Verglichen mit den Briefgebühren in Europa wäre das deutsche Porto recht günstig, so die Deutsche Post einer eigenen Untersuchung zufolge.

Mann steckt Brief in Briefkasten
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Dass das Briefporto mit 80 Cent für einen Standardbrief vergleichsweise eine „preiswerte Angelegenheit“ sei, stellte die Deutsche Post DHL Group (DPDHL) aktuell in ihrem europäischen Briefpreisvergleich fest. Es zähle demnach – auch unter Berücksichtigung wesentlicher ökonomischer Faktoren wie Arbeitskosten, Kaufkraft, Inflation und der für den Briefpreis benötigten Arbeitszeit – zu den günstigsten Entgelten in Europa, heißt es in der entsprechenden Unternehmensmitteilung

Deutsches Briefporto liege unter dem EU-Durchschnitt

In der Studie wurden die Briefpreise der 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Großbritannien, Island, Norwegen und der Schweiz erhoben und verglichen. Demnach beträgt der europäische Durchschnittspreis 1,16 Euro, das deutsche Porto bewege sich – nominal – im unteren Mittelfeld. In 19 europäischen Ländern läge das Porto deutlich über diesem Niveau, stellt der Konzern weiter heraus. Das teuerste Porto gibt es mit 3,88 Euro in Dänemark, in Italien seien für das Vergleichsprodukt zum hiesigen Standardbrief 2,80 Euro zu zahlen. In Malta ist der Versand mit 30 Cent am günstigsten. 

Innerhalb von fünf Jahren hätten sich die nominalen Briefpreise in Europa um 53 Prozent erhöht. Am stärksten hat Finnland die Gebühren angehoben: Seit 2016 haben sich die Kosten für den Standardbrief dort um 179 Prozent erhöht. Deutschlands Preiserhöhung in diesem Zeitraum betrage 14 Prozent. Inflationsbereinigt (Inflation der letzten zehn Jahre) sei der Briefversand in den untersuchten seit 2011 um 79,11 Prozent teurer geworden, in Deutschland seien es 29,4 Prozent.

In realer Betrachtung, d. h. der Bereinigung um Unterschiede bei Arbeitskosten und Kaufkraft, sei in Malta, Zypern, der Schweiz und Slowenien das Porto noch günstiger als in Deutschland.  

Stetiger Ärger um Portoerhöhungen

Erhöht die Deutsche Post das Porto, sorgt dies in der Regel für Wirbel. Letzte Portoerhöhungen, die anhand von Vergleichsbetrachtungen mit anderen Ländern vorgenommen wurden, fielen dem Konzern zuletzt auf die Füße – sie waren als rechtswidrig bzw. voraussichtlich rechtswidrig eingestuft worden. Ursache dafür war die Berechnungsgrundlage: Die Gebührenerhöhung sei im Verhältnis zu den Entgelten, die in der EU für den Briefversand gezahlt wurden, berechnet worden. Diese Vorgehensweise wäre so allerdings im deutschen Postgesetz nicht vorgesehen. Im Zuge der entsprechenden Gerichtsentscheidungen hatte deshalb auch die Bundesnetzagentur angekündigt, ein neues Verfahren zur Festlegung des Portos einzuleiten. Die mögliche Änderung wurde damals für Herbst dieses Jahres in Aussicht gestellt. 

Dafür, dass die Preise für das Briefporto 2022 erneut steigen sollten, hatte sich Postchef Frank Appel bereits im April ausgesprochen.

/ Geschrieben von Hanna Behn