Das Weihnachtsgeschäft wird Logistiker vor größere Probleme stellen als je zuvor. Explodierende Versandmengen aber nur den Kunden vorzuwerfen, ist nicht fair.

Ich persönlich bin ja ganz froh, wenn Weihnachten wieder vorbei ist, auch wenn es noch gar nicht angefangen hat. Ich bin auch ziemlich sicher, dass Händler und Versender froh sein werden, wenn der Dezember vorbei ist. Natürlich werden die Umsätze alle Rekorde brechen, die Auftragsbücher voll sein, die Nächte werden dafür kurz und das Arbeitspensum enorm. Für das Weihnachtsgeschäft werden Rekorde im Paketvolumen erwartet, Hermes allein rechnet mit bis zu 2 Millionen Paketen am Tag, die abgefertigt werden müssen.

Hermes zeigt Transparenz

Bei Hermes kennt man offenbar auch seine Grenzen, denn in einem durchaus ungewöhnlichen Schritt hat man mitgeteilt, Paketmengen (für Geschäftskunden) in Abhängigkeit der jeweiligen Region zu begrenzen – weil es nicht anders geht. Das ist ein kluger Schritt des Logistikers, der von Weitblick zeugt und ungewohnt transparent daherkommt. Den Shitstorm, der kurz vor Weihnachten für viele unausweichlich sein wird, weil unzählige Kunden ihre Pakete nicht rechtzeitig erhalten, kann man so zumindest eindämmen.

Der Kunde ist nicht immer schuld

Allerdings liegt die Schuld für explodierende Versandmengen, die aufgrund begrenzter Kapazitäten irgendwann nicht mehr gestemmt werden können, nicht allein beim Kunden. In der Pressemittelung schreibt Hermes: „Der Arbeitsmarkt für Zusteller ist hierzulande de facto fast leer, auch weil es die Gratis-Versand-Mentalität auf Verbraucherseite kaum möglich macht, den Job des Paketzustellers finanziell attraktiver zu gestalten.“ Diese „Gratis-Versand-Mentalität“ ist aber von der Branche hausgemacht.

Natürlich möchte ich es als Kunde so günstig und so praktisch wie möglich haben und natürlich suche ich mir den Anbieter, der das erfüllt. Ich lehne mich aus dem Fenster und behaupte, dass das im Übrigen auch bei Hermes-Mitarbeitern, selbst in der Führungsetage, der Fall ist. Das hat gar nicht so viel mit Mentalität, sondern vielmehr mit Gewöhnung zu tun. Wenn Amazon mehrere Artikel einer Bestellungen in mehreren Paketen verpackt (je nach Verfügbarkeit) und trotzdem kostenlos zusendet, dann ist die Schuld dafür, dass unnötigerweise zu viele Pakete über Deutschlands Straßen bugsiert werden, nicht beim Kunden, sondern beim Anbieter zu suchen, der den Kunden darauf konditioniert.

Das gilt natürlich vor allem für die Großen, die es sich leisten können, kostenlos rund um die Uhr zu versenden. Dass mittlerweile die ersten Versender schon im Vorhinein wissen, dass sie das Volumen nicht werden stemmen können, lässt bedenklich in die Zukunft blicken. Der E-Commerce ist hauptverantwortlich für die immer weiter steigenden Paketmengen und er hat seinen Zenit noch nicht annähernd erreicht. Künftig wird es mit vernünftig vergüteten Arbeitsplätzen nicht getan sein. Noch mehr Kartons, Transporter und Güterzüge lösen das Problem nicht. Sie verstärken nur ein anderes. Aber dieses ist vielen großen Konzernen leider immer noch egal.

/ Geschrieben von Christoph Pech