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Die Lokführer streiken schon wieder. Das siebente Mal in nur zehn Monaten. Obwohl viele Unternehmen bereits Notfallpläne zur Hand haben, kostet dieser Ausfall im Güterverkehr die deutsche Wirtschaft ein halbes Vermögen. Zudem verlieren immer mehr Menschen das Vertrauen in die Schienen.

Gleise

(Bildquelle Am Gleisdreieck : Steffen Zahn via Flickr, keine Änderungen, bestimmte Rechte vorbehalten)

 

GDL-Streik im Güterverkehr: Darum geht es

Vom Dienstag, dem 21., bis Freitag, dem 24. April, stehen die Güterzüge still. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat zum Streik aufgerufen. Schon wieder. Mit den angesetzten 66 Stunden der Arbeitsniederlegung (im Personenverkehr sind es im Übrigen nur 43 Stunden) möchte man den Druck auf die Deutsche Bahn erhöhen und nach eigenen Aussagen deren „Hinhalte- und Verzögerungstaktik“ ein Ende setzen.

 

Nötig ist diese Vorgehensweise, da auch nach 16 Tarifrunden „immer noch Ergebnisse in zentralen Fragen“ fehlen. Die GDL verweist in einer Pressemitteilung darauf, dass das Zugpersonal „dringend eine Senkung der Belastung“ brauche. „Die Überstunden müssen begrenzt, Ruhetagsregelungen verbessert und die Wochenarbeitszeit gesenkt werden. Und schließlich steht noch eine Entgelterhöhung auf dem Programm.“ – Forderungen, die nicht neu sind, aber in allen bisherigen Verhandlungen nicht zu einer Lösung gebracht werden konnten.

Güterverkehr: Welche finanziellen Folgen hat der Streik für die Wirtschaft?

Ein solcher Streik der Lokführer, der sich im Güterverkehr über mehrere Tage erstreckt, lässt sich nicht mit einem Schulterzucker wegwischen. Grob geschätzt soll er Kosten im dreistelligen Millionenbereich verschlingen. Nach Informationen der Welt geht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im Güterverkehr von Einbußen bei den Unternehmen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro aus.

 

Die Schiene sei „eine der Hauptschlagadern moderner Just-in-Time“ und aus diesem Grund auch unverzichtbar für die hiesige Industrie. „Dauert ein Streik mehrere Tage, kommen leicht über 100 Millionen Euro täglich als Streikkosten auf die Unternehmen zu“, kommentierte Alexander Schumann von der DIHK laut Welt.

 

Mit den bisherigen Streiks der GDL hätte sich die Wirtschaft in den vergangenen Monaten Kosten von mehr als einer halben Milliarde Euro entgehen lassen. Es sei darüber hinaus davon auszugehen, dass sich die Gesamtkosten im Bereich Güterverkehr nach dieser Streikwoche auf weit mehr als 600 Millionen Euro summieren.

Streik auf der Schiene: Notfallpläne sind in petto, das Vertrauen sinkt

Doch obwohl der Schaden, den der Lokführerstreik anrichtet, von erheblichem Ausmaß ist, sind Brancheninsider optimistisch, dass er den Warenstrom nicht nachhaltig unterbrechen wird. Kritisch werde es nach Angaben des Handelsblattes erst, wenn eine solche Arbeitsniederlegung im Güterverkehr drei Tage (72 Stunden) oder länger währt. Dann nämlich käme es zu Staus, Container stünden im Weg und Versorgungsbehälter würden knapp.

 

So weit wird es wohl in dieser Woche nicht kommen. Aktuell müssen Unternehmen „lediglich“ mit Umsatzeinbußen durch gestrichene Touren und Überstunden der Lagermitarbeiter und Disponenten rechnen. Außerdem haben die zahlreichen Streiks im Güterverkehr dazu geführt, dass die meisten Unternehmen und Konzerne Notfallpläne bereitliegen haben und sich auf übliche Puffer stützen können. „Im Güterverkehr werden Alternativen inzwischen radikal genutzt“, kommentierte der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.

 

Und so wird es neben den althergebrachten „Unannehmlichkeiten“ vor allem eine Nachwehe geben: Das Image der Schiene bröckelt. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass es immer wieder zu entsprechenden Streiks der Lokführer kommen kann. Und wenn das Vertrauen in den Güterverkehr auf Schienen abnimmt, werden sich manche Unternehmen oder Zweige Alternativen überlegen müssen.

 

/ Geschrieben von Tina Plewinski


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