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Einen Ausblick auf die Logistik in Städten um das Jahr 2040 liefert ein neues Whitepaper der IT-Beratung MHP. Drohnen werden in den kommenden Jahren ebenso eine große Rolle spielen wie unterirdische Infrastrukturen und unbemannte Boote.

Lagercartoon Roboter
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Der globale Handel mit Gütern und Dienstleistungen wird sich im Jahr 2030 mehr als verdreifachen, auch das Volumen an Paketlieferungen wird um das Dreifache ansteigen und einen Wert von 8,5 Milliarden Sendungen pro Jahr in Deutschland erreichen. Gleichzeitig werden 40 Prozent aller deutschen Lkw-Fahrer bis 2030 in Rente gehen und den ohnehin schon akuten Fahrermangel in der Logistik um weitere 150.000 Fahrer verschärfen. All diese Entwicklungen machen innovative Konzepte für die Logistikbranche in den kommenden Jahren unabdingbar.

Wie genau diese Entwicklungen aussehen und welche Konzepte im Jahr 2040 die Branche bestimmen werden, damit hat sich jetzt die Management- und IT-Beratung MHP auseinandergesetzt. Im Whitepaper „Logistik 4.0 – Intelligent, Integriert, Autonom“ stellt das Unternehmen entsprechende Ansätze und Ideen vor.

Mega-City-Logistik-Hubs an den Stadträndern

Die steigenden Warenströme werden in den Städten zwangsläufig zu neuen Logistikkonzepten führen. Für das Jahr 2040 prognostiziert MHP die Entstehung einer Reihe von sogenannten Mega-City-Logistik-Hubs an den Rändern der Ballungsräume bzw. Städten. Hier werden die Warenlieferungen gezielt gebündelt und dann mit kleinen Transporteinheiten wie elektrischen Lieferwagen und Lastenfahrrädern oder auch Drohnen zum Endkunden gebracht.

Im Amsterdam ist ein solcher Mega-Hub bereits im Planung. Im Jahr 2021 soll am Amsterdamer Hafen ein 125.000 Quadratmeter großer Logistik-Hub für Warenlieferungen in zentrale Quartiere entstehen, um so den innerstädtischen Verkehr zu reduzieren und die Lieferungen so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Das Thema Nachhaltigkeit wird in den nächsten 20 Jahren eine entscheidende Rolle in der Logistik spielen und auch deutlich umfassender berücksichtigt werden, als dies aktuell noch der Fall ist. Die Autoren des Whitepapers gehen beispielsweise vom verstärkten Einsatz von Optimierungssoftware aus, um transportfertige Fracht und leere Transportmittel besser zusammenführen zu können und so die CO2-Bilanz pro Transport zu reduzieren.

Zustellung per Luftschiffe

Die Zustellung per Drohne wird bereits seit einigen Jahren von verschiedenen Firmen getestet, laut einer Bitkom-Studie aus dem vergangenen Jahr finden 50 Prozent der Deutschen die Lieferung von Einkäufen mit Drohnen durchaus ansprechend. Auch die Experten von MHP sehen hier viel Potenzial für die kommenden zehn Jahre und gehen davon aus, dass in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 850.000 Drohnen verwendet werden. Zwar soll sich der kommerzielle Anteil nur auf rund 130.000 Drohnen belaufen, würde aber dennoch einen Anstieg um ca. 584 Prozent innerhalb von zwölf Jahren bedeuten.

Zusätzlich wird die Logistikbranche im Jahr 2040 vermehrt unterirdische Potenziale nutzen und Plattformlösungen entwickeln, die den Gütertransport unter der Erde koordinieren und autonom leiten sollen. „Durch sogenannte Hubs an den Start- und Endpunkten wichtiger Transportstrecken gelangen Waren, Pakete sowie andere Materialien wie z. B. Baustoffe per Aufzug in die unterirdische Infrastruktur. Dort stehen mit vernetzten Waggons bzw. voll elektrischen Förderbändern mit Transportmodulen unbemannte Fördermittel bereit“, wie es in dem Whitepaper heißt.

Auch nach alternativen Transportmitteln für den Luftverkehr wird die Logistikbranche in Zukunft forschen. Die Rede ist hier von fliegenden Warenlagern. So sollen riesige Luftschiffe als zentrale Lager dienen, gefüllt mit Materialen oder Paketen. Drohnen sollen die Sendungen dann autonom und direkt aus dem Luftschiff heraus zum Endkunden bringen. Dass diese Idee gar nicht so abwegig ist, zeigen erste Neubauimmobilien mit einem integrierten Drohnenlandeplatz in Ludwigsburg.

Gütertransport auf dem Wasserweg

Realistischer ist allerdings der Warentransport mit unbemannten Schiffen. Der Schiffsverkehr weist durch den bisher geringen Digitalisierungsgrad großes Potenzial auf. Beispielsweise wurde bereits im Jahr 2019 in Berlin ein entsprechendes Forschungsprojekt ins Leben gerufen, welches sich mit dem Ziel auseinandersetzt, „den Gütertransport rund um Berlin mehr auf Wasserwege zu verlegen und durch autonome, koppelbare und elektrisch betriebene Wasserfahrzeuge einen Beitrag zur modernen City-Logistik zu leisten“, schreiben die Experten von MHP weiter.

Das gesamte Whitepaper „Logistik 4.0“ steht auf der Website des Beratungsunternehmens zum kostenlosen Download bereit.

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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