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Deutschland ist jetzt schon ein Land der Online-Shopper: Immer mehr Pakete werden transportiert – 2017 waren es über 3,35 Milliarden Stück und damit erneut Rekord für die KEP-Branche. Die Zahl stammt aus der neusten KEP-Studie, die die KE-Consult Kurte & Esser GbR im Auftrag des Bundesverbandes für Paket und Expresslogistik (BIEK) e.V. durchgeführt hat.

Viele Pakete
© cybrain – shutterstock.com

Sendungsvolumen hat sich in 17 Jahren fast verdoppelt

Letztes Jahr war es die wohl bekannteste Zahl in der Logistik-Branche: 2016 wurden erstmals über 3,1 Milliarden Pakete in Deutschland transportiert. Absoluter Rekord. Jetzt, ein Jahr später, wurde dieser erneut eingestellt. Nach Analyse des BIEK wurden 2017 erstmals 3,350 Milliarden Pakete transportiert. Das ist ein Plus von 6,1 Prozent und entspricht im Schnitt mehr als elf Millionen Sendungen pro Zustelltag bei deutlich mehr als sechs Millionen Kunden täglich – damit kommt jeder 13. Bürger täglich in Kontakt mit den KEP-Dienstleistern. Überhaupt hat sich das Sendungsvolumen seit 2000 fast verdoppelt (98 Prozent).

Sendungsvolumen im deutschen KEP-Markt
© KEP-Studie 2018 | BIEK

Mit 6,1 Prozent liegt das Wachstum zwar hinter dem Rekord von 2016 (rund 7 Prozent), kann sich aber dennoch sehen lassen. Aufgeschlüsselt nach Empfänger und Segment zeigt sich, dass im B2C ein Plus von 9,7 Prozent erreicht wurde. Im B2B ist es hingegen nur ein moderates Wachstum von 1,3 Prozent. Spannend ist zudem, dass das Express/Kurier-Segment ebenfalls ein Wachstum von 4,6 Prozent hinlegen konnte, auch wenn dieser Bereich am Gesamtmarkt nur noch 16,3 Prozent ausmacht. 2009 waren es noch 19,5 Prozent.

Express- und Kuriersendungen werden stärker vom wachsenden Online-Handel profitieren

Für die Zunahme des Sendungswachstums bei Paketen und den moderaten Rückgang bei Express/Kurier-Sendungen machen die Analysten einige Trends verantwortlich. Demnach liegt der steigende Anteil der Paketsendungen „vor allem an den deutlich höheren Wachstumsraten, die sich aus dem wachsenden Online-Handel im B2C-Segment und aus der Zunahme bei den B2B-Sendungen speisen.“ Aber auch die internationalen Sendungen nahmen 2017 deutlich zu. Der Anteil der internationalen Paketsendungen liegt nur knapp unter 10 Prozent. Die Wachstumsrate liegt bei 8,8 Prozent. Besonders spannend: Der Anteil und die Bedeutung der B2C-Sendungen an den internationalen Paketsendungen stiegen überproportional an.

Für den Rückgang bei den Express-Lieferungen machen die Analysten die Nachwehen der Wirtschafts- und Finanzkrise verantwortlich. Während dieser Zeit ist ein Teil dieser Sendungen entfallen, ein anderer Teil wurde aus Kostengründen als Paketsendung versendet. Daran anschließend sind, ebenfalls aus Kostengründen, nicht alle als Paket versendete Volumen wieder als Expresssendungen aufgegeben worden. Ein weiterer Grund dafür ist auch die hohe Leistungs- und Servicequalität der Paketsendungen. Doch für die Zukunft zeigt man sich optimistisch, da künftig auch die Express- und Kuriersendungen stärker vom wachsenden Online-Handel profitieren werden.

Prognose für 2018 lässt neuen Rekord erwarten

Die Prognosen für 2018 sind generell positiv. Der B2C-Bereich wird weiter durch das zweistellige Wachstum beim Online-Handel befeuert. Im Vergleich zu B2C- sind B2B-Sendungen allerdings deutlich stärker konjunkturabhängig. Eine Verlangsamung oder ein Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums auch im internationalen Umfeld schlägt sich also wesentlich stärker in den Wachstumsraten im B2B-Bereich nieder. Allerdings haben Industrieverbände, die Bundesregierung (Jahreswirtschaftsbericht für 2018) sowie der IWF die Prognosen für 2018 angehoben.

Aufgrund dieser Entwicklungen und Prognosen ist für den gesamten KEP-Markt in Deutschland für 2018 ein Anstieg des Sendungsvolumens zwischen 5 Prozent und 5,5 Prozent zu erwarten. Damit würde das Sendungsvolumen um etwas mehr als 170 Millionen Sendungen zunehmen. Im nationalen Markt prognostiziert man ein Wachstum der Sendungen zwischen 5,5 und 6 Prozent. Dabei ist mit einem Anstieg der B2C-Sendungen von bis zu 9 Prozent und der B2B-Sendungen zwischen 1 und 2 Prozent zu rechnen. Damit würde der Anteil der B2C-Sendungen am Paketmarkt weiter auf 62 Prozent steigen.

Zusammenfassung der Entwicklung des KEP-Marktes sowie Ausblick auf 2018
© KEP-Studie 2018 | BIEK

Übrigens: Es liegen bereits Prognosen für das Sendungsvolumen bis 2022 vor. Sowohl die Trendfortschreibung als auch die Prognosen gehen davon aus, dass bald die vier Milliarden Euro Marke im Sendungsvolumen geknackt wird. 2021 könnten bereits 4,11 Milliarden Sendungen zugestellt werden.

Durchschnittserlös von Sendungen sinkt erneut

Auch der Blick auf den Umsatz der KEP-Branche lässt rosige Zeiten erahnen. Im Jahr 2017 ist der Gesamtumsatz der KEP-Branche auf 19,4 Milliarden Euro gestiegen. Zum Vergleich: 2016 lag er bei 18,5 Milliarden Euro. Das bedeutet eine Umsatzsteigerung von 4,9 Prozent. Verglichen mit dem Jahr 2000 sind die KEP-Umsätze um rund 93 Prozent gestiegen. Für 2018 ist sogar ein Umsatz von über 20 Milliarden Euro möglich. Dabei entfallen 10,7 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte (55 Prozent) des Umsatzes auf den Paketmarkt. Expressendungen machen 4,2 Milliarden Euro (22 Prozent) und Kuriersendungen rund 4,5 Milliarden Euro (23 Prozent) aus.

Zwar wächst der Umsatz der KEP-Branche, doch müssen dafür immer mehr Sendungen transportiert werden. Grund: Die Durchschnittserlöse sind erneut gesunken. 2017 lagen sie bei 5,78 Euro pro Sendung und damit 7 Cent unter dem Wert von 2016. Die Analysten geben dabei zu bedenken, dass „diese rechnerische Größe sowohl einen Struktureffekt als auch einen Wettbewerbseffekt ausdrückt.“

Umsatz und Durchschnittserlös pro Sendung
© KEP-Studie 2018 | BIEK

In puncto Strukturänderungen bedeutet das folgendes: Das Segment Paket wurde in den letzten Jahren immer wichtiger und auch der Anteil der B2C-Sendungen ist gestiegen. Die Sendungen sind leichter und günstiger zu verarbeiten, da sie vor allem an Privatpersonen gesendet werden. Der Struktureffekt trägt mit 40 Prozent zu der rechnerischen Größe des Durchschnittserlöses bei. Weiterhin wird im Durchschnittserlös der hohe Wettbewerbs- und Preisdruck im Markt deutlich, dem sich alle KEP-Anbieter in der Branche gegenüber sehen. Den erweiterten und verbesserten Leistungen der KEP-Dienstleister, etwa im Netzausbau und in der innovativen Zustellung, steht nach Auffassung des BIEK jedoch „keine adäquate Zahlungsbereitschaft der Kunden gegenüber“, die der Wertigkeit der Logistikleistung entspricht. Insbesondere im B2C-Segment weisen die Kunden in Deutschland eine eher geringe Zahlungsbereitschaft für alternative Lieferoptionen auf.

Weitere Ergebnisse in der Zusammenfassung

Neben den umfangreichen Zahlen hat die KEP-Studie 2018 auch noch weitere spannende Erkenntnisse parat.

Mit dem Blick auf andere Branchen lässt sich feststellen, dass sich die KEP-Branche seit dem Jahr 2000 konstant überdurchschnittlich positiv entwickelt. Zur Erinnerung: Seitdem ist das Sendungsvolumen im KEP-Markt insgesamt um rund 98 Prozent gewachsen. Die Umsätze sind um rund 93 Prozent gestiegen. Die jährlichen Wachstumsraten der KEP-Branche liegen mit 3,9 Prozent weit über den anderen Branchen, nur der Wirtschaftsbereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit“ kommt mit 3 Prozent an das KEP-Wachstum ran. Der KEP-Markt liegt außerdem über dem Wachstum des gesamten Logistikmarktes, dessen durchschnittliches jährliches Wachstum rund 2,5 Prozent beträgt.

Auch als Job-Motor wird die Branche immer wichtiger. 2017 arbeiteten rund 229.600 Menschen in der KEP-Branche in Deutschland. Das waren erneut rund 10.000 mehr als im Vorjahr. Gegenüber 2002 steigt die durch die KEP-Branche ausgelöste Gesamtbeschäftigung um etwa 49 Prozent an. Allein bei den KEP-Unternehmen selbst ergibt sich ein Zuwachs seit 2002 um fast 70.000 Beschäftigte bzw. um rund 44 Prozent.

Fokus Brexit

Die KEP-Studie 2018 legt zudem einen besonderen Fokus auf das Thema Brexit. Großbritannien ist einer der wichtigsten Handelspartner. Das aktuelle Sendungsvolumen zwischen Deutschland und Großbritannien liegt schätzungsweise bei jährlich rund 43 Millionen Sendungen, wobei davon 24 Millionen nach GB und 19 Millionen nach Deutschland gehen. Mit dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU wird es vor allem bei der Zollverwaltung zu einem erheblichen Mehraufwand kommen. Personell wird allein bei deutschen Zollbehörden mit einem Bedarf von bis zu 4.000 Stellen gerechnet. Bei den britischen Steuerbehörden geht man von einem Zusatzbedarf von bis zu 5.000 Mitarbeitern aus.

Der anstehende Brexit wird auch extreme Auswirkungen auf den KEP-Markt haben. Für die Unternehmen entstehen „höhere Aufwendungen durch die Umstellung der Prozesse und die Anpassung der Systeme zur Dokumentation und Erfassung.“ Zudem müssen Software, Programme und Eingabemasken für Ausfuhr- und Einfuhrdokumente sowie zur Abrechnung neu konfiguriert und überarbeitet werden. Aber auch die Personalkosten dürften steigen, da zur Abfertigung und Abrechnung der Sendungen sowie zur Überprüfung und Dokumentation von Sendungen einfach mehr Personal benötigt wird.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


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