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Werden in Deutschland Briefe bald nicht mehr täglich zugestellt? In Bonn findet bezüglich der Briefzustellung ein Pilotprojekt statt. Arbeitsplätze sollen jedoch nur bedingt gefährdet sein, denn die Paketzustellung bleibt auf einem hohen Niveau. Tendenz steigend.

Weiße Briefkästen
© germip – shutterstock.com

Der Blick auf die Umsatzzahlen der Deutschen Post DHL Group zeigt in den letzten Jahren eine stetige Abnahme des Briefvolumens in Deutschland. Und wie es scheint, zieht die Deutsche Post nun Konsequenzen aus der Entwicklung.

Pilotprojekt zur niedrigeren Zustellfrequenz in Bonn

Nach Angaben von Spiegel Online testet die Deutsche Post in Bonn in einem Pilotprojekt die Auslieferung von Briefen an weniger Werktagen. So erhalten einige ausgewählte Kunden auf freiwilliger Basis Briefe nur noch an einem, drei oder an fünf Tagen pro Woche an den Arbeitsplatz zugestellt. Aktuell ist die Deutsche Post gesetzlich noch dazu verpflichtet, Briefe werktäglich flächendeckend an die Kunden auszutragen. Der Testversuch mit der niedrigeren Zustellfrequenz findet deswegen in Absprache mit der Bundesnetzagentur als oberste Aufsichtsbehörde der Postmärkte statt.

Generell zeigt die nachfolgende Statista-Grafik, die auf Angaben der Bundesnetzagentur beruht, dass die Anzahl der lizenzpflichtigen Briefsendungen (Briefsendungen bis 1.000 Gramm) seit 2007 stetig abnimmt. Nur 2011 gab es noch einmal ein Hoch bei 16,6 Milliarden Sendungen. Entsprechend will die Deutsche Post neue Optionen der Briefzustellung prüfen und Kundenbedürfnisse erforschen. Wenig begeistert von den Plänen zeigt sich hingegen Verdi. Die Gewerkschaft befürchtet einen Abbau der Arbeitsplätze, sollte sich die Post aus der werktäglichen Zustellung Stück für Stück zurückziehen. 

Anzahl der lizenzpflichtigen Briefsendungen durch Postdienstleister in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2015 (in Milliarden)
© Statista 2017

Paketversand ist Jobmotor

Ob diese Angst berechtigt ist, bleibt aber erst noch abzuwarten. Die Mitteldeutsche Zeitung verweist in diesem Zusammenhang zurecht auf das stetig wachsende Paketgeschäft der Deutschen Post DHL Group. Denn während im Briefbereich unvermeidlich Arbeitsplätze wegfallen werden, weil immer weniger Sendungen zugestellt werden müssen, wächst im Paketdienst der Arbeitskraftbedarf. So ist man bei der Mitteldeutschen Zeitung der Ansicht, dass sich Verdi „aktiv an der Suche nach neuen Zustellformen und Dienstleistungen im Brief- und Paketsektor beteiligen“ sollte, „um Jobs zu erhalten.“ Dafür müssten die Post und Verdi jedoch zusammenarbeiten und nicht still und leise, so wie die Post es bei dem aktuellen Test gemacht hat, einführen.

Dass der Paketversand nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit steigt, berichtete zuletzt Onlinehaendler-News.de. Bezugnehmend auf eine Studie des US-amerikanischen Logistikspezialisten Pitney Bowes heißt es dort, dass 2016 weltweit rund 65 Milliarden Pakete versendet wurden. Zudem wird davon ausgegangen, dass das Wachstum beim Paketvolumen in den Jahren 2017 bis 2021 zwischen 17 und 28 Prozent liegen wird. Allein in China wuchs das Paketvolumen von 2015 auf 2016 um 52 Prozent auf 31 Milliarden Sendungen. Und auch in Deutschland ist ein Ende des Paketwachstums nicht abzusehen. Allein 2016 wurden in Deutschland über drei Milliarden Pakete versendet, was im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von 7,2 Prozent entspricht.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock


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