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Der E-Commerce sorgt in der Logistikbranche für mehr Wachstum als kaum ein anderer Bereich. Doch trotz der guten Aussichten wird die Branche durch die immer stärker werdenden Online-Händler mitunter auch bedroht.

DHL Hub Leipzig
© Deutsche Post DHL

Der E-Commerce ist ein „fundamentaler Game Changer“ für die Logistikbranche. Das ist die Erkenntnis einer Analyse von Roland Berger Strategy Consultants und Barclays. Wie bei Haufe.de zu lesen, macht der wachsende Online-Handel den B2C-Markt für die Marktteilnehmer attraktiver. Wichtig sei dabei – vor allem in den vergangenen Monaten – die Zustellung von Paketen zu einem bestimmten Termin. In den wichtigsten europäischen Märkten werde ein werde ein Wachstum von etwa fünf Prozent jährlich für das Paketvolumen erwartet.

Doch diese Wachstumsraten und guten Zukunftsaussichten scheinen nur vordergründig positiv zu sein. Die Deutsche Post konnte im Jahr 2013 sieben Prozent mehr Pakete ausliefern als im Jahr zuvor. Im letzten 2013 stieg der Umsatz im Brief- und Paketversand um drei Prozent, der Vorsteuergewinn sank allerdings um drei Prozent. Die Post kündigte kruz darauf an, vom E-Commerce-Boom profitieren zu wollen.

Deutsche Post arbeitet "ehrenamtlich" für Amazon

Gerade aber das Großkundengeschäft scheint für die Deutsche Post das Hauptproblem darzustellen: Viele Online-Händler, wie beispielsweise Amazon, bieten ihren Kunden mitunter Gratisversand an. Das bringt letztendlich mehrere Probleme mit sich: Zum einen werden äußerst niedrige Preise für diese Großkunden angesetzt – die Deutsche Post verlangt etwa nur zwei Euro pro Paket bei Großkunden, obwohl erst ab drei Euro ein Gewinn von wenigen Cent vorliegt. Ein Mitarbeiter der Post sagte, dass man für Amazon „ehrenamtlich“ arbeite. Zum zweiten können die Preise von einem Logistik-Anbieter allein nicht angehoben werden – im harten Konkurrenzkampf würde das einen deutlichen Nachteil mit sich bringen. Damit werde voraussichtlich bei den Gehältern der Mitarbeiter gespart.

Große Online-Händler entwickeln eine eigene Logistik

Es gibt aber noch ein weiteres Problem für die Logistik-Anbieter: branchenfremde Akteure, die auf den Markt drängen. In nicht wenigen Fällen sind es die großen Online-Händler selbst. Amazon plant schon seit längerer Zeit einen eigenen Lieferdienst und baut vor allem für seinen Service Amazon Fresh eigene Lieferflotten auf. Auch eBay hatte mit eBay Now schon einen eigenen Same-Day-Delivery-Service gestartet. Und Google Shopping vertraut mitunter auch auf die eigene Logistik.

Die Motivation der Online-Händler: Ein eigener Lieferdienst bedeutet, dass man bis zur Übergabe der Sendung an den Kunden die Kontrolle hat. Und zudem auch das letzte Glied in der Versandkette ist, also sich nochmals bei dem Kunden präsentieren kann. Man bestellt bei Amazon und Amazon übergibt das Paket auch.

Der E-Commerce ist ein Damklos-Schwert

Um also für die Online-Händler wichtig zu bleiben und von dem Wachstum des E-Commerce profitieren zu können, muss die Logistikbranche eigentlich einen unmöglich Spagat schaffen: Zum einen müssen die Preise – vor allem für Großkunden – niedrig gehalten werden, zum anderen müssen mehr Investitionen getätigt werden, um das erhöhte Aufgebot bewältigen zu können. Dieses Paradoxon stellt das eigentliche Damokles-Schwert für die Logistikbranche dar. Der wachsenden Online-Handel könnte schließlich bedingen, dass die Branche zwar kräftig mitwächst, aber dabei jegliche Profitabilität verliert. Im Grunde also ein selbstzerstörerisches Verlustgeschäft.

Hat die Logistikbranche eine Möglichkeit, dem entgegen zu wirken? Theoretisch ja: Die Logistiker könnten sich absprechen und einheitliche Tarife für den Paketversand veranschlagen. Damit könnte die Profitabilität auch im Großkundengeschäft erreicht werden, ohne im Konkurrenzkampf unterzugehen. Natürlich besteht die Gefahr, dass die Großkunden sich noch stärker auf ihre eigenen Lieferdienste konzentrieren. Verlieren die Logistik-Unternehmen die Großkunden, bleibt wohl nur die Möglichkeit, sich verstärkt an kleinere und mittelständische Online-Händler zu wenden, die eine eigene Logistik nicht zur Verfügung haben. Der Logistikbranche würde das allerdings einen deutlichen Dämpfer verpassen.

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers


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