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Der thematische Schwerpunkt dieser dreiteiligen Artikelreihe liegt auf nachhaltiger Beschaffung und nachhaltigen Lieferketten. Der erste Teil dieser Artikelreihe befasst sich daher mit den Herausforderungen und Treibern für Nachhaltigkeit/CSR. Der Fokus des zweiten Teils liegt auf der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien – welche Faktoren sollten Unternehmen beachten, wie können sie Herausforderungen begegnen und wie eine Strategie formalisieren? Der dritte und letzte Teil befasst sich mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie mit Fokus auf Prozesse, Mitarbeitereinbindung und Tools zur erfolgreichen Implementierung im Unternehmen.

Konzept Nachhaltigkeit
© petrmalinak / shutterstock.com

Warum Nachhaltigkeit?

Die Anforderungen an Unternehmen zu Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit sind in den letzten Jahren von vielen Seiten rasant gestiegen. Gleichzeitig wachsen die Risiken für Reputationsschäden und Geschäftsverluste. Negativmeldungen über durch Unternehmen verschuldete Umweltverstöße oder unzureichende Arbeitsbedingungen beim Unternehmen selbst oder bei seinen Zulieferern können zu massiven Verlusten führen – sowohl bezüglich des Aktienwerts als auch in Bezug auf Vertrauen von Investoren, Kunden, Konsumenten, Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Dies kann eine Minderung des Unternehmenswerts zur Folge haben.

Die Anforderungen an das nachhaltige Engagement eines Unternehmens sind vielfältig: Von mitarbeiterbezogenen und zum Teil gesetzlich verankerter Themen wie fairer Bezahlung und Arbeitszeiten sowie Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen hin zu organisatorischen Themen wie der Reduzierung des Papierverbrauchs und Einführung von digitalen, nachhaltigeren Lösungen. CSR-Themen und die damit verbundenen Chancen und Risiken sind für jedes Unternehmen individuell zu ermitteln und müssen mit Blick auf Branche und Geschäftstätigkeit analysiert werden.

In den globalen Beschaffungsketten und Einkaufsprozessen, die wir heutzutage vorfinden, ist die Logistik- und Transportbranche in diesem Zusammenhang die Schnittstelle zwischen Produzenten und Lieferanten, zwischen Einkäufern und Lieferanten und Endproduzenten sowie Endproduktverbrauchern. Ohne diese Schnittstelle von Logistik und Transport wäre die globale, zeitabhängige Beschaffung und Vermarktung nicht umsetzbar.

Beschaffung und globaler Einkauf im Wandel

Für Einkaufsorganisationen treten die Faktoren CSR und Nachhaltigkeit immer mehr in den Vordergrund. Laut Umfrageergebnissen aus dem Sustainable Procurement Barometer 2017 von HEC/EcoVadis, sehen 74% der Unternehmen Nachhaltigkeit und CSR als wichtige Prioritäten in ihrem Einkauf und weitere 23% bewerten CSR/Nachhaltigkeit als kritisch in ihren Beschaffungsprioritäten.

Statistik
© EcoVadis

Die wachsende Bedeutung von CSR/Nachhaltigkeit in den Beschaffungsstrategien vieler Unternehmen hat mittel- und langfristig einen direkten Einfluss auf alle Geschäftspartner und Zulieferer entlang der globalen Lieferkette. Dabei verändert sich auch die Beschaffung. Preis, Qualität und Lieferzeit sind für viele Unternehmen zwar nach wie vor die entscheidenden Beschaffungskriterien. Um Risiken entlang der Lieferkette zu reduzieren und den vielfältigen Anforderungen durch Stakeholder gerecht zu werden, ist das Thema Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette jedoch ein nicht mehr zu ignorierender Weichensteller.

Nachhaltigkeit Infografik
© EcoVadis

 

 

Damit wächst die Bedeutung von CSR auch für die Transport- und Logistikbranche. Denn auch diese Schnittstelle wird in die Beschaffungsziele und die Bewertung der Performance der Lieferanten einbezogen. Zusätzlich lässt sich ein Trend beobachten: CSR-Kriterien werden immer mehr in RFP und Ausschreibungen miteinbezogen und entwickeln sich im Logistik- und Transportsektor somit zu einem wichtigen Kriterium der Wettbewerbsfähigkeit. Hierbei sind zunächst die branchen- und geschäftsspezifischen CSR-Themen, wie CO² und Treibhausgase relevant. Gleichzeitig spielen aber auch Themen wie Arbeitsbedingungen eine gewichtigere Rolle, da sie Risiken für das eigene Unternehmen und das Geschäftsfeld bieten. Kein Unternehmen kann diese Anforderungen oder Herausforderungen auf einmal bewältigen – weder mit finanziellen Ressourcen noch personell bezüglich des erforderlichen Change-Managements.

Wichtig ist hierbei jedoch, dass es nicht nur um die Verbesserung der eigenen CSR-Leistung geht, sondern auch die CSR-Leistung von Lieferanten entlang der gesamten Lieferkette miteinbezogen werden muss. Insbesondere in der Logistik- und Transportbranche ist eine Umstellung auf “nachhaltig” aufgrund der aktuell benötigten Rohstoffe wie Benzin, Kerosin und Diesel nicht von 0 auf 100 möglich. Gleichzeitig merken Unternehmen in dieser wie in anderen Branchen verstärkt, dass hier innovative Fortschritte und nachhaltige Verbesserungen von allen Seiten gefordert werden.

Wie Unternehmen den Herausforderungen konkret begegnen können und welche CSR-Strategien und -Maßnahmen andere Branchenteilnehmer implementiert haben, lesen Sie im zweiten Teil dieser Serie.


Über die Autorin Tanja Reilly, EcoVadis: Tanja Reilly ist Expertin für nachhaltige Beschaffung und verantwortet bei EcoVadis seit 4 Jahren die D-A-CH Region. Bevor sie zu EcoVadis kam, arbeitete sie langjährig im Compliance-Umfeld und betreute zuvor als Beraterin internationale SAP-Implementierungsprojekte. Frau Reilly hält regelmäßig Vorträge und Workshops zu nachhaltiger Beschaffung und der Business Value-Steigerung durch verbesserte Nachhaltigkeitsperformance

/ Geschrieben von Gastautor


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