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Die amerikanische Post muss sparen. Deswegen hat der neue Chef jetzt ein Überstundenverbot für die Zusteller ausgesprochen.

Zustellfahrzeug USPS
Sundry Photography/Shutterstock.com

In den vergangenen zehn Jahren musste der United States Postal Service (USPS) mit erheblichen Einnahmeverlusten aufgrund des stetigen Rückgangs bei den Postzustellung kämpfen. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation des Konzerns weiter verschlechtert, für das im März zu Ende gegangene Quartal wurde ein Verlust in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar gemeldet. Monatlich soll das Unternehmen rund zwei Milliarden Dollar verlieren.

Was nicht geschafft wird zuzustellen, bliebt liegen

Louis DeJoy, seit gut einem Monat neuer Chef bei der amerikanischen Post, soll das Ruder nun rumreißen und hat dafür drastische Maßnahmen angekündigt. Für alle Angestellten soll ein Überstundenverbot gelten, die Mitarbeiter müssen eine „andere Denkweise“ annehmen, um das Überleben des Postdienstes während der Coronavirus-Pandemie zu sichern, wie es auf dem Portal marketwatch.com heißt. Späte Zustellfahrten werden nicht mehr genehmigt. Wenn sich die Arbeit in Verteilzentren verspätet, „werden sie die Post für den nächsten Tag aufbewahren", so der Leiter des US-Konzerns in einem Schreiben an die Angestellten. „Ein Aspekt dieser Änderungen, der für die Mitarbeiter schwierig sein kann, ist, dass – vorübergehend – Post liegen bleibt“ , heißt es in einem anderen Dokument.

Die Zusteller sollen laut den Anweisungen von DeJoy ihre Arbeit vertragsgemäß beginnen und beenden, was während dieser Zeit nicht geschafft wird auszuliefern, bleibt liegen. Damit soll das aktuell teure und unflexible Geschäftsmodell des USPS geändert werden und die neuen Arbeitsabläufe die Kosten senken.

Erhebliche Verzögerungen erwartet

Mark Dimondstein, Chef der US-Postgewerkschaft Postal Workers Union, übt heftige Kritik an dem Überstundenverbot. Durch die Corona-Pandemie seien die Paketmengen um 60 Prozent angestiegen, gleichzeitig sind aber mehrere Tausend Mitarbeiter krank oder befinden sich in Quarantäne. Jetzt die Arbeitszeit zu reduzieren, wird die Verspätung bei Sendungslieferungen noch weiter erhöhen. „Die Postangestellten widmen sich mit großem Engagement der Aufgabe, die Post zu befördern“, so Dimondstein, aber die neue Politik könnte zu Verzögerungen führen, die die Einnahmen weiter schmälern werden.

Davon könnten auch deutsche Händler betroffen sein, die bei der Belieferung von Kunden in den USA nun mit einer noch längeren Versandzeit rechnen müssen.

/ Geschrieben von Corinna Flemming


Kommentare

#1 dweird 2020-07-21 09:08
Interessante BWL- Philosophie: Nicht rechtzeitig erkannt, dass sich der Markt stark verändert hat - weniger Briefpost, mehr Warensendungen und Pakete. Verpennt, sein Geschäftsmodell inklusive Produkte, Tarife und Manpower entsprechend anzupassen. Und nun - obwohl ja trotzdem anscheinend trotzdem genug Arbeitsvolumen vorhanden ist - hat man beschlossen, einfach an den Arbeitsstunden zu sparen, ohne dass sich das Volumen ändert.
Hat natürlich einen gewissen Markt-steuernde n Effekt, der auch Trump freuen wird: Wird der Versand teurer und brauchen deutlich länger, sinkt die Nachfrage und sinken vermutlich insgesamt die Einfuhren, und der Handelsüberschu ss der USA ebenfalls. Marktwirtschaft ad absurdum.
Make America great - irgendwann, vielleicht, oder auch nicht.



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