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Im Kampf gegen den stetig steigenden Verpackungsmüll setzen die Händler Tchibo, Otto und der Avocadostore künftig auf die Mehrwegversandverpackungen von RePack.

RePack Verpackung
© Instagram RePack

Im Juli 2019 wurde das dreijährige PraxPack-Forschungsprojekt von Otto, Tchibo und dem Avocadostore ins Leben gerufen. Gemeinsam will man gegen den steigenden Verpackungsmüll vorgehen. Jetzt startet die erste Testphase. Dafür werden alle drei Unternehmen künftig die Mehrwegverpackungssystem des finnischen Anbieters RePack verwenden.

Die RePack-Mehrwegversandtaschen bestehen aus recyceltem Kunststoff und können vom Kunden auf Briefgröße wieder zusammengefaltet werden. Anschließend lassen sich die wiederverwendbaren Verpackungen frei über die Post zurücksenden. So kann eine Verpackung 20 Mal und mehr in Umlauf gebracht werden. Im Vergleich zu den herkömmlichen Versandverpackungen können so bis zu 80 Prozent CO2 und 96 Prozent Müllvolumen eingespart werden, erklärt Benjamin Köhler, Leiter der Otto-Nachhaltigkeitsabteilung im Interview zum neuen Mehrwegsystem.

Akzeptanz der Kunden erfragen

„Ziel ist, bis zum Projektende Anfang 2022, umfangreiche Erkenntnisse zu generieren, wie Mehrwegsysteme gestaltet sein müssen, damit sie praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig sind, und welche branchenspezifischen und politischen Rahmenbedingungen hierbei unterstützen können“, erklärt Lisa Rödig vom Hamburger Institut für Ökologie und Politik (Ökopol) in einer Meldung von Tchibo. Ab Ende August wird der Händler rund 7.500 Einwegversandtüten durch die RePack-Mehrwegtaschen ersetzen und die neuen Verpackungen hauptsächlich für den Versand von Textilien innerhalb Deutschlands verwenden. Die Kunden werden per Zufallsprinzip ausgesucht, parallel wird eine Befragung ablaufen, um die Akzeptanz am neuen System zu erfragen.

„In der Testphase sind einige Punkte entscheidend: Wie gut durchläuft die Mehrwegtüte die logistischen Prozesse? Welche Auswirkungen verursacht die Mehrwegtüte am Packplatz? Und nicht zuletzt: Werden die Kunden die Mehrwegtüten auch zurücksenden? Wir sind sehr gespannt auf die Reaktionen und hoffen auf eine gute Mitarbeit unserer umweltbewussten Kunden“, sagt Alexander Ralfs, Director Supply Chain Management & Logistics bei Tchibo.

Herausforderung Mehraufwand

Bei Otto sieht man vor allem den Mehraufwand als große Herausforderung an, ganz besonders dann, wenn man das System der wiederverwendbaren Verpackungen im großen Stil etablieren will. „Es werden zusätzliche Fahrzeugkapazitäten und Strukturen benötigt, PaketShops und Hermes-Zusteller*innen müssen Bescheid wissen und auch in den Logistik- und Versandzentren entsteht zusätzliche Arbeit durch die Wiederaufbereitung. Im jetzigen Pilottest fällt das noch nicht so ins Gewicht, das sind aber Punkte, die es zu durchdenken gilt“, so Benjamin Köhler.

Auch hier werden die Tests mit Umfragen verbunden sein, um herauszufinden, wie Kunden auf die Mehrwegversandverpackung reagieren und ob dieser Lösungsansatz nachvollziehbar für sie ist. Für Konsumenten wird sich allerdings kaum mehr Aufwand ergeben, sie können die Taschen, egal ob leer oder mit einer Retoure, entweder direkt beim Hermes-Zusteller abgeben oder in einem Hermes Paketshop vorbeibringen. „Jetzt im ersten Test setzen wir auf den guten Willen und die Kooperationsbereitschaft unserer Kund*innen. Eine Dauerlösung kann das aber nicht sein. Langfristig müsste hier über ein einheitliches Pfand- und Rückführungssystem nachgedacht werden. Das aber kann nur als Branchenlösung funktionieren“, so die Herausforderungen der Zukunft laut dem Leiter der Otto-Nachhaltigkeitsabteilung.

Im vergangenen Jahr hatte bereits Zalando bekannt gegeben, wiederverwertbare Verpackung testen zu wollen. Der Online-Modehändler will im Zuge der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie außerdem künftig keine Plastikverpackungen mehr verschicken, sondern auf Papier setzen.

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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