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Bei einer Online-Bestellung sollen den Online-Kunden auch beim Paketempfang keine Ärgernisse entstehen. Daher hat die Logistics Group International (LGI) ein Konzept entwickelt, das Mitarbeitern in Unternehmen den Paketempfang am Arbeitsplatz ermöglicht. Im Interview haben wir mit Markus Ziegler von LGI über das Projekt Pakadoo, sowie Trends der Logistikbranche gesprochen.

Pakadoo liefert Pakete am Arbeitsplatz aus
© obs - pakadoo

Logistik-Watchblog: Wie kam Pakadoo auf die Idee, Pakete direkt an den Arbeitsplatz liefern zu lassen?

Markus Ziegler, Geschäftsbereichsleiter Pakadoo: Dazu muss ich zunächst sagen, dass Pakadoo kein eigenes Unternehmen ist, sondern quasi als Start-Up innerhalb der LGI Logistics Group International GmbH, einem der zehn deutschen Kontraktlogistiker - entstanden ist. Zwei Dinge brachten uns auf die Idee, Pakadoo zu entwickeln. Zum einen persönlicher Stress meines Mitarbeiters Kris Van Lanckers, der es leid war, immer am Wochenende in Paketshops oder Postfilialen Schlange stehen zu müssen, um die Pakete, die ihm (bzw. seiner Frau, die sehr gerne online shoppt) unter der Woche nicht zugestellt werden konnten, abzuholen.

Hinzu kam, dass wir sahen, dass sich mit dem rasanten Wachstum des Online-Handels dieses Problem noch verstärken würde. Zum anderen hatten wir als LGI bei einem unserer Services – dem Austausch von defekten Hardware-Produkten – das umgekehrte Problem: Es war für uns immer schwieriger, die Kunden privat zuhause anzutreffen. Daher lag es für uns nahe, eine Lösung zu entwickeln, die die Menschen da abholt, wo sie sich den ganzen Tag über aufhalten – nämlich im Büro. Und bei der Entwicklung dieser Lösung – pakadoo work-life-logistics - konnten wir dann natürlich auf unser langjähriges logistisches und IT-Know-how zurückgreifen.

Was müssen Unternehmen tun, damit Mitarbeiter ihre Pakete am Arbeitsplatz empfangen können, zum Beispiel um einen Pakadoo-point einzurichten? Kommen alle Unternehmen hierfür in Frage?

Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern den Service von Pakadoo quasi als Social Benefit bieten möchte, schließt zunächst einen Vertrag mit Pakadoo ab. Dann werden die Pakadoo-App, der Zugang zur Service-Plattform sowie Material zur Kommunikation des Services an die Mitarbeiter, wie z.B. personalisierte Flyer, Roll-Ups oder Mail-Templates zur Verfügung gestellt. Ein sogenannter Pakadoo-point – also die Empfangs- und Aufbewahrungsstelle für die Mitarbeiterpakete – wird üblicherweise da eingerichtet, wo im Unternehmen bereits die Business-Pakete ankommen. Das geschieht ohne viel Aufwand, beispielsweise wird einfach nur ein zusätzliches Regal, oder ein abschließbarer Gitterwagen aufgestellt. Der Platzbedarf ist dabei sehr gering. Erfahrungsgemäß ist bei 500 Mitarbeitern im Unternehmen mit einer täglichen Zahl von maximal zwölf Privatpaketen zu rechnen.

Die Pakadoo-App enthält das, wie wir es nennen, „kleinste Lagerverwaltungssystem der Welt“, mit ihr werden die Privatpakete gescannt und sicher und transparent verwaltet. Sie ist einfach und intuitiv zu bedienen, dennoch schult das Pakadoo-Team die Mitarbeiter des Unternehmens, die zukünftig den Pakadoo-point betreuen sollen, in der Anwendung. Dies dauert keine zwei Stunden, danach kann es sofort losgehen. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern, die Pakadoo als Lieferoption nutzen, der Service von Pakadoo kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Die Pakadoo work-life-logistics kann prinzipiell von allen Unternehmen genutzt werden. Benötigt wird sie allerdings erst in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, um dort ein sicheres Handling und einen geordneten Prozess beim Empfang von Privatpaketen zu gewährleisten.

Wie funktioniert Pakadoo?

Sobald ein Unternehmen den Service von Pakadoo seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellt, können sich diese auf der Pakadoo-Webseite registrieren und erhalten einen persönlichen Identifikationscode. Diesen Code – die PAK ID - geben sie bei zukünftigen Bestellungen ein, anhand dessen kann ihnen die Bestellung völlig anonym zugeordnet werden. Kommt ein über Pakadoo bestelltes Paket am Pakadoo-point im Unternehmen an, wird es anhand der Pak ID sofort als Privatpaket identifiziert und mittels der Pakadoo-App gescannt. Der entsprechende Mitarbeiter erhält dann automatisiert eine Mail, dass sein Paket am Pakadoo-point abholbereit ist. Dort kann er es zu den von seinem Arbeitgeber festgelegten Zeiten abholen – erfahrungsgemäß tun dies über 90 Prozent noch am selben Tag. Ähnlich komfortabel ist der Retourenprozess, da alle mit einem bezahlten Retourenlabel versehenen Rücksendungen am Pakadoo-point abgegeben werden können.

Welche Logistikdienstleister liefern Pakete über Pakadoo aus?

Alle Paketdienstleister liefern Pakete an Pakadoo-points aus und nehmen auch am Pakadoo-point abgegebene, mit bezahltem Retourenlabel versehene Rücksendungen an.

Kann ich die Bestellung bei jedem Händler über Pakadoo abwickeln? Falls nicht, welche Händler sind an Pakadoo bereits angeschlossen / unterstützen das Projekt?

Bestellungen mit Pakadoo sind bei 99,9 % aller Online-Shops möglich, nämlich bei all denen, die über ein Adresszusatzfeld in der Lieferadresse verfügen. Amazon ist auch hier Vorreiter und gibt unter seiner Adresszusatzzeile u.a. an: „hier PAK ID eingeben“. Die für den Besteller komfortabelste Lösung ist vergleichbar mit einer Packstation-Integration als Lieferoption. Die Integration von Pakadoo als Lieferoption ist mittels Plug-Ins für gängige Shopsysteme oder über shipcloud möglich. Onlineshops wie Comspot.de oder WittyKnitters.com haben Pakadoo bereits als Lieferoption integriert und profitieren so von den Vorteilen einer einhundertprozentigen Zustellung an validierte B2B-Adressen sowie einem optimierten, extrem schnellen Checkout und nicht zuletzt dem einfachen Retourenhandling für ihre Kunden.

Wie viele Kunden haben seit dem Start des Projekts auf pakadoo zurückgegriffen?

Im Moment bieten ca. 50 Unternehmen deutschlandweit ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, den Service von Pakadoo zu nutzen, z.B. IBM, Hewlett Packard, ZF TRW, Paul Hartmann.

In welche Richtung wird sich die Logistikbranche beim Thema Pakethandel in den kommenden Jahren entwickeln?

Hier sehe ich drei wichtige Trends:

1. Sie muss die komfortabelste Lösung, die sich der Kunde wünscht, zur Verfügung stellen können. – zum Beispiel wünschen sich laut aktueller Studie von PwC rund 60 % aller deutschen Arbeitnehmer die Lieferung von privaten Paketen an den Arbeitsplatz.

2. Sie muss nachhaltige Lösungen entwickeln, um dem drohenden Verkehrsinfarkt in den Innenstädten entgegen zu wirken und die CO2-Emissionen zu verringern. Dies erreicht man beispielsweise durch die Bündelung von Lieferfahrten an zentrale Annahmestellen statt Einzelanlieferungen bei Privathaushalten.

3. Sie muss Konzepte entwickeln, die mit allen Paketdienstleistern funktionieren, Insellösungen für einzelne Dienstleister machen auf Dauer keinen Sinn. Laut einer Studie des BIEK von 2015 wünschen sich Verbraucher sog. Multipaketshops, die von allen Paketdienstleistern beliefert werden können. Das ultimative Ziel muss sein, damit eine einhundertprozentige Zustellquote zu erreichen.

Über Markus Ziegler

Markus Ziegler

© pakadoo

Markus Ziegler, Geschäftsbereichsleiter von Pakadoo und Mitglied der Geschäftsleitung der LGI Logistics Group International GmbH, steht hinter Pakadoo - dem Service mit dem Kakadu. Kurz nach Gründung der LGI entschied sich der Diplom-Informatiker 1996 für die boomende Logistikbranche und entwickelte als CIO die Unternehmens-IT. Seine Management-Fähigkeiten nutzte Markus Ziegler nach einigen Jahren für den Aufbau der Service-Center Business Development, Marketing und Process Engineering. Im Anschluss übernahm er den größten LGI-Geschäftsbereich (Electronics) und wurde zum Geschäftsführer diverser Tochterunternehmen ernannt. Seit 2015 baut der Innovations-Experte das unternehmensinterne „Start-Up“ Pakadoo auf und wurde dafür im Februar 2016 mit dem LEO-Innovations-Award ausgezeichnet.

 




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