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Amazon testet seine Zusteller mit Fake-Paketen auf deren Ehrlichkeit. Per Zufallsprinzip werden diese den Fahrern untergeschoben, um so diebische Mitarbeiter zu entlarven.

Männer entladen Transporter
© Anton Watman / shutterstock.com

Paketdiebstahl und unehrliche Zusteller sind ein wiederkehrendes Problem nicht nur für Logistikunternehmen, sondern auch für die Einzelhändler selber. Nach Angaben der US-Handelsorganisation NRF sollen US-Händler alleine im Jahr 2017 an die 47 Milliarden US-Dollar (etwa 39 Milliarden Euro) durch stehlende Mitarbeiter verloren haben. Um diesen einen Riegel vorzuschieben, setzt Amazon auf Fake-Pakete, welche die Integrität der eigenen Fahrer auf die Probe stellen.

„Es soll eine Falle sein“

Wie ein ehemaliger Logistikmanager des US-Konzerns gegenüber Business Insider bestätigte, werden die Angestellten bewusst in eine Falle gelockt. Die Anweisung für diese Überprüfung kämen direkt auf dem Hauptquartier in Seattle. Der Test läuft folgendermaßen ab: Die Kartons werden entweder leer oder mit wahllosen Gegenständen bestückt zufällig einem Fahrer untergeschoben. „Manchmal nehmen wir einfach irgendetwas und stecken es in das Paket“, heißt es vom ehemaligen Amazon-Angestellten. Während der Auslieferung wird dann jedes Paket gescannt, wobei die Attrappe allerdings eine Fehlermeldung auf dem Gerät anzeigt. Nun hat der Fahrer verschiedene Möglichkeiten, diese Situation zu lösen. Entweder meldet er den Vorfall direkt beim jeweiligen Vorgesetzten oder er bringt das Paket nach Schichtende wieder ins Amazon-Lager zurück. Allerdings könnte das Paket auch ohne große Umstände einfach mitgenommen werden. Die Fehlermeldung des Scanners hat dem Fahrer signalisiert, dass das Paket im System nicht gefunden wurden. Ein Verschwinden dessen würde also theoretisch niemandem auffallen.

Test soll bereits Erfolge gebracht haben

„Wenn das Paket zurückgebracht wird, ist der Fahrer unschuldig. Wenn nicht, ist er ein Dieb“, fasst Sid Shah, ehemaliger Manager bei DeliverOL, den Test mit den Fake-Pakten zusammen. Laut der internen Quelle seien dadurch bereits einige schwarze Schafe entlarvt worden. „Wir haben Mitarbeiter überführt, die nicht ehrlich waren“, so der ehemalige Logistikmanager. Auf Nachfrage von Business Insider erklärte Amazon, „dass Überprüfungen Teil eines allgemeinen Programms zur Qualitätssicherung seien und willkürlich durchgeführt würden.“

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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