Zahlreiche Unternehmen haben den Geschäften mit Russland derzeit den Rücken gekehrt. Das Kriegsgeschehen in der Ukraine belastet den Warenverkehr indes weiter: Hunderte Handelsschiffe stecken noch fest.

Container verschiedener Logistiker und Reedereien
Kotenko Oleksandr / Shutterstock.com

Russlands Einmarsch in die Ukraine und damit im Zusammenhang stehende wirtschaftliche Sanktionen seitens der EU haben große Logistikfirmen und Reedereien zum Stopp ihrer Russlandtransporte veranlasst. Zuvor hatten bereits mehrere Paketdienste, darunter auch DHL, sowie DB Schenker mitgeteilt, dass Services in beide Länder eingestellt werden. Ebenso kündigte Logistiker DSV aktuell an, die Schienenverkehre zwischen Asien und Europa auszusetzen. „Nach derzeitiger Lage können wir unseren Kunden keine Sicherheit im Bahnverkehr durch Russland geben“, heißt es unter anderem zur Begründung.

Große Reedereien liefern nur noch humanitäre Güter

Das gilt etwa für den dänischen Reedereikonzern Maersk: „Da die Stabilität und Sicherheit unseres Betriebs direkt und indirekt schon durch die Sanktionen beeinflusst wird, werden neue Maersk-Buchungen über See und Land nach und von Russland vorübergehend ausgesetzt“, zitiert die Tagesschau eine Mitteilung des Konzerns. Demnach laufe man russische Häfen „bis auf Weiteres“ nicht an. Man werde die Geschäfte wieder aufnehmen, wenn das Unternehmen wieder Stabilität und Sicherheit gewährleisten könne.

Ähnlich reagierte auch Kühne+Nagel: Alle Sendungen nach Russland würden mit sofortiger Wirkung ausgesetzt – sowohl im Luft- und See- als auch im Lkw-Verkehr, wie DPA/Fashionunited berichtet. Derartige Entscheidungen trafen laut Tagesschau außerdem Ocean Network Express (ONE) aus Singapur und die Schweizer Reedereigruppe MSC. Weiterhin befördert werden allerdings humanitäre Hilfsgüter bzw. Pharma- und Gesundheitsprodukte. Maersk erklärte, dass dies in der eigenen „sozialen Verantwortung“ liege, man wolle die Bevölkerung „trotz aller Komplikationen und Unsicherheiten“ unterstützen.

Auch die Hamburger Reederei Hapag-Llloyd hat vergangene Woche die Buchung von Frachten in die Ukraine und Russland gestoppt. Der Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA nehme keine Container mehr an, die aus Russland kommen oder dorthin gehen sollen – das gelte ebenfalls für jene Ladung, die per Bahn, Binnenschiff oder Lkw befördert werde, wie der Spiegel berichtet. Sämtliche Warentransporte aus dem Hamburger Hafen nach Russland müssten zudem wegen der aktuellen Sanktionen eine Einzelgenehmigung des Zolls erhalten und seien nur dann erlaubt. Auch in Rotterdam und Antwerpen würden keine Container mehr von und nach Russland abgefertigt. Auf diese Weise wollen die Hafenbetreibergesellschaften verhindern, dass ohnehin knappe Containerkapazitäten nicht noch weiter schrumpfen.

Die Europäische Union soll Schiffen aus Russland zudem bereits mit einem Einlaufverbot in hiesige Häfen gedroht haben, so die Tagesschau. Allerdings gilt dies – anders als im Luftverkehr – noch nicht. Die Reedereien reagieren daher somit derzeit auf eigene Faust. „Die EU kann nicht beschließen, dass Häfen nicht angefahren werden“, erklärte ein Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR), dies müssten also die EU-Mitgliedsstaaten beschließen. Großbritannien hat bereits entsprechende Verbote für russische Schiffe erlassen.  

Exportstopp für Lkw- und Flugzeug-Ersatzteile

Wegen Sanktionen setzten einige Firmen zudem die Lieferung von Materialien und Teilen für den Flugzeugverkehr in Russland aus, darunter etwa Airbus und Boeing. Die Flugzeugbauer reagierten auf diese Weise auf die Strafmaßnahmen in der Luftfahrtbranche, durch die der russische Luftfahrtsektor international isoliert werden soll, schreibt Reuters/Onvista.

Das gilt auch für den Fahrzeugbau: Produzent MAN stoppte entsprechende Ersatzteillieferungen nach Russland. Ohnehin komme es wegen der Kriegshandlungen bei dem zur VW-Gruppe gehörenden Unternehmen zu Versorgungsengpässen und folglich zu Produktionsausfällen, heißt es in der Verkehrsrundschau. Unter anderem wird die Produktion am Standort in Belarus, genauer St. Petersburg, wo rund 70 Beschäftigte arbeiten, wegen Lieferengpässen heruntergefahren. 

100 Handelsschiffe verharren noch in Kriegsregion

Währenddessen stecken zwischen Ukraine und Russland noch etwa 100 Handelsschiffe fest, genauer im Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer. Die Regionen seien zu Kriegsgebieten erklärt worden: „Ablegen ist unmöglich, es gibt keine Schlepper. Das Seegebiet ist wahrscheinlich vermint“, sagte dem Spiegel zufolge der VDR-Sprecher. VDR-Verbandspräsidentin Gaby Bornheim mahnte zudem: „Russland muss die Freiheit der Schifffahrt respektieren. Unbeteiligte Handelsschiffe dürfen nicht angegriffen werden.“ Sie forderte, dass Schiffe und Besatzung die Region verlassen dürfen.

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/ Geschrieben von Hanna Behn




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