Same-Day Delivery macht in Westeuropa bisher nur 1 Prozent des Umsatzes mit Standardpakten aus. Bis 2020 wird sich das laut einer aktuellen Studie von McKinsey erheblich ändern. In sechs Jahren soll der Umsatz auf 15 Prozent steigen. Bei der Umsetzung haben Händler und Logistiker jedoch noch einiges zu beachten.  
Paket mit Stoppuhr
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Same-Day Delivery – also die Zustellung der bestellten Ware noch am Bestellungstag – ist laut der Unternehmensberatung McKinsey schwer im Kommen. Für die Studie „Same-day Delivery: The next evolutionary step in parcel logistics“, wurden mehr als 1.000 Konsumenten aus Deutschland, Frankreich, Schweden und Großbritannien befragt.

Laut der Branchenstudie wird in nur wenigen Jahren der Umsatz bei Same-Day Delivers 15 Prozent betragen. Damit steigt der Umsatz schneller als der des Online-Handels insgesamt, der jährlich 11 Prozent zulegen soll.  

„Same-Day Delivery ist die konsequente Weiterentwicklung des Parketmarktes.“

Die Studie macht deutlich, dass die Konsumenten für eine taggleiche Zustellung auch bereit wären, zusätzliche Kosten zu tragen. Bei einem Einkaufswert von 59 Euro wäre fast jeder zweite bereit, 6 bis 7 Euro extra zu bezahlen. Fast drei Viertel der Befragten hätte kein Problem mit einer Zusatzausgabe im Wert von 3,50 – 4,50 Euro, was ungefähr dem normalen Paketporto entspricht. Die Bereitschaft einen Aufpreis zu zahlen, zeigt, dass die Akzeptanz gegenüber Same-Day-Delivery vorhanden ist. Für Thomas Netzer, Leiter des Transport-, Logistik- und Infrastrukturbereichs von McKinsey Deutschland, liegt der Grund auf der Hand: „Es verbindet die Bequemlichkeit des Online-Einkaufs mit der sofortigen Produktverfügbarkeit des stationären Handels. Dies hat Vorteile für den Kunden und bietet auch Potenzial für Online-Shops, Multikanalhändler und Logistikunternehmen.“

Die Logistik muss up to date sein

Durch die sofortige Produktverfügbarkeit können Online-Händler ihre Vorteile gegenüber dem stationären Handel noch besser nutzen und ihre Position weiter ausbauen. „Wenn der Nachteil der Lieferzeit wegfällt, kann Onlineshopping seine Stärken in Form von größerer Auswahl und oft niedrigeren Preisen perfekt ausspielen“, kommentiert Koautor Jan Krause die Möglichkeiten.

Vor allem große Unternehmen experimentieren bereits mit dem Dienst. Amazon bietet in den USA Same-Day Delivery in mehreren Städten an. Damit das Paket jedoch noch am selben Tag zugestellt werden kann, muss bis spätestens zum Mittag bestellt werden. Grund für das kleine Zeitfenster ist die aufwendige Logistik im Hintergrund. Das allerdings selbst große Unternehmen an dem Service scheitern können, zeigen die Gerüchte rund um die Schließung von eBay Now.

Um die hohen Kosten von Same-Day Delivery möglichst gering zu halten, muss vor allem die Logistikbranche besondere Anforderungen erfüllen. Das Zusammenspiel von Kommissionierung, Verpackung und Auslieferung muss perfekt aufeinander abgestimmt sein und reibungslos funktionieren. Wie auch die großen Online-Händler, sind die Logistiker nach wie vor auf der Suche nach der besten Umsetzung. Die DHL hat zum Beispiel einen Kurierdienst eingerichtet, mit dem die Ware noch am selben Tag beim Käufer sein soll.

Die Studie von McKinsey zeigt das Stimmungsbild bezüglich Same-Day Delivery für Westeuropa. Die Ergebnisse erscheinen auf den ersten Blick überraschend, wenn man die Ergebnisse des Forschungsinstituts ibi Research an der Universität Regensburg betrachtet. Deren Studie kommt zu dem Schluss, dass Deutschland noch nicht reif ist für Same-Day Delivery. Bei genauerer Betrachtung der McKinsey-Ergebnisse wird aber deutlich, dass der Zuspruch primär aus Großbritannien stammt. Auf der Insel haben bisher 60 Prozent der Befragten den Service genutzt oder kennen das Konzept. In Deutschland hingegen liegt die Nutzung der Zustellung am selben Tag gerade einmal bei 27 Prozent. Es bleibt demnach abzuwarten, ob sich Same-Day Delivery durchsetzen wird, oder ob es ein Nischenmarkt bleibt.

/ Geschrieben von Julia Ptock




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