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Deutsche-Post-Chef Frank Appel sieht das aktuelle Urteil des Bundesverwaltungsgericht zum Briefporto gelassen. Zu diesem und weiteren Themen äußerte er sich jetzt in einer Online-Konferenz mit Wirtschaftsjournalisten.

Brief einwerfen Briefkasten
Asvolas/Shutterstock.com

Das aktuelle Briefporto der Deutschen Post hält die Bundesnetzagentur für rechtswidrig. Hintergrund ist das Urteil des Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, welches Ende Mai die Entscheidung traf, dass die Portoerhöhung im Jahr 2016 bis 2018 von ursprünglich 62 auf dann 70 Cent rechtswidrig war. Diese Entscheidung sieht Post-Chef Frank Appel allerdings gelassen. In einer Online-Konferenz des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten verteidigte er jetzt die Portoerhöhung. Zum einen hätte sich das Gericht nicht zur Höhe geäußert, sondern lediglich zum Verfahren, wie das Handelsblatt weiß. Genauer geht es darum, mit welcher Begründung die damalige Portoerhöhung durchgewunken wurde. „Da muss man eben jetzt sehen, wie der Gesetzgeber damit umgeht. Unser Eindruck ist, dass der Kläger nicht unbedingt Recht bekommen hat, sondern das Bundesverwaltungsgericht auch andere Aspekte gesehen hat“, so Appel laut dem Handelsblatt weiter.

Des Weiteren verwies der Post-Chef im Gespräch auch auf die Preise des Briefportos in anderen Ländern Europas. Hier soll Deutschland mit den aktuellen 80 Cent in etwa 32 Cent günstiger liegen als dies bei den Nachbarländern der Fall ist.

Konzern „extrem stabil“ auch in der Krisenzeit

Hauptthema der Konferenz war allerdings die Corona-Pandemie. Hier gab sich Appel zuversichtlich, man komme „extrem stabil“ durch die Krise, wie er bei Channel Partner zitiert wird. Außerdem betonte er, dass es keinen Zusammenbruch der globalen Lieferketten gab. „Wir haben nicht einen Tag nicht operiert in der Welt“, heißt es vom Post-Chef weiter. Auch sah der KEP-Dienstleister besonders in den ersten Monaten einen starken Anstieg der Paketmengen, inzwischen ist das Wachstum allerdings wieder leicht zurückgegangen. Ob das E-Commerce-Geschäft auch den Rest des Jahres so stark bleibe, dazu wollte er noch keine Prognose abgeben. „Wie lange das anhält, wird man erst über den Sommer sehen können“, sagte der Manager weiter.

Zu den Gefahren einer zweiten Infektionswelle äußerte sich der 58-Jährige ebenfalls. Um in einem solchen Fall gewappnet zu sein, hat die Deutsche Post DHL Group entsprechende Vorkehrungen getroffen. Generell sei der Krankenstand durch die Richtlinien zum Social Distancing allerdings vergleichsweise gering.

Politik trägt Teilschuld am Streetscooter-Aus

Im Gespräch mit den Wirtschaftsjournalisten fand auch das ehemalige Prestige-Projekt des Bonner Logistikers, die StreetScooter, Erwähnung. Dieses wurde Anfang des Jahres beerdigt, die Deutsche Post DHL Group verzeichnete mit den elektrischen Zustellfahrzeugen einen Verlust von rund 100 Millionen Euro. Die Politik sieht er für das Aus der StreetScooter ein Stück weit mit verantwortlich. „Wenn der Streetscooter kostenlos in die Städte gekommen wäre und Diesel-Fahrzeuge nicht oder aber der CO2-Ausstoß verteuert worden wären, hätten sich die Elektro-Lieferwagen auch besser verkauft“, so die Argumentation von Appel laut dem Portal Channel Partner. Trotz des Scheiterns hält er große Stücke auf den Streetscooter und bezeichnet ihn als „das beste Fahrzeug am Markt.“

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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