Jahresgehälter im sechsstelligen Bereich – das verspricht der Paketdienst UPS jetzt seinen Angestellten.

Paketübergabe Haustür
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Ein Jahresgehalt jenseits von 100.000 Euro – davon können die Paketboten hierzulande nur träumen. In den USA soll dies aber schon bald Realität sein. UPS-Fahrer sollen am Ende eines Fünfjahresvertrags durchschnittlich 170.000 US-Dollar Jahresgehalt (umgerechnet rund 154.000 Euro) verdienen. Das bestätigte UPS-CEO Carol Tomé laut CBS in einer Telefonkonferenz. Die Summe soll sich aus dem Grundgehalt von 49 Dollar pro Stunde und den Boni zusammensetzen. Diese Zusatzleistungen sollen laut einem Sprecher 50.000 Dollar an Vergünstigungen sein, „die Gesundheits-, Sozial- und Rentenbeiträge beinhalten“. Damit befinden sich UPS Fahrer in der gleichen Gehaltsklasse wie Softwareentwickler, Finanzdirektoren und Arzthelferinnen, die laut Indeed alle ein Durchschnittsgehalt zwischen 108.000 und 115.000 US-Dollar verdienen.

Die Gehaltsanpassungen sind das Ergebnis von Tarifverhandlungen zwischen UPS und der Gewerkschaft „International Brotherhood of Teamsters“ (kurz: Teamsters), die rund 340.000 UPS-Zustellfahrer vertritt. Ende Juli konnten sich beide Parteien auf den neuen Vertrag einigen und somit einen Großstreik abwenden.

Ansturm auf Jobs als Zusteller

Die Tarifeinigung kostet laut verschiedenen Medienberichten den KEP-Dienstleister zwar zusätzlich rund 30 Milliarden Euro, wendet allerdings kostspielige Streiks ab, die ebenfalls der Konkurrenz in die Hände gespielt hätten. Außerdem kann UPS so dem extremen Fachkräftemangel entgegenwirken, seit der Ankündigung des neuen Tarifvertrages gibt es einen regelrechten Ansturm auf die Jobs als Paketzusteller bei UPS. Laut Indeed ist die Zahl an Personen, die nach einer Stelle beim US-Konzern suchen, nach Bekanntgabe um mehr als 50 Prozent angestiegen.

Kritik aus anderen Branchen 

Allerdings sorgte die Ankündigung auch für viel Unmut. Laut Business Insider sehen sich Angestellte aus anderen Branchen nun deutlich benachteiligt. „Das ist enttäuschend, wie ist es möglich, dass ein Fahrer viel mehr verdient als ein durchschnittlicher Ingenieur in der Forschung und Entwicklung?“, soll es von einem Tech-Mitarbeiter in einem Forum heißen. Viel Zuspruch für die neuen Gehälter der Paketzusteller gab es dennoch. „Warum denkt ihr, dass jemand, der Langstreckenfahrten durchführt, weniger verdienen sollte als ein Ingenieur? Was sie tun, ist wichtige Arbeit. Was glaubst du, wie die Lebensmittelläden oder deine Lieblingsläden gefüllt werden? Es sind diese Fernfahrer, die ihr Leben riskieren, indem sie zwölf Stunden am Tag fahren, manchmal bei schlechtem Wetter“, soll ein Amazon-Mitarbeiter kommentiert haben.

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Geschrieben von Corinna Flemming

Kommentare

#7 oejendorfer 2023-08-24 12:03
Frage aus dem Artikel von As: Was ist ein "Flaschner" ??
mfg
wolfgang Köbke
aus Hamburg
#6 AS 2023-08-23 18:53
Ich bin da voll und ganz bei meinem Vorredner HK. Wer will denn heute noch körperlich arbeiten? Es will jeder nur noch studieren und anschließend das große Geld im Büro machen, sich als Ingenieur feiern lassen. Wer möchte sich denn heute noch als Flaschner, Maurer oder Dachdecker den Körper kaputt schuften? Niemand. Drum gibt es ja auch den sich seit langem schon angebahnten Fachkräftemangel.

Wir hatten einen Wasserschaden, weil unsere Dusche undicht war. Ein Jahr lang hatten wir versucht, einen Flaschner zu finden, der uns eine neue Dusche einbaut, aber niemand hatte Zeit oder Lust, weil ihm der Auftrag schlichtweg zu klein war und man da kaum was verdient. Hätten wir sofort jemanden gefunden, dann wäre es nur die Duschkabine gewesen, die man hätte ersetzen müssen, was mit vielleicht 1.500 oder 2.000 Euro erledigt gewesen wäre. Da wir so lange suchen mussten, war inzwischen sogar der Boden nass und hat geschimmelt, es war dauerfeucht im Bad und auch die Holzdecke und die Wand waren nass. Überall hat sich der Schwarzschimmel breit gemacht. Plötzlich hatten die Flaschner großes Interesse, weil es nun ja immerhin um rund 34.000 Euro ging, die der Spaß nun gekostet hatte.

Solange "Fachkräfte" so schlecht bezahlt werden, wird es auch weiterhin solche krassen Fälle geben. Ein Monatsgehalt von mehr als 12.000 Euro finde ich zwar auch etwas heftig. Man sollte nach und nach wieder ein gesundes Mittelmaß finden.
#5 EPS 2023-08-23 11:47
ja, die Zustellung vor Ort ist auch hier durch UPS-Fahrer in jeder Hinsicht besser als durch die anderen großen Dienstleister. Wenn jedoch eine relativ sehr hohe Entlohnung demotivierend auf jene jungen Leute wirken könnte, die dann eine jahrelange Vobereitung auf einen Berufsweg mit sehr vielseitigen Anforderungen und letztlich hoher Kompetenz in Frage stellen oder gar ganz unterlassen, dann wird sich bald eine weitere Katastrophe einstellen.
#4 H.S 2023-08-23 10:01
Und nicht vergessen auf Amazon und Otto.de weiter vorrangetrieben : KOSTENLOSER VERSAND und RÜCKVERSAND
#3 icke 2023-08-23 08:42
Als VW vor reichlich 20 Jahren 5000 x 5000 ausrief. (also 5000 Jobs zu 5000DM) war auch mein Neid geweckt. Heute aber sage ich: Augen auf bei der Berufswahl! Spätere Beschwerden und Neid bringen nichts. Allerdings darf man bei der Diskussion den Verdienst des gesamten Arbeitslebens nicht außer Acht lassen. Ein Akademiker hat vermutlich mehr Zeit mit seiner schlecht vergüteten Ausbildung verbracht als ein Lieferfahrer und verdient somit erst später. Vielleicht kann er aber auch länger und angenehmer arbeiten als in so einem Knochenjob. Vergleiche bringen also nichts. Überdies steht es ja jedem Ingenieur frei, sich nun bei UPS zu bewerben.
Die Wichtigkeit eines Jobs für die Gesellschaft oder dessen Gefahrenpotenti al subjektiv zu bewerten bringt ebenfalls wenig.
Ich freue mich übrigens immer wenn UPS auf den Hof rollt: keine Beschädigungen und eine Verständigung auf Deutsch ist möglich. Für mich sind das die wichtigten Kriterien - denn Zeit, mich um Reklamationen zu kümmern oder bei Abwesenheit über die Klingelanlage eine Nachbarschaftsa bgabe jemanden zu erklären, der wirklich kein Wort klares Deutsch spricht ist viel zu knapp.
#2 HK 2023-08-23 08:21
Mal davon abgesehen, dass dieser Artikel ohne eine Gegenüberstellu ng von Kosten für Wohnung und Leben völlig sinnfrei ist, ist folgende Aussage interessant: „Das ist enttäuschend, wie ist es möglich, dass ein Fahrer viel mehr verdient als ein durchschnittlic her Ingenieur in der Forschung und Entwicklung?“

Das ist recht einfach erklärt. Wenn immer mehr junge Menschen einfach studieren, statt in Knochenjobs den Buckel krumm zu machen und Überstunden in Kauf zu nehmen, dann drückt das Überangebot an Studierten den Preis, genau wie das Unterangebot in sogenannten "niederen Jobs" den Preis (Lohn) steigen läßt.

Eine Entwicklung, die bei uns nicht anders ist und sich in den nächsten Jahren besonders im Handwerk noch deutlicher spürbar werden wird.
#1 Bernhard Schüter 2023-08-23 08:00
1. April ist noch weit hin, oder?



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