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Logistiker müssen in der Coronakrise deutlich mehr Lieferungen leisten – deshalb hält wie die Deutsche Post DHL Group nun auch der Logistiker Liefery Sonntagsarbeit derzeit für notwendig.

Liefery-Kurier auf dem Rad
© Liefery

Liefery entwickelt Servicekonzepte für Same-Day- und Next-Day-Lieferungen und liefert vor allem in den deutschen Ballungsgebieten Berlin, Hamburg, München, Frankfurt sowie dem Ruhrgebiet aus – die Kuriere stellen hier im im Normalfall monatlich rund 1,2 Millionen Pakete zu. Im Vergleich zu Anfang März stellte das Unternehmen nun einen Anstieg der Nachfrage nach Lebensmittellieferungen um 60 Prozent und einen Anstieg von Apothekenlieferungen um 63 Prozent fest. Hinzu komme, dass aufgrund von Geschäftsschließungen vermehrt über Online-Shops bestellt würde.

Daneben müsse auch den aktuellen Hygieneauflagen Rechnung getragen werden, zieht das Unternehmen eine aktuelle Bilanz aus der Krise. Um Warenströme nicht einzuschränken, fordert Liefery, das mehrheitlich zur Otto-Group gehört und namhafte Kunden wie Rewe, H&M, Würth oder Notebooksbilliger betreut, eine Aufhebung des Verbots von Sonntagsarbeit. 

Maßnahmen der Bundesregierung seien zögerlich

Logistik-Dienstleister wurden von der Bundesregierung mehrheitlich als systemrelevant eingestuft, allerdings könne Liefery-CEO und Mitbegründer Nils Fischer nicht nachvollziehen, „warum noch immer am Verbot für Sonntagslieferungen festgehalten wird“ – so seien seiner Ansicht nach die Lieferdienste „in der aktuellen Krise doch integraler Bestandteil der Gesellschaft zur Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Lebensmitteln und anderen Gütern“, heißt es in einer Unternehmensmeldung. 

Fischer nimmt dabei Bezug auf Forderungen des Bundesverband Paket und Express Logistik (BIEK) und unterstützt den Ansatz, dass das Arbeitsrecht so geöffnet werden solle, dass transportierte Waren sonntags auch abgenommen und weiterdistribuiert werden können. Die Forderung betrifft den § 10 des Arbeitszeitgesetzes, der Ausnahmen zur Sonn- und Feiertagsbeschäftigung regelt, und um den Tatbestand ergänzt werden müsse, dass Bürger und Unternehmen mit Waren und Gütern zu versorgen sind. Laut dem Liefery-CEO wäre dann eine lückenlose Versorgung sichergestellt. 

Geringe Erfolgsaussichten für Sonntagsarbeit

Die DHL Group hatte erst kürzlich vereinzelt bzw. regional Sonntagszustellungen durchgeführt, da ein Sendungsvolumen wie zur Vorweihnachtszeit verzeichnet wurde und aus Unternehmenssicht nur so ein Kollaps des Paketsystems verhindert werden könne. Zahlreiche weitere Paketdienste hatten rund um Ostern entsprechende Anträge zur Aufhebung des Sonntagsverbots eingereicht, ein Berliner Gericht hatte hier jedoch keinen Bedarf einer solchen Ausnahmeregelung gesehen – es gebe aktuell keine Versorgungskrise. 

Auch das Bundesarbeitsministerium sowie Gewerkschaften sprachen sich u .a. zugunsten der Gesunderhaltung der Mitarbeiter gegen Sonntagsarbeit aus. Deutliche Worte an die Deutsche Post AG richtete in diesem Zusammenhang jüngst auch die Fachgewerkschaft für die Beschäftigten der Post, Postbank, Telekom und Call-Center (DPVKOM): „Auch wenn vor Monaten kaum jemand die ,Corona-Krise‘ und ihre Auswirkungen voraussehen konnte, ist die Misere im Betrieb hausgemacht. Noch immer fehlen nämlich bundesweit mehrere Tausend Zusteller. Und nach wie vor erhalten zu wenige von den Beschäftigten einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Bestehende Rekrutierungsprobleme wurden durch die unsinnigen Tarifverschlechterungen im letzten Jahr noch verstärkt“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Die Gewerkschaft fordert stattdessen die Einstellung von weiteren, unbefristeten Arbeitskräften.

/ Geschrieben von Hanna Behn


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