Erst vor Kurzem machte die Deutsche Post der Verdi ein Angebot für einen neuen Tarifvertrag. Doch damit scheint das Thema Streik noch nicht ganz vom Tisch zu sein. In Berlin und Potsdam hat die Arbeitnehmervertretung 600 DHL-Mitarbeiter zu Streiks aufgerufen. Und auch bei Amazon läuft es alles andere als rund.

Streiker
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In Berlin und Potsdam kann es aktuell zu Auslieferproblemen bei Paketen kommen. Der Grund: Warnstreiks bei der DHL Delivery Berlin GmbH in Berlin und im Raum Potsdam. Wie rbb24 berichtet, hat Verdi insgesamt 600 Mitarbeiter zu Warnstreiks aufgerufen, rund die Hälfte der Beschäftigten ist dem Ruf gefolgt und hat die Arbeit niedergelegt – und das für den ganzen Tag.

70.000 Sendungen bleiben liegen oder verspäten sich

Am Rand der Streikversammlung im Brauhaus Berlin erklärte Gewerkschaftssekretär Axel Kronbügel, im Landesfachbereich für die Postdienste, Speditionen und Logistik verantwortlich, dass man Störungen im Betrieb und bei der Auslieferung der Pakete erwarte. „Tausende Pakete würden am Dienstag gar nicht oder erst später ausgeliefert werden“, heißt es bei rbb24. Dass sich nur die Hälfte der Angestellten dem Streik angeschlossen hat, liegt nach Kronbügels Meinung vor allem an den befristeten Arbeitsverhältnissen. Wer beim Streik nicht dabei sein konnte, dem riet Verdi „Dienst nach Vorschrift zu betreiben“. Schon dies dürfte zu erheblichen Verzögerungen bei der Paketauslieferung beitragen, denn „Dienst nach Vorschrift“ heißt, dass pro Auslieferung nur ein Paket - und nicht wie sonst oft üblich – mehrere getragen werden.

Bestreikt werden aktuell 15 Berliner Depots. In den DHL Delivery Depots werden normalerweise etwa 70.000 Sendungen verarbeitet und zugestellt. Nicht von dem Streik betroffen sind die Depots der Deutschen Post. Mit den Streiks will Verdi Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Speditions-, Logistik- und Paketdienstbranche ausüben. Gefordert werden unter anderem 6,5 Prozent mehr Lohn. Am Donnerstag geht es in die nächste Verhandlungsrunde.

Waren stürzen aus Hochregallager

Neben der DHL Delivery GmbH sieht sich auch Amazon neuen Streiks gegenüber. Bereits am Montag, so berichtet der Westfälische Anzeiger, kam es bei Amazon in Werne zum Warnstreik. Hintergrund des Warnstreiks ist der Vorwurf von Verdi, dass es Amazon „nach dem Umzug mit der Arbeitssicherheit nicht so genau“ nimmt, „weil der Betrieb in der neuen Anlage noch nicht rund laufe.“ Am heutigen Dienstag soll laut Verdi die Bezirksregierung Arnsberg einer entsprechenden Beschwerde nachgehen.

Während Amazon Sprecherin Antje Kurz-Möller im WA damit zitiert wird, dass man nicht erkennen könne, dass „es einen Trend zu vermehrten Arbeitsunfällen gibt“ und „von Chaos“ keine Rede sein kann, zeichnet Verdi ein anderes Bild. So sollen mehrfach Waren aus bis zu zehn Metern Höhe in die Gänge gestürzt sein, weil Mitarbeiter mit den Hubwagen aufgrund der engen Gänge sich gegenseitig behinderten. „Die Gänge sind sehr eng, die Flurförderfahrzeuge stauen sich, man fährt sich die Spiegel ab. Die Fahrer stehen unter Druck, weil sie sich rechtfertigen müssen, sobald sie stillstehen“, wird Verdi-Sekretär Karsten Rupprecht zitiert. „Neulich konnte ein Kollege die Bühne nicht mehr herunterfahren und musste 20 Minuten um Hilfe rufen.“

Die aktuelle Situation hat Verdi nun dazu animiert, die Amazon-Mitarbeiter zum Streik aufzurufen. Bereits am Montag trat ein Teil der Frühschicht in den Warnstreik. Dieser soll bis Dienstag um Mitternacht von den vier folgenden Schichten fortgesetzt werden. Die Beteiligung sei mit 150 Streikenden zum Auftakt „so groß gewesen wie noch nie“, heißt es beim WA.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock




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