Es könnte durchaus zu mehr Nachhaltigkeit auf der Letzten Meile beitragen, wenn der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in den Zustellprozess integriert wird, zeigt eine Analyse.

Tram in Berlin
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Für eine emissionsärmere Zustellung von Sendungen nutzen die Kurier-, Express- und Paketdienstleister (KEP) bereits verschiedene Optionen, immer öfter erfolgt der Transport beispielsweise via Lastenrad oder Elektrofahrzeug. Aber auch andere Beförderungsmittel kamen für die Paketzustellung bereits zum Einsatz: So gab es etwa für die Zustellung via Straßenbahn bereits Pilotversuche in Frankfurt, Karlsruhe oder Wien.

Ob und inwieweit Kooperationen mit dem ÖPNV zu mehr Nachhaltigkeit in der Paketzustellung beitragen könnten, hat jetzt auch der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) in einer umfangreichen Studie untersucht. Studienautor Prof. Dr. Ralf Bogdanski und Studienautorin Cathrin Cailliau kommen dabei zu dem Schluss, dass das Potenzial grundsätzlich vorhanden sei – allerdings brauche es auch die passenden Rahmenbedingungen. 

Pakettransport bei geringer Auslastung

So sei es vor allem denkbar, dass der Pakettransport lediglich im Mischbetrieb, also gleichzeitig zur Beförderung von Personen, erfolgen könne – ein exklusiver Güterbetrieb ließe sich indes nicht umsetzen. Der Personentransport müsse allerdings weiterhin Vorrang haben, weshalb die Paketbeförderung eher zu Nebenzeiten bzw. bei geringerer Auslastung des ÖPNV erfolgen könne. 

Zu berücksichtigen ist grundsätzlich die Lage der KEP-Depots und der jeweiligen Zustellgebiete in den Nahverkehrsnetzen. Gerade auf längeren Strecken wäre der Pakettransport in Bus und Bahn allerdings ökoeffizienter: „Vor allem für Mittel- und Kleinstädte in größeren Ballungsräumen böte sich das Konzept an, denn hier werden längere Strecken als Direktverbindungen mit dem Schienennahverkehr zurückgelegt“, erläutert der Verband zu den Studienergebnissen.

All das sei jedoch nicht ohne Maßnahmen der Politik und entsprechende Förderungen möglich. Finanzielle Unterstützung bräuchte es insbesondere für logistikgerechte Umbauten an den Verkehrsmitteln und an der Infrastruktur. Problematisch seien außerdem Haftungsfragen und Personalkapazitäten.

Anbieterübergreifende Lösungen notwendig

Um ein optimales Handling beim Transport gewährleisten zu können, müssten standardisierte Wechselbehälter eingesetzt werden. Das würde u. a. den Zulassungsaufwand nach Umbauten der ÖPNV-Verkehrsmittel zur Ladungssicherung reduzieren.  Die Behälter sollten darüber hinaus auf alle marktgängigen Lastenradmodelle und auf die Anlagentechnik in KEP-Depots angepasst werden.

Eine sinnvolle Ergänzung könnten anbieteroffene Paketstationen sein, heißt es weiter. In der Praxis stellt das aber womöglich eine Hürde dar: So haben DPD und Hermes erst kürzlich das Ende ihres einst gemeinsamen Paketkasten-Projekts ParcelLock, da u. a. die Nutzerzahlen nicht den Erwartungen entsprochen hatten. 

Grundsätzlich beobachtete Studienautor Bogdanski, dass KEP- und ÖPNV-Unternehmen offen dafür seien den Pakettransport im ÖPNV im Mischbetrieb zu erproben.  „Das ist ein wichtiger erster Schritt“, so der Professor für Nachhaltige Stadtlogistik an der TH Nürnberg Georg Simon Ohm. „Wenn die notwendigen Rahmenbedingungen gegeben sind, könnten nicht nur konventionelle Fahrzeuge eingespart, sondern auch die nachhaltige Zustellung mit Lastenfahrrädern – in diesem Fall von den Bahnhöfen und Haltestellen aus – eine noch breitere Anwendung finden. Der Hauptvorteil: Die bisher erforderlichen und schwer zu findenden Mikrodepots könnten bei diesem Konzept entfallen.“

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/ Geschrieben von Hanna Behn




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