Logo logistik Watchblog

Die Coronapandemie sorgt für erhebliche Verspätungen bei der internationalen Postzustellung. Der Weltpostverein hat die Lage der vergangenen Monate analysiert.

Grenzübergang Zoll
EvGavrilov/Shutterstock.com

Dass die Coronakrise den Paketversand beeinflusst, ist kein Geheimnis. Prime-Kunden von Amazon, die in der Regel einen schnellen Versand gewohnt sind, mussten in den vergangenen Monaten teilweise wochenlang auf ihre Lieferungen warten. Der Weltpostverein hat den Einfluss der Pandemie auf den weltweiten Postsektor untersucht und kommt in seinem ausführlichen Report zu teils alarmierenden Ergebnissen: So hat etwa das Volumen internationaler Sendung zwischen Januar und Mai um 21 Prozent abgenommen, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Generell zeigt sich eine erhebliche Verlangsamung des internationalen Postverkehrs. Das zeigt sich zum Beispiel in der sogenannten „stranded mail ratio“: Das Verhältnis zwischen exportierten und importierten Sendungen lag im Mai bei 2,1. Das heißt, dass auf 2,1 exportierte Sendungen nur eine als empfangen verbucht wurde. Weniger als die Hälfte der Sendungen hat also das Zielland erreicht und ist auf dem Weg „gestrandet“, schreibt Paketda.

Zollabfertigung: Tage statt Stunden

Noch deutlicher wird das Problem bei der Dauer der Zollabfertigung: Normalerweise dauert die Kontrolle vor dem Weiterversand bei ausgehenden Paketen eine Stunde, bei im Land ankommenden Paketen zwei Stunden. In der Coronakrise haben sich diese Werte auf 71 Stunden respektive 64 Stunden erhöht. Im internationalen Durchschnitt dauert die Abfertigung also fast drei Tage! Auch Testsendungen, die eigentlich der Qualitätskontrolle dienen sollen, hängen fest, heißt es im Bericht. Da die damit festgestellten Lieferzeiten auch internen Abrechnungszwecken der Postgesellschaften dienen, hat dies sogar negativen Einfluss auf die Abrechnungssysteme.

In einem Ausblick auf die Zukunft entwirft der Weltpostverein drei Szenarien. In einem pessimistischen Szenario werde Corona aufgrund störanfälliger Transportwege dafür sorgen, dass weniger online eingekauft wird, weil die Kunden lange Lieferzeiten vermeiden wollen. Im optimistischen Szenario würden die Kunden zuverlässige Logistik zu schätzen lernen und verstärkt online kaufen. Beides erscheint schwer vorstellbar. Das realistische Szenario besagt, dass die Effekte nur kurzfristig sein werden. Sobald die Pandemie überwunden ist, werden auch die Paketmengen wieder steigen – in dem Rahmen, in dem sie auch davor gestiegen sind. Außergewöhnliche Effekte sind nicht zu erwarten.

/ Geschrieben von Christoph Pech


Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Captcha aktualisieren

Anchor Top