quote der Verbraucher bei der Bundesnetzagentur um über 60 Prozent gestiegen. Die Kritik an schlechtem Service und unpünktlichen Zustellungen von Briefen und Paketen wird hörbar lauter.

Gesetzlicher Rahmen: Qualität der Post soll geprüft werden

Aus diesem Grund haben sich nach Angaben der Wirtschaftswoche Geschäftskunden und Massenversender zusammengeschlossen, um Rat zu halten. Doch nicht nur das. Ihr Ziel ist es, selbstständig Messungen vorzunehmen und zu überprüfen, ob sich die Laufzeit versendeter Briefe und Pakete noch im gesetzlichen Rahmen befinden.

 

Der Sparkurs von Post-Chef Appel könnte jedoch nicht nur die Geschwindigkeit und Qualität der Zustellung beeinflussen, sondern auch das engmaschige Filialnetz des Konzerns bedrohen: Branchenexperten gehen davon aus, dass auf längere Sicht rund 30 Prozent der stationären Geschäfte und Paketshops hierzulande ihre Pforten schließen müssen. Mit den neuen Verträgen der Deutschen Post könnten die betroffenen Shops die Wirtschaftlichkeit ihre Arbeit nicht mehr aufrechterhalten. Von den derzeit 25.000 Filialen verblieben dann lediglich noch 17.500 an der Zahl.

Deutsche Post: fünf Milliarden Euro Gewinn-Schwelle anvisiert

Im aggressiven und kompromisslosen Sparkurs liegt – so die Kritiker – die Wurzel des Übels. Die „Gründung von Niedriglohntöchtern für neue Paketboten“ sei dabei nur eines von vielen Symptomen der Sparwut. Und diese wird wiederum von Plänen gepeitscht, den Vorsteuergewinn innerhalb weniger Jahre von den besagten drei auf fünf Milliarden Euro hochzutreiben.

 

Möglich wird dieses Voranpeitschen der Gewinne nicht durch die Erhöhung des Portos: Schließlich schläft auch die Konkurrenz nicht. Der Druck ist groß und der Kampf um die Kunden hart. Wie die Wirtschaftswoche weiter argumentiert könnten solche Einsparungen vor allem im Personal-, sprich im Lohn-Bereich realisiert werden. Das heißt, dass die Belastungen für die Arbeitnehmer weiter steigen könnten und auch die Qualität der Zustellung im Begriff ist, Schaden zu nehmen.

Ausblick auf 2015: Die Deutsche Post hat große Pläne

Dass aufgrund der aggressiven Sparmaßnahmen nicht nur die Qualität des Geschäfts, sondern womöglich auch der Ruf des Konzerns Schaden nehmen könnte, davor scheinen die Führungsgrößen keine Angst zu haben: „Trotz der nach wie vor lediglich moderaten globalen Wachstumserwartungen sowie der weiteren geplanten strategischen Investitionen“ werde der aktuelle „Wachstumspfad“ auch im laufenden Jahr 2015 konsequent verfolgt.

 

„Um das Fundament für weiteres profitables Wachstum zu stärken, hat der Konzern im Jahr 2014 insgesamt 1,88 Milliarden Euro investiert (2013: 1,75 Milliarden Euro). […] Der Schwerpunkt lag dabei auf der Positionierung für künftiges Wachstum, insbesondere durch Investitionen in den Ausbau der Paket-Infrastruktur sowie in die Modernisierung der globalen und regionalen Express-Hubs in Leipzig, Cincinnati, Singapur und Dubai, in effizientere Frachtflugzeuge, in Infrastruktur für Neugeschäft im Bereich Supply Chain und in das Global Forwarding - Freight-Transformationsprojekt NFE.“

 

Die Weichen scheinen vonseiten des Konzerns also weiter auf Zukunft und Wachstum gestellt. Ob sich die Befürchtungen der Kritiker im Zuge weiterer Sparmaßnahmen bewahrheiten und vermeintliche Qualitätsmängel weiterhin offenbaren, wird sich zeigen.

/ Geschrieben von Tina Plewinski


Kommentare

#1 Baseline Toner 2015-03-12 09:46
"...Dass aufgrund der aggressiven Sparmaßnahmen nicht nur die Qualität des Geschäfts, sondern womöglich auch der Ruf des Konzerns Schaden nehmen könnte, davor scheinen die Führungsgrößen keine Angst zu haben..."

Das sollten Sie aber. Wir sind seit Jahren bei DHL und bis vor kurzem auch sehr zufrieden. Pakete waren in der Regel am nächsten Tag beim Kunden. Inzwischen sollte man von mindestens 2 Tagen Laufzeit ausgehen. Wir werden vermehrt von Stammkunden angesprochen, ob wir Probleme im Lager hätten. Früher wäre die Ware doch so schnell dagewesen. Nun, bei uns verläßt die Ware weiterhin schnell das Lager. Auch macht sich das Outsourcing in Kioske und Pommesbuden langsam negativ bemerkbar. Wenn wir Rücksendepaketm arken an Kunden versenden, ist es in letzter Zeit häufiger vorgekommen, dass Ihnen dann von nicht- oder kaumgeschulten "Mitarbeitern" gesagt wurde, dass Sie diese Marke nicht kennen und die Ware nun unfrei versendet wird. Zum Teil wurde dann sogar den Scancode überklebt. Wenn das zunimmt, können wir auch zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Damit verbessern wir zwar nicht Laufzeiten und Service, zahlen aber für den gleichen Schrott weniger Geld. Ganz im Sinne der DHL-Manager schauen wir dann nämlich auch einzig und allein ein profitables Unternehmen zu führen. Wenn der Blick nur auf Profit ohne entsprechende Gegenleistung gerichtet ist, wird das jedem Manager irgendwann auf die Füße fallen.



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