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Unter dem Motto „Neues denken – Digitales leben“ startete am 25. Oktober der 34. Deutsche Logistik-Kongress. Ein offener Brief an den Deutschen Bundestag und die Preisverleihung des Deutschen Logistik-Preises vom BVL sorgten für Aufsehen.

BVL 34. Logistik Kongress in Berlin
© BVL / Kai Bublitz

Über 3.000 Fachbesucher wurden auf dem 34. Deutsche Logistik-Kongress erwartet, der am 25. Oktober in Berlin startete und noch bis zum 27. Oktober geht. Im Sinne des Veranstaltungsfokus „Neues denken – Digitales leben“ bot das Kongressprogramm unter anderem Vorträge und Berichte von 100 Unternehmensvertretern, die Digitalisierungsprojekte in Transport, Lager, urbanen Räumen sowie der Produktion vorstellten.

Offener Brief an den Bundestag

Aufsehen erregte gleich zu Beginn die Vorstellung eines offenen Briefes an den Deutschen Bundestag. Ziel des Briefes ist es, dass der Wirtschaftsbereich Logistik mit seiner Leistung von erwarteten 264 Milliarden Euro und 3,1 Millionen Beschäftigten Gehör bei der Politik finde, so logistik-heute.de. In dem Brief werden fünf politische Handlungsfelder, die nach Ansicht des BVL erfolgsentscheidende Bedeutung haben, benannt:

  • Verkehrsinfrastruktur mit Brücken, Straßen, Schienen- und Wasserwegen sowie Luftverkehr
  • Digitale Infrastruktur samt digitaler Standards und digitaler Sicherheit
  • Übergreifende Lösungen für urbane Logistik (Nah- und Lieferverkehre in Städten)
  • Schulische, berufliche und akademische Bildung als generationsübergreifende Vorbereitung auf das digitale Morgen
  • Beschleunigung von Planungsverfahren und Projektumsetzungen

Die Forderungen zur Verkehrsinfrastruktur beinhalten unter anderem Investitionen in den Erhalt und Ausbau des teilweise maroden Straßennetzes. Kritik gibt es zudem am Bundesverkehrswegeplan 2030, da der BVL der Ansicht ist, dass dieser das Problem nur in Teilen beseitigen wird.

In puncto digitaler Infrastruktur wird Deutschland als „Glasfaser-Entwicklungsland“ betitelt. „Ohne eine digitale Infrastruktur, die eines Logistikweltmeisters würdig ist, können Digitalisierungs-Potenziale nicht ausgeschöpft werden“, heißt es in dem Brief. Neben Rahmenbedingungen zum effizienten und damit ressourcenschonenden Arbeiten wird auch die Einrichtung eines Ministeriums für Digitalisierung gefordert.

Urbane Logistik und Fachkräftemangel sind wichtige Themen

Ein besonders wichtiges Thema für den BVL ist die urbane Logistik. Es wird gefordert, urbane Logistik zum Top-Thema zu machen und ein Zeichen für die „konstruktive Zusammenarbeit von Politik, Verwaltungen, Stadtplanern, Wirtschaft, öffentlichem Personennahverkehr und den Bürgern“ zu setzen. Die vierte Forderung nach mehr Bildung wird vor allem mit dem stetig größer werdenden Fachkräftemangel untermauert. Dieser wird nach BVL-Ansicht „in der Logistik in den nächsten zehn Jahren negative Auswirkungen auf den Erfolg der Unternehmen haben“. Im letzten Punkt – Beschleunigung von Planungsverfahren und Projektumsetzungen – fordert der BVL zentrale Entscheidungsstrukturen für Großprojekte, die Ländergrenzen überschreiten. Denn nur so „können Fehlentscheidungen und zeitliche Verzögerungen vermieden werden, die häufig mit der Durchsetzung von Partikularinteressen verbunden sind“.

In dem Brief, der mittlerweile von 148 Personen unterstützt wird, bietet der BVL die gemeinsame Entwicklung von Konzepten an. „Wir sind davon überzeugt, dass die vor uns liegenden Herausforderungen von Wirtschaft und Politik nur gemeinsam und über alle Parteigrenzen hinweg gemeistert werden können“, unterstrich Klinkner.

Bosch ist Gewinner des Deutschen Logistik-Preises

Neben der Bekanntmachung des offenen Briefes wurde im Rahmen der Auftaktgala des Kongresses auch der Deutsche Logistik-Preis 2017 vergeben. Der unternehmensübergreifende Ansatz und die vorbildliche Durchgängigkeit sind Merkmale des diesjährigen Preisträgerprojektes von Bosch. Wie es in der Meldung des BVL heißt, hat die Logistik bei Bosch unter dem Leitgedanken „Striving for Supply Chain Excellence“ innerhalb von vier Jahren einen grundlegenden Veränderungsprozess durchlaufen, eine neue Rolle im Unternehmen eingenommen und über Total Cost of Ownership (TCO) beeindruckende Ergebnisse erreicht. Wie kein anderes Unternehmen bringt Bosch Know-how bei den „3S“ mit, die für das IoT wesentlich sind: Sensoren, Software und Services.

Die Ergebnisse von Bosch sind dabei nicht nur theoretischer Natur. „Durch den umfangreichen Veränderungsprozess hat Bosch die Logistikkosten um weltweit rund 15 Prozent gesenkt. Dies war nur möglich mit Unterstützung aller Werke sowie der aktiven Mitarbeit aller Bosch-Logistiker“, erläutert Andreas Reutter, Mitglied der Geschäftsleitung des Zentral-bereichs Einkauf und Logistik der Robert Bosch GmbH.

Nach Einschätzung der 17-köpfigen Jury mit Logistik-Experten aus der Industrie, dem Handel, den Logistikdienstleistern und den Fachmedien ist das Preisträgerprojekt im Zusammenspiel von zwei Entwicklungen besonders innovativ: Logistik ist gestaltende Kraft und wesentlicher Treiber für Digitalisierung und Innovationen im Unternehmen. „Ein unternehmensdurchgängiges Projekt wurde in einer sensationell kurzen Zeit realisiert. Mich beeindruckt die Wandlungsfähigkeit des Traditionsunternehmens Bosch, dem es gelungen ist, seine Größe zu nutzen, um die Vernetzung der Regionen zu optimieren“, so der Juryvorsitzende Roland Tichy, Vorstandsvorsitzen-der der Ludwig-Erhard-Stiftung.

/ Geschrieben von Julia Ptock


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