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Wie wird sich die zunehmende Automatisierung auf die Arbeit in Logistiklagern auswirken? Wir haben mit Patrick Molemans, Experte von Ivanti Supply Chain, darüber gesprochen.

Roboter im Lager
Phonlamai Photo/shutterstock.com

Erklären Sie kurz das Prinzip des „bionischen Arbeiters“. Welche Vorteile bringt diese Arbeitsweise und wie lässt sich diese in den Logistiklagern einsetzen?

Patrick Molemans: Viele Lager- und Lieferkettenarbeiter sind besorgt, dass sie der ständig zunehmende Automatisierungsgrad letztendlich aus ihren Jobs drängen wird. Zum Glück ist dies jedoch nicht der Fall und die Automatisierung wird stattdessen den Arbeitskräftemangel der Branche durch die Schaffung des „bionischen Arbeiters“ ausgleichen. Dies ist kein Titel eines Science-Fiction-Films, sondern bezieht sich auf die Steigerung von Effizienz und Produktivität eines Mitarbeiters durch die Verwendung tragbarer, mobiler und Wearable-Technologien. Handheld-Mobilgeräte, einschließlich Scanner und robuste Tablets, sind seit Jahren für den Betrieb eines effektiven Lagers von wesentlicher Bedeutung. Dieser Trend wird sich weiter entwickeln, da die Arbeitnehmer selbst bionisch werden. Ich sehe den bionischen Arbeiter vernetzt über Handheld/Scanner/Datenbrille und Sprachsteuerung mit Software und anderen im Lager tätigen Maschinen und Menschen. Dabei unterstützt durch Wearable-Technologien wie etwa Exoskelette.

Welche Art Technologien kommen dabei zum Einsatz?

Mit tragbaren Geräten wie Headsets oder Smartwatches können Lagermitarbeiter bereits jetzt neue Technologien nahtlos in ihre Arbeit integrieren. Wenn sie zum Beispiel Voice Enablement-Software wie Ivanti Speakeasy oder das Vision Picking mit einer Weiterentwicklung von Google Glasses nutzen, können Mitarbeiter ihre optimale Route durch das Lagerhaus hören oder sehen, ohne sich selbst darüber informieren zu müssen. Wearable-Technologien werden auch entwickelt, um Mitarbeiter zu unterstützen, die mehr manuelle und körperliche Aufgaben übernehmen. Exoskelette sind ein Beispiel für diese tragbare Erweiterung. Als Exoskelett wird eine künstliche vom Menschen getragene Stützstruktur bezeichnet, die durch die Kraftunterstützung das Muskel-Skelett-System ihrer Träger unterstützt oder verstärkt, etwa beim Heben schwerer Lasten. Arbeiter sollen so, bei gleichzeitiger Steigerung der Leistungsfähigkeit, vor Belastungsverletzungen geschützt werden. Elementar für ein reibungsloses Zusammenspiel aller Technik ist natürlich eine steuernde Software.

Können Sie Beispiele nennen, wo der bionische Arbeiter bereits eingesetzt wird und was sich dadurch geändert hat?

Die Automobilindustrie ist hier Vorreiter, vor allem in den USA und Japan. Der Automobilhersteller Ford hat Exoskelette im vergangenen Jahr in 15 seiner Fabriken eingeführt. Dabei vordergründig war die mechanische Unterstützung der Arbeiter, also eine gesundheitsfördernde und leistungssteigernde Maßnahme. Generell steht die vernetzte Zusammenarbeit, die schneller, effizienter und sicherer sein soll, im Fokus. So können etwa Sensoren in der Kleidung auch Messwerte des Arbeiters kontrollieren. Das können sowohl Gesundheitswerte als auch, etwa bei Tätigkeiten mit giftigen Dämpfen, Kontroll- und Warnhinweise sein.

Gibt es dahingehend möglicherweise noch Schwachstellen?

Sicher gibt es dabei noch viele Schwachstellen. Gerade das Zusammenspiel verschiedener Komponenten aus Hard- und Software erfordert noch viele Lernprozesse. Es kommen dann im Einsatz Technologien wie Künstliche Intelligenz, Roboter, Drohnen und Menschen zusammen. Besonders die Mensch-Maschine-Kommunikation stellt eine große Herausforderung dar.

Wird der bionische Arbeiter die Zukunft in den Logistiklagern werden?

Ja, mit Sicherheit, davon bin ich überzeugt. Aber das betrifft nicht nur Lager, sondern auch die Produktion. Im Lager ergeben sich einfach viele Vorteile, die ja heute schon in Ansätzen sichtbar sind, wie etwa durch Datenbrillen und Sprachsteuerung, wodurch der Arbeiter beide Hände frei hat und intelligent durch das Lager geführt wird. Heute sind es meist noch Tests in kleinen Einsatzgebieten, die intelligente Fabrik 4.0 kommt aber und da gehört der vernetzte und bionische Arbeiter mit Sicherheit dazu. Die Mitarbeiter in der Logistik begrüßen technologische Innovationen, da sie durch die Automatisierung profitieren, indem das Beste aus beiden Welten kombiniert wird. Die Zukunft des Lagerbetriebs liegt in der kollaborativen Technologie, eingebunden in eine industrielle Revolution, die vernetzt, intelligent und automatisiert ist – aber nicht ohne Menschen.


Patrick MolemansPatrick Molemans ist seit über acht Jahren Territory Manager Central Europe bei Ivanti Supply Chain (ehemals Wavelink). Ivanti hilft Unternehmen dabei, moderne Technologien im Lager und in der gesamten Lieferkette zu nutzen, um die Prozesse zu verbessern, ohne die Backend-Systeme zu ändern. Insgesamt beschäftigt Molemans sich seit mehr als 25 Jahren mit automatischer Identifikation, Datenerfassung und mobiler Datenkommunikation.

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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