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Hermes geht in seinem dritten Nachhaltigkeitsbericht auf die sozialen und ökologischen Aktivitäten der Hermes Germany GmbH und der Hermes Einrichtungs Service GmbH & Co. KG ein. Dabei gibt es auch einen Abschnitt zum Thema Auditierung der Letzen Meile. Hermes arbeitet demnach mit immer weniger Vertragspartnern zusammen, kontrolliert diese jedoch umso mehr.

Hermes – Ausladen des e-Crafters
© Hermes

Schon seit 1986 hat Hermes das Thema Nachhaltigkeit als strategisches Unternehmensziel verankert und ist seit dem darum bemüht, dies konsequent weiterzuentwickeln. Dabei geht der Bericht auf insgesamt vier gesonderte Bereich ein: „Management & Dialog“, „Service & Kunden“, „Arbeit & Leben“ sowie „Klima & Umwelt“. Als zentrale Handlungsfelder benennt Hermes:

Reduktion von CO2-, Lärm- und Schadstoffemissionen in der Zustellung
Hier verfolgt Hermes das Ziel, den Kunden noch häufiger bereits beim ersten Zustellversuch zu erreichen, um so zusätzliche Fahrten und entsprechend anfallende Emissionen zu verringern. Bis 2025 will die Otto-Tochter die Innenstadtgebiete der 80 größten deutschen Städte komplett emissionsfrei beliefen.

Neue Lösungen für die Belieferung im Stadtgebiet
Das ganzheitliche Konzept „Urban Blue“ legt den Fokus auf die Innenstadtbelieferung. Gemeinsam mit Handel, Städten und Kommunen will man alternative Angebote für die Zustellung schaffen, z.B. über PaketShops, Paketkastenanlagen oder Mikrodepots.

Faire und attraktive Arbeitsbedingungen
Hermes beschäftigt weltweit mittlerweile 15.300 eigene Mitarbeiter, hat es sich aber auch auf die Fahnen geschrieben, die Mitarbeiter der Servicepartner zu fördern. Dazu gehört, darauf hinzuwirken, dass alle Beteiligten entlang der Logistikkette fair behandelt und auskömmlich vergütet werden. Um dies sicherzustellen, unterhält seit 2012 ein externes Auditsystem, das fortlaufendend an aktuelle Erfordernisse angepasst und optimiert wird.

Positiver Beitrag zu Gesellschaft und Politik
Zu guter Letzt will sich Hermes noch aktiver in die Gesellschaft einbringen und „einen positiven Beitrag“ leisten. Dafür unterstützt das Unternehmen in Hamburg bisher unter anderem „Die Arche“ und „Hanseatic Help“.

Gerade im Bereich „Faire und attraktive Arbeitsbedingungen“ musste Hermes im letzten Jahr einige Negativ-Nachrichten hinnehmen. Erst vor wenigen Wochen durchsuchten Ermittler der Bundespolizei die Büroräume eines Transportunternehmens, das als Servicepartner von Hermes fungierte. Die Bundespolizei erklärte damals, dass gegen fünf Hauptbeschuldigte wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern ermittelt wird. Zudem setzte Hermes im Dezember 2017 zwei Servicepartner vor die Tür, weil diese Mitarbeiter illegal beschäftigt, Sozialabgaben hinterzogen und gegen die Vorgaben des Mindestlohns verstoßen haben sollen. Hermes kündigte daraufhin an, das extern unterstützte Auditierungssystem weiter verschärfen zu wollen.

Anzahl der Servicepartner sinkt

Der neue Nachhaltigkeitsbericht gibt nun genauere Einblicke in die Anzahl der Servicepartner und in die Zahl der durchgeführten Audits. Die Audits umfassen vier Stufen: Vorgespräch, Rundgang und Interview, Prüfung der Unterlagen und zum Ende eine Zusammenfassung der Ergebnisse. Sollten hierbei Abweichungen gegenüber den Hermes-Anforderungen auftreten, werden diese direkt mit dem Unternehmer besprochen. Seit 2017 werden von Hermes zudem „regelmäßige, anonyme Zustellerbefragungen durchgeführt, um ein Stimmungsbild zu den Arbeitsbedingungen auf der „Letzten Meile“ zu erhalten“.

Ein Blick auf die Audit-Kennzahlen für die Generalunternehmer und Vertragspartner von Hermes Germany (HG) und der Partner-Depots des Hermes Einrichtungs Service (HES) für die Jahre 2015 bis 2017 zeigt dabei eine interessante Entwicklung auf. Gab es 2015 noch 426 aktive Vertragspartner von Hermes Germany, sind es 2017 nur noch 367 gewesen. Das entspricht einem Minus von neun Prozent. Hermes arbeitet demnach mit weniger kleinen Partnern zusammen und kooperiert eher mit mittelgroßen bis großen Betrieben. Während die Anzahl der Partner sinkt, steigt hingegen die Anzahl der durchgeführten Audits im selben Zeitraum um mehr als das 2,5-fache, wobei sich die Anzahl zwischen 2016 und 2017 mehr als verdoppelt hat.

Audit-Ergebnisse im Berichtszeitraum
Audit-Ergebnisse im Berichtszeitraum | © Hermes

12 Kündigungen in drei Jahren

Interessant ist vor allem die Tatsache, dass Hermes im letzten Jahr scheinbar 143 Nachaudits durchgeführt hat. Bei diesen Nachaudits handelt es sich um erneute Kontrollen bei Partnern, die die Standards nicht erfüllten. Werden die identifizierten Missstände nicht bis zur geforderten Frist behoben, kann dies kaut Hermes zur Beendigung der Geschäftsprozesse führen. Im Geschäftsjahr 2015 wurde sechs Vertragspartnern ohne Zertifikat gekündigt, 2016 gab es zwei entsprechende Kündigungen, 2017 wurde vier Partnern gekündigt.

Zwei Kündigungen im Geschäftsjahr 2017 gab es auch nach sogenannten Sonderaudits, von denen insgesamt sechs durchgeführt wurden. Diese werden dann durchgeführt, wenn Hermes interne oder externe Hinweise zu Verstößen erhält.

Das Audit-System wird von Hermes allerdings nur auf der letzten Meile durchgeführt. Auf der sogenannten „langen Strecke“, bei dem Hermes nach eigener Aussage zu 100 Prozent mit externen Vertragspartnern zusammenarbeitet, werden keine Audits durchgeführt. Hermes verweist allerdings darauf, Gründungsmitglied bei der Initiative „Fair Truck“ zu sein, die sich als firmenunabhängige und bundesweite Initiative für einen fairen Umgang mit Berufskraftfahrern einsetzt.  

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


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