Zum 30. Juni hatte FedEx sämtliche Haustarifverträge mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beendet. Die Gewerkschaft wollte neu verhandeln. 

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FedEx Express ist hierzulande Arbeitgeberverbänden des Speditions- und Logistikgewerbes beigetreten, um regionale Flächenverträge für die Belegschaft zu nutzen – anstelle der bisherigen Mantel- und Entgelttarifverträge. Diese hatte der Logistik-Dienstleister deshalb fristgerecht Mitte des Jahres gekündigt. Die eigenen Angestellten habe das Unternehmen am 31. März über diese Pläne informiert. Dabei sollen die in den bisherigen Haustarifverträgen vereinbarten Bedingungen auch in den künftigen Arbeitsverträgen der Angestellten fortbestehen, wie FedEx gegenüber dem Logistik Watchblog erneut bekräftigte: „Für die zum 30. Juni 2021 beschäftigten Mitarbeiter*innen haben alle in den Haustarifverträgen geregelten Arbeitsbedingungen weiter Gültigkeit. Sie gelten auch nach deren Ablauf auf arbeitsvertraglicher Ebene weiter.“

Verdi wertet FedEx’ Vorgehen als „besondere Form der Tarifflucht“

FedEx Express wolle in allen Bundesländern die Flächentarifverträge nutzen und auf diese Weise „einheitliche und sichere tarifliche Strukturen“ für alle seine Beschäftigten in Deutschland schaffen. Bis Jahresende soll die Umstellung abgeschlossen sein.

Die Gewerkschaft Verdi stuft die Kündigung der Haus- und Manteltarifverträge als nachteilig für die Beschäftigten ein – so würden sich durch die Umstellung die bisherigen Tariflöhne für die bestehende Belegschaft nicht mehr erhöhen, wie es sonst durch Haustarifverhandlungen in dem Unternehmen üblich gewesen wäre. Neue Beschäftigte würden zu deutlich schlechteren Bedingungen eingestellt werden.

So soll in NRW die Lohndifferenz eines langjährigen Beschäftigten als „FedEx Courier“ (Tarifgruppe 4, Haustarifvertrag) zum Kurier NRW (Entgeltgruppe 3, Flächentarifvertrag) zwischen 1.000 bis 1.500 Euro monatlich betragen. Mit der Anwendung regionaler Flächentarifverträge würden regional unterschiedliche Arbeits- und Lohnbedingungen in dem Unternehmen eingeführt werden, so die Kritik. „Wir bewerten das Vorgehen von FedEx als eine besondere Form der Tarifflucht“, sagte Uwe Speckenwirth, Fachbereichsleiter Spedition und Logistik NRW laut einer Gewerkschaftsmitteilung. 

Mehrere Streiks in Nordrhein-Westfalen

Das Ziel sei, mit FedEx einen ergänzenden Tarifvertrag abzuschließen, um mögliche Einkommensverluste dauerhaft zu verhindern und auch zukünftig eine Teilhabe der Beschäftigten an der Tarifentwicklung sicherzustellen. Eine erste Verhandlungsrunde mit FedEx am 15. September in Nordrhein-Westfalen sei gescheitert, „da die Arbeitgeberseite sich uns nicht annähern wollte“, so Speckenwirth weiter. Darauf reagierte Verdi mit ersten Streikmaßnahmen: An vier FedEx-Express-Standorten in Nordrhein-Westfalen, genauer in Dortmund, Düsseldorf/Ratingen, Köln und Mönchengladbach, hatte die Gewerkschaft zu ganztägigen Streiks aufgerufen.

FedEx bestätigte, dass eine Gruppe von Mitarbeitern an den entsprechenden Standorten an einem Warnstreik im Zusammenhang mit der Gewerkschaft Verdi teilgenommen hätten.

/ Geschrieben von Hanna Behn




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