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Die weltweit viertgrößte Container-Reederei Hapag-Lloyd traut sich an die Börse. Seit April laufen die Vorbereitungen dazu. Heute sollen die Aktienpreise für die Erstnotierung festgelegt werden. Die Spanne liegt zwischen 23 und 29 Euro.

Hapag Lloyd - MV Bonn Express Containerschiff

(Bildquelle MV Bonn Express: Tim via Flickr, ohne Änderungen bestimmte Rechte vorbehalten)

Allerdings hat Hapag-Lloyd am gestrigen Montag seinen Investoren mitgeteilt, dass die Aktien sehr wahrscheinlich am unteren Ende der Bewertungsspanne, also bei 23 Euro, liegen werden. Damit wäre das Schwergewicht der Container-Branche rund 2,7 Milliarden Euro wert. Nicht nur für das Unternehmen eine Enttäuschung – hatte man doch ursprünglich mit einer Bewertung von fünf Milliarden Euro gerechnet. "Das ist für alle eine Enttäuschung", sagte ein Banker.

Konjunkturaussicht in China drückt den Preis

Wie das Handelsblatt berichtet, sieht Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen die Entwicklung jedoch relativ gelassen: „Den perfekten Zeitpunkt für einen Börsengang erwischt man nie“, sagte er. „Für uns waren drei Gründe ausschlaggebend: Wir brauchen das Geld für weiteres Wachstum, unser operatives Geschäft hat sich gut entwickelt und wir haben die Unterstützung unserer Gesellschafter.“ Mit der Aussage spielt Jansen auf die aktuelle Entwicklung im Markt an. Durch die wachsenden Überkapazitäten könnten die Frachtraten weiter sinken. Zudem leidet die Frachtschifffahrt laut dem Manager-Magazin unter den eingetrübten Konjunkturaussichten in China.

Die Marktbeobachtung macht deutlich, dass die Frachtraten von Asien nach Europa seit Wochen kontinuierlich fallen. In der letzten Woche lag die Frachtrate bei 231 Dollar je 20-Fuß-Container und damit auf dem tiefsten Stand seit Mitte Juni. Dies ist deswegen so problematisch, da bei diesem Niveau die meisten Reedereien Verluste schreiben.

Reederei will vom Erlös Schiffe kaufen

Das eingenommene Geld soll vor allem in das Wachstum investiert werden. So ist geplant, sechs neue Containerschiffe zu kaufen. Dabei soll das Geld vor allem von den Großaktionären Klaus-Michael Kühne und von der chilenischen CSAV kommen. Voraussichtlich nehmen beide jeweils Aktien im Wert von 52 Millionen Euro. Der Reisekonzern Tui, der ebenfalls Großaktionär ist, plant hingegen einen Verkauf seiner Anteile. Das Unternehmen bietet Hapag-Lloyd-Aktien im Wert von knapp 100 Millionen Euro an. Für Tui bedeutet der Verkauf jedoch eine Abschreibung in Höhe von 150 Millionen Euro, da das Paket bisher mit 33 Euro je Aktie in den Büchern steht und somit weit über dem voraussichtlichen Ausgabewert liegt.

Der aktuelle Börsengang von Hapag-Lloyd ist dabei nicht der erste Versuch. Bereits vor vier Jahren (2011) strebte das Unternehmen an die Börse. Der Börsengang wurde jedoch aufgrund der Explosion des Atomreaktors im japanischen Fukushima abgesagt. Der aktuelle Börsengang wird von Goldman Sachs, Berenberg und der Deutschen Bank organisiert und betreut. Am 30. Oktober sollen die Hapag-Lloyd-Aktien zum ersten Mal an der Frankfurter Börse gehandelt werden.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


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