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Kay Schiebur, der bei der Otto Group als Konzern-Vorstand Services die Steuerung der nationalen und internationalen Logistikaktivitäten verantwortet, hat mit der Deutschen Verkehrs-Zeitung über den Ist-Stand und die künftigen Pläne von Hermes gesprochen.

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© Hermes

In der deutschen KEP-Branche passiert aktuell sehr viel. Nachdem erst vor Kurzem der neuste Rekord von 3,35 Milliarden Paketen bekannt wurde, fragen sich viele, wie es bei den einzelnen Unternehmen vor allem mit Blick auf das anstehende Weihnachtsgeschäft weitergeht.

Die Otto Group – und damit Hermes – zeigt sich dabei wie gewohnt transparent. Kay Schiebur, der bei der Otto Group als Konzern-Vorstand Services die Steuerung der nationalen und internationalen Logistikaktivitäten verantwortet, hat nun der Deutschen Verkehrs-Zeitung über die Pläne gesprochen. Dabei stellt Schiebur direkt am Anfang des Gespräches klar, dass Handel und Logistik nicht diametral gegenüberliegen. Stattdessen hat sich aus seiner Sicht „ein enormer Wandel in der Handelswelt vollzogen, bei dem man sich den Logistikthemen professionell zugewandt hat.“

Gehälter: Pro Stunde bis zu 15 Euro

In dem Gespräch geht es natürlich auch um die Punkte, die die Branche beschäftigt. Das ist zum einen der gravierende Mangel an Paketboten und Fahrern. Schiebur kennt die Problematik, vor der die ganze Branche steht, und verweist darauf, dass der Arbeitsmarkt „leergefegt“ sei – und das nicht nur im städtischen Gebiet. Während die DVZ die Entlohnung am Mindestlohn als Grund für den Mangel vermutet, weist Schiebur dies zurück. „Selbst in ländlichen Gebieten Thüringens oder Mecklenburgs arbeitet kaum noch ein Fahrer in der Nähe des Mindestlohns“, erklärt er und führt weiter aus, dass der Stundenlohn in Ballungsräumen bei elf Euro liegt, in München werden teilweise sogar 15 Euro pro Stunde gezahlt. Das Problem, dem sich dabei nicht nur Hermes gegenübersieht, ist der Spagat zwischen einer fairen Fahrerentlohnung und der „Notwendigkeit, auskömmliche Preise am Markt zu realisieren.“ Hermes setzte bereits im letzten Jahr durchschnittliche Preiserhöhungen von 4,5 Prozent bei seinen Geschäftskunden durch, die zum Weihnachtsgeschäft 2018 zum Tragen kommen. Die Mehreinnahmen sollen für eine bessere Entlohnung der Fahrer eingesetzt werden.  

Neue Preiserhöhungen werden kommen

Für die Geschäftskunden ist es damit übrigens nicht getan. Schiebur erklärt, dass es nach „der Preisrunde 2017“ auch eine „Preisrunde 2018 geben“ wird. „Wir haben ein sehr gutes Produkt und wir werden auch selbstbewusst im nächsten Jahr das Thema Preiserhöhung forcieren, weil ein vernünftiges Preisniveau Grundlage für Innovationen ist, die dieser Markt braucht, um Wachstum zu gestalten“, rechtfertigt er den Schritt. Gerade die notwendigen Investitionen in die Digitalisierung, die Technisierung, Immobilien und Co. liegen über einem 3-stelligen Millionenbereich. Auf die Frage der DVZ, wie viel man denn mehr brauche, antwortet Schiebur: „Wir haben im vergangenen Jahr von einer Preiserhöhung von 50 Cent pro Paket gesprochen. Das ist eine Größenordnung, die wir nach wie vor anstreben.“

Aber auch die letztes Jahr zu Weihnachten erstmals eingeführten Peak-Zuschläge waren Thema. Schiebur ist dabei stolz auf die Vorreiterrolle von Hermes – selbst Wettbewerber sollen gesagt haben, dass es gut ist, dass Hermes in diesem Punkt die Initiative ergriffen hat. Er geht zudem davon aus, dass dieses Prinzip „in der nächsten Wintersaison durchaus auch von Wettbewerbern“ übernommen wird. Und auch Hermes wird daran festhalten und den Kunden „erneut Mengenzusagen machen, die wir auch einhalten können.“

Amazon ist kein Gegner

In den kommenden Wochen und Monaten will man bei Hermes das Thema Kooperationen weiter in den Fokus rücken. Schiebur verweist hier vor allem auf die letzte Meile, da er an dieser Stelle die Möglichkeit sieht, „über Kooperationen auch mit Wettbewerbern stärker werden“ zu können.

Angesprochen auf Amazon und deren Pläne, eine eigene Lieferinfrastruktur auf der letzten Meile aufbauen zu wollen, reagiert Kay Schiebur gelassen. Für ihn ist Amazon „kein Gegner, sondern ein geschätzter Großkunde mit einem Anteil am Geschäft von knapp zwanzig Prozent“. Er geht davon aus, dass der relative Anteil von Amazon am Hermes Geschäft in der Zukunft gleich bleiben wird. Der Grund: Hermes kann ein Drittel des Geschäfts mit den Gesellschaften der Otto Group machen. Zumal man mit den Konzerngesellschaften und „anderen Kunden“ ein „ähnliches Wachstum“ plane. Er sieht Hermes als recht „unabhängig“ an.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


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