Warten Sie auf ein Paket und leben in der Nähe eines Amazon Logistik-Lagers? Wenn ja, sollten Sie eventuell mal dort anrufen und nachfragen, ob das Paket vielleicht dort abgegeben wurde. Klingt komisch? Ist es auch. Aber tatsächlich scheint dies häufiger vorzukommen. Ein Fall aus Niedersachsen zeigt jetzt, dass falsch zugestellte Pakete kein Einzelfall sind.

Frau schaut auf die Uhr mit verärgertem Gesichtsausdruck
© Evgeny Subbotsky – shutterstock.com

Bei mehreren Millionen Paketen im Jahr ist es eigentlich fast natürlich, dass das ein oder andere Paket verloren geht. Das ist für die Empfänger und Absender ärgerlich, aber eben auch oft nur ein Versehen. Zudem darf man nicht vergessen: Auch bei den KEP-Dienstleistern arbeiten nur Menschen. Fehler passieren.

Hunderte Pakete irrtümlich bei Amazon abgegeben

Ein neuer Fall aus Niedersachsen sprengt jedoch diese Prämisse. Auf der Seite der Verbraucherzentrale NRW findet sich ein äußerst spannender Fall in puncto verlorene Pakete. Wie es in der Beschwerde des Verbrauchers heißt, wartete er auf sein Paket, das von Privat an ihn versendet wurde. Laut DHL-Sendungsverfolgung wurde das Paket erfolgreich zugestellt. Auf Nachfrage bei der DHL, wer das Paket entgegen genommen habe, erhielt der Verbraucher die Erklärung, dass diese Information nur an den Absender gegeben werden würde. Nachdem die telefonische Nachfrage des Absenders abgelehnt und der Sachverhalt per E-Mail bei der DHL eingereicht wurde, erhielten Absender und Empfänger schließlich eine Antwort auf die Frage, wo denn das Paket sei.

Wie sich herausstellte, wurde das Paket in Pforzheim bei Amazon abgegeben, dabei war der Karton braun und „ohne alte Aufkleber oder Amazon Stempel!“ Nachdem bekannt war, wo das Paket abgeblieben war, rief der eigentliche Empfänger bei Amazon an. Wie bei der Verbraucherzentrale NRW zu lesen ist, erklärt die Amazon-Mitarbeiterin, „dass täglich ganz viele Pakete bei Amazon abgegeben werden, die gar nicht an Amazon adressiert sind.“

Auslieferung an Amazon dürfte nicht passieren

Amazon erfasst diese Pakete und leitet sie entweder an den Absender oder an den Adressaten weiter. Allerdings, so wurde erklärt, kann dies dauern, da es sich um hunderte von Paketen handelt. Auf die Frage, wie es überhaupt möglich ist, dass so viele Pakete fehlerhaft bei Amazon ankommen, erklärt die Angestellte, „dass in den DHL-Sortier-Stationen große Container stehen, wo nur Amazon Pakete rein kommen. Und wenn ein Mitarbeiter mal kein Bock hat, schlecht drauf ist, nicht lesen kann oder oder…, wirft er das Paket da rein und wech is es!“

Nach fünf Wochen wurde das Paket – von Amazon neu verpackt – dann endlich zugestellt.

Wir haben bei Amazon in Leipzig angefragt, ob sie solche Vorfälle bestätigen können oder ob Pforzheim dabei eine Ausnahme ist. Bisher hat sich das Unternehmen nicht dazu geäußert. Die Verbraucherzentrale selbst sieht die DHL in der Pflicht, Pakete beim Empfänger abzuliefern und sich bei Zweifeln über die Identität desjenigen zu vergewissern, der das Paket in Empfang nehmen soll. Auch wenn beim Sortieren Fehler passieren können, dürfte eine Auslieferung an Amazon nicht passieren. Schließlich handelt es sich beim Paketversand um eine versicherte Versandart, bei der die Übergabe gegen Unterschrift stattfindet. Amazons Verhalten hingegen, das Weiterleiten der Pakete, beurteilt die Verbraucherzentrale positiv, denn Amazon ist dazu nicht verpflichtet. Ausreichend wäre es, das Paket an das Transportunternehmen zurück zu geben – mit dem Hinweis, dass ein Anderer der tatsächliche Empfänger ist.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock




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