Roboter kommen in der Logistik inzwischen vielfach zum Einsatz. Folgender Artikel gibt einen kleinen Überblick verschiedener Technologien und deren Anwendungsbereiche.

Roboter mit Paket
Besjunior/Shutterstock.com

Toru und Soto

Aus dem Hause Magazino stammen die beiden Roboter Toru und Soto. Beim ersten handelt es sich um einen autonomen Pick-Roboter, der zweite unterstützt bei der industriellen Nachschubversorgung. Das Münchner StartUp hat sich ganz der Logistik verschrieben und konnte mit seiner Technik bereits namhafte Investoren wie Zalando und Fiege Logistik überzeugen. Der Kommissionier-Roboter Toru kommt bereits seit einiger Zeit beim Berliner Modehändler Zalando zum Einsatz und zählt damit zu den bekanntesten Entwicklung von Magazino.

Der mobile Roboter Toru – spezialisiert auf Schuhkartons – zeichnet sich dadurch aus, dass er kleine Kartons eigenständig in Fachbodenregale ein- und auslagern kann. Von der Navigation bis zur Übergabe führt der Roboter die Pick-Aufträge autonom aus, nimmt seine Umwelt mithilfe von 2D- und 3D-Kameras wahr und lokalisiert so die zu kommissionierenden Objekte sowie freie Lagerplätze im Regal. Insgesamt kann Toru Pakete mit einem Gewicht von bis zu 5,8 kg und einer Maximalgröße von 390 x 290 x 145 mm (L x B x H) aufnehmen, transportieren und ablegen. Der Roboter besitzt einen Aktionsbereich von 8 cm bis 250 cm und übertrifft mit einer Betriebszeit von maximal 18 Stunden am Tag sämtliche menschliche Kollegen. Nach einer einmaligen Konfiguration arbeitet Toru selbstständig, via WLAN erfolgt die einfache Anbindung an das Lagerverwaltungssystem.

Mittlerweile arbeiten sowohl Zalando als auch Fiege mit einer ganzen Flotte von Toru-Robotern. 

Magazino Roboter Zalando
© Magazino

Magicloader

Der Magicloader von der Firma Nomagic unterstützt, basierend auf künstlicher Intelligenz und einer Cloud-Plattform, beim Einsatz im Lager beim Sortieren, Verpacken oder Lagern. Der feststehende Roboter mit seinem mechanischen Arm analysiert die Position, Form und Eigenschaften jedes Gegenstandes, prüft sie und verarbeitet diesen entsprechend, indem er den ausgewählten Gegenstand beispielsweise in einen Karton legt. Der Magicloader entwickelt während seiner Arbeit die Intuition, unbekannte Gegenstände aus jeder Art von Durcheinander herauszusuchen, egal ob aus Kisten oder anderen Behältern. Dabei passt der Roboter seine Position und Ausrichtung selbstständig an, um Artikel in Kartons und auf Förderbändern zu platzieren. Zusätzlich analysiert das Gerät die Form, das Gewicht und mögliche Bewegungen der Gegenstände, um jegliche Anomalien oder Qualitätsprobleme zu erkennen. Die Technologie von Nomagic kann innerhalb weniger Stunden in einem Lager integriert werden und soll mit seinem Einsatz die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhen und gleichzeitig die Kosten um bis zu 40 Prozent senken.

Der Einsatz von Magicloader bei der französischen Supermarktkette Cdiscount wird im folgenden Video ausführlich erklärt:

Fetch und Freight

Arbeiten im Duett erledigen die beiden Roboter Fetch und Freight der Firma Fetch Robotics. Während Fetch einen ausfahrbaren Greifarm besitzt und damit Waren aus dem Regal nehmen kann, besitzt das deutlich kleinere Modell Freight einen Korb, um in diesem Gegenstände zu lagern und weiter transportieren zu können. Gemeinsam erledigt das Duo Pick-Aufgaben völlig selbstständig, beide kommen in den Warenlagern aber auch getrennt zum Einsatz. Ein Fetch kann sogar von mehreren Freights angefahren werden, um die Effizienz noch weiter zu erhöhen.

Fetch
© Fetch Robotic

Der große Roboter (Fetch) kann Gegenstände mit einem Gewicht bis zu 6 kg anheben und seinen Greifarm auf bis zu zwei Meter Länge ausfahren. Dieses Modell eignet sich besonders für die Arbeit zwischen den Regalen. Der deutlich kleinere und wendige Freight hingegen legt längere Strecken im Lager zurück und trägt Lasten von bis zu 68 kg. Der Roboter bietet sich aber nicht nur mit Zusammenspiel mit seinem Sparringspartner Fetch an, auch die Zusammenarbeit mit menschlichen Kollegen ist möglich. Das ist oftmals der Fall, wenn, Gegenstände zu schwer oder zu zerbrechlich und somit zu kompliziert für Fetch sind. Dann kann die Entnahme manuell erfolgen, während die Freight-Karren hinter den Menschen herfahren und ihnen dabei helfen, die entnommenen Waren abzutransportieren.

Genaue Details zu den beiden Robotern hat Fetch Robotis in einem ausführlichen PDF zusammengestellt.

Freight
© Fetch Robotic

Cainiao Robotics

Sie sehen aus wie kleine Staubsaugerroboter, die kleinen Maschinen von Cainiao Robotics leisten in Logistiklagern aber weit mehr, als zu putzen. Sie können ganze Regal mit bis zu 500 kg Gewicht anheben und durch das Lager transportieren. Dabei kommunizieren sie miteinander, um Kollisionen zu vermeiden. In Zusammenarbeit mit menschlichen Kollegen ersparen sie lange Laufwege durch das Lager, da die Cainiao-Roboter mitsamt des Ablagefachs zur Picking-Station fahren. Dort kann die Ware entnommen und so erheblich Zeit eingespart werden. Nach getaner Arbeit bringt die kleine Maschine das Ablagefach wieder an den gewünschten Ort zurück, begibt sich an seine Ausgangsposition und wartet auf den nächsten Auftrag. Bevor den kleinen Robotern von Cainiao die Puste bzw. die Batterie ausgeht, fahren sie automatisch zur Ladestation.

Um die Bestellflut rund um den Singles Day zu bewältigen, hat der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba im Jahre 2018 eines seiner Logistikzentren gleich mit 700 Stück dieser kleinen autonomen Helferlein ausgestattet.

Die flinken Roboter im Einsatz zeigt folgenden Video:

Roboter außer Rand und Band

So hilfreich die Roboter auch sind, manchmal haben auch sie kleine Macken und sorgen für Unfälle. So geschehen in einem Amazon-Lager in den USA im Dezember 2018. Dort beschädigte ein Picker-Gerät versehentlich eine Dose mit einem Bären-Abwehrspray. Daraufhin trat konzentriertes Capsaicin – der Hauptbestandteil von Pfefferspray – aus. Rund 30 Mitarbeiter wurden bei dem Vorfall verletzt, ein Großteil der Angestellten musste sogar in nahegelegenen Krankenhäusern behandelt werden. Dieser Vorfall stellt allerdings die Ausnahme dar. Generell lässt sich sagen, dass immer mehr Firmen daran arbeiten, ihre Lager autonom zu machen. Dabei sollen allerdings nicht immer Personen ersetzt werden, vielmehr geht es um die effiziente Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. 

/ Geschrieben von Corinna Flemming




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