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Preise werden steigen

Neben der Obergrenze sorgte auch die Ankündigung von Hermes, im Weihnachtsgeschäft 2018 die Preise zumindest temporär anheben zu wollen, für Diskussionen. Scheinbar denkt fast die ganze Branche über temporäre Preiserhöhungen nach. Auf Nachfrage erklärte DPD: „Es ist richtig, dass sich die Preise für den Paketversand perspektivisch erhöhen müssen.“ Über konkrete Pläne für 2018 kann allerdings noch keine Auskunft gegeben werden. Ähnlich klingt es auch bei GLS. Dieses Jahr hat man sich gegen Preisaufschläge in der Vorweihnachtszeit entschieden. Für Aussagen zum nächsten Jahr sei es noch zu früh.

Auf die Frage, warum Hermes sich für die Erhöhung der Preise entschieden hat, wird darauf verwiesen, dass insbesondere vor dem Hintergrund der immer schwieriger werdenden Arbeitsmarktsituation auf der letzten Meile ein neues Preismodell unumgänglich ist. Die Paketpreise in Deutschland sind kaum auskömmlich. Und doch dürften steigende Preise erst einmal abschreckend auf die Kunden wirken. Die Vermutung, dass sich Geschäftskunden dann nach anderen Dienstleistern umsehen, ist nicht abwegig. Allerdings ist die Kombination aus starkem Mengenwachstum, zu geringen Preisen und zunehmender Personalknappheit kein Thema, das nur Hermes betrifft. „Vielmehr muss die gesamte Paketbranche mit diesen Herausforderungen arbeiten und Lösungen finden – egal, ob die Zusteller am Ende nun blaue, rote oder gelbe Kleidung tragen“, so Ingo Bertram.

Wie sieht die Zukunft aus?

Dass sich in Zukunft etwas ändern wird bei der Paketzustellung, steht außer Frage. Dabei dürfen die KEP-Dienstleister jedoch nicht allein bleiben. Auch bei den Online-Händlern und den Verbrauchern wird sich vor allem bei der Einstellung etwas ändern müssen. Hermes sieht gerade in der „ausgeprägten Gratis-Versand-Mentalität der Versender“ ein ernst zu nehmendes Problem.

Aufgrund des ausgeprägten Fahrermangels für die letzte Meile wurden zudem alternative Ideen zur Paketzustellung zur Sprache gebracht. Der Geschäftsführer von Hermes in Deutschland, Frank Rausch, erklärte, dass künftig die Paketzustellung an der Haustür mit Extra-Kosten belegt werden könnte. Konkrete Pläne dazu gibt es bei Hermes jedoch noch nicht. „Die Planungen, ob künftig ein Zuschlag für die Lieferung an die Haustür erhoben wird, sind in einem frühen Stadium und somit ergebnisoffen“, heißt es auf Nachfrage. Sollten sich die Pläne konkretisieren, will man aber so bald wie möglich entsprechend informieren. Auch bei DPD gibt es keine konkreten Pläne. Zwar schlug sich DPD Geschäftsführer Boris Winkelmann mit seiner Aussage, dass es in Zukunft dazu kommen könnte, „dass die Paketdienste standardmäßig an den Paketshop liefern und die Lieferung zur Haustür dann zum Beispiel 50 Cent extra kostet“ in die gleich Kerbe, doch sieht man dies bei DPD eher als ein „Szenario, das für die gesamte Branche Geltung hat“.

Bei GLS zeigt man sich mit solchen Aussagen zurückhaltender. Man weist aber darauf hin, dass die Zustellung an Privathaushalte für Paketdienste eine Herausforderung ist, vor allem weil Empfänger bei der Zustellung oft nicht zu Hause anzutreffen sind. Es wird darauf verwiesen, dass die Zustellung an die Arbeitsstelle oder an einen ausgewählten Paketshop gute und gern genutzte Alternativen sind, ebenso Paketkästen oder das Erteilen einer Abstellgenehmigung.

Steht die KEP-Branche vor dem Kollaps?

Die viel diskutierte Unterstellung, ob die Branche vor dem Kollaps steht, ist übertrieben. Zwar stoßen die Dienstleister gerade an ihre Kapazitäten, doch die Schuld dafür nur bei den Unternehmen zu suchen, ist falsch. Auch der Online-Handel und die Mentalität der Verbraucher sind an der aktuellen Situation Schuld. Zum Weihnachtsgeschäft 2017 kommt einfach alles zusammen.

Es wird spannend, die weitere Entwicklung der Lage zu beobachten, denn dass sich etwas ändern muss, steht außer Frage. So könnten die KEP-Dienstleister die Löhne der Paketboten anheben und so dafür sorgen, dass der Beruf wieder attraktiver wird. Alternative Lösungen für die letzte Meile und damit auch ein Kostenaufschlag für die Zustellung an der Wohnungstür sind dafür durchaus probate Impulse. Ob diese am Ende auch umgesetzt werden, bleibt aber abzuwarten.

Man muss es Hermes dabei hoch anrechnen, dass sie sich so öffentlich positionieren und den Blick der Gesellschaft auf eine Branche gerichtet haben, die sonst gern als selbstverständlich wahrgenommen wird. Hermes ist es wichtig, das eigene Lieferversprechen halten zu können. Man will auch über das Weihnachtsgeschäft hinaus als verlässlicher und planbarer Partner des Handels wahrgenommen werden. „Das schaffen wir nur mit Transparenz und Offenheit“, resümiert Ingo Bartram.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


Kommentare

#1 Peter Gutjahr 2017-12-18 12:53
Die größten Herausforderung en liegen doch in der Zustellung bei der ersten Anfahrt. Wenn die Dienstleister den gleichen Kunden 2 oder dreimal anfahren ist es doch verständlich, dass es deutlich mehr Liefervolumen gibt als eigentlich notwendig. Unverständlich ist, dass auf dem Markt befindliche, offene und für die Dienstleister kostenfreie Angebote für die Zustellung bei der ersten Anfahrt nicht akzeptiert bzw. durch die KEP-DL kategorisch abgelehnt werden. Dabei nützen diese Angebote dem gesamten Prozess, denn die Lieferungen müssen auch nicht mehr in einem Paketshop gelagert und danach manuell ausgesucht werden um den Kunden zufrieden zu stellen. Und der Empfänger spart sich den Weg dorthin und hat pünktlich seine Lieferungen zu Hause
Fazit: einen gewissen Teil der Zustellprobleme müssen sich die Diensleister selber zuschreiben - durch die Ablehnung offener Zustellsysteme freier Anbieter



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