GDL-Chef Claus Weselsky hat erneute Arbeitsniederlegungen angekündigt. Die Arbeitsniederlegungen betreffen sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr.

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Der Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn geht in die nächste Runde: GDL-Chef Claus Weselsky kündigte am Freitag neue Streiks an. „Sie streiken für mehr Löhne, für den Schutz ihrer Rente“, so Weselsky laut Tagesschau. Die Wut auf das Bahn-Management unter den GDL-Mitgliedern sei groß, heißt es weiter. Es ist das zweite Mal, dass die Lokführer in der laufenden Tarifrunde ihre Arbeit niederlegen. Bereits vor einigen Tagen hatte die Gewerkschaft eine Intensivierung der Streiks angekündigt.

Der Güterverkehr wird dabei bereits ab Samstag, dem 21.08.2021, bestreikt. Ab 17 Uhr soll die Arbeit niedergelegt werden, der Personenverkehr soll dann ab Montag, 02.00 Uhr, bestreikt werden. Der Ausstand soll bis Mittwoch, 02.00 Uhr, dauern. 

Update (23.08.): Seit Samstagabend wird der Güterverkehr bestreikt und Montagnacht wurde pünktlich mit den Streiks im Personenverkehr begonnen, wie die Tagesschau mitteilt.

Erneute Streiks belasten Fahrgäste und Lieferketten

GDL-Chef Weselsky zufolge sei es zu einem „Stillstand“ in den Tarifverhandlungen gekommen. Dadurch sehe sich die Lokführer-Gewerkschaft gezwungen, die Arbeit erneut niederzulegen. Weselsky wirft dem Bahn-Management vor, die Situation aussitzen zu wollen. Die GDL sehe sich „gezwungen, den Führungskräften dieses Verhalten abzugewöhnen“.

Der erneute Streik dürfte nach Einschätzung der Tagesschau viele Urlaubsreisende treffen. In zehn Bundesländern sind derzeit noch Schulferien. Auch Pendler und der Güterverkehr dürften von der Arbeitsniederlegung erheblich betroffen sein. Beim letzten Bahn-Streik vor nicht einmal zwei Wochen standen am ersten Streiktag 190 Güterzüge still. Logistiker lenkten Sendungen von der Schiene auf den Straßengüterverkehr um, die ohnehin seit Monaten strapazierten Lieferketten wurden noch stärker belastet.

Deutsche Bahn: Streiks sind eine „völlig überflüssige“ Belastung

Die Deutsche Bahn übt heftige Kritik an dem erneuten Arbeitskampf der Lokführer. Der Konzern bezeichnete den angekündigten Streik als „völlig überflüssige“ Belastung der Kunden. Dass die GDL in den Ferien streike, zeige, dass sie sich im Tarifstreit permanent verweigere, so Personalvorstand Martin Seiler. Die GDL-Führung trage „ihren gewerkschaftspolitischen Kampf um Ausweitung und Einfluss auf dem Rücken der Bahnkunden auf die Spitze“, anstatt an den Verhandlungstisch zurückzukehren. 

Die Bahn kündigte an, sich „maximal kulant“ verhalten zu wollen. Der Konzern will die Auswirkungen des Streiks so gering wie möglich halten, Fahrgäste und Kunden müssen sich dennoch auf Einschränkungen einstellen. 

DGB-Chef Hoffmann kritisiert die GDL

Kritik an GDL-Chef Claus Weselsky kommt zudem auch von Reiner Hoffmann, dem Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Hoffmann forderte Weselsky auf, die Verhandlungen mit der Bahn wieder aufzunehmen. „Lösungen werden am Verhandlungstisch erstritten“, betonte der DGB-Chef. Die Interessen der Lokführer sieht er bei den aktuellen Streiks nicht im Zentrum, sondern vielmehr die Überlebensfähigkeit der GDL. Der Lokführer-Gewerkschaft wird vorgeworfen, in Bereiche vordringen zu wollen, in denen sie bisher kaum Mitglieder hat – und so ihren Einflussbereich ausweiten zu wollen. Die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hatte sich bereits im September 2020 mit der Deutschen Bahn auf ein Corona-Tarifpaket geeinigt.

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers




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