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Die Idee wirkt ein wenig ungewöhnlich, aber doch recht logisch: Ich kann dem Kunden ein Paket auch bei Abwesenheit zustellen, indem ich es einfach mit einem Stahlseil an einem an der Tür angebrachten Haken befestige. Das ist das Grundprinzip, nach dem die Lockbox funktioniert. Das gesendete Paket wird in eine spezielle Box gelegt und per Stahlseil an einer unter der Tür eingehakten Öse befestigt. Der Kunde kann seine Bestellung dann bei der Rückkehr entgegennehmen. Thomas Kraker von Schwarzenfeld, CEO der Lockbox GmbH, erklärt im Interview, wie diese Idee entstanden ist und wie sicher die Lockbox ist.

Lockbox
© Lockbox GmbH

Logistik-Watchblog.de: Wie kam es zu der Idee, eine Zustellungsart wie die Lockbox zu entwickeln? 

Thomas Kraker von Schwarzenfeld: Wir sind vor einiger Zeit in eine DG-Wohnung ohne Aufzug gezogen. Das hat uns dazu gebracht Lebensmittel und Getränke online zu bestellen. Das Bestellen hat auch super geklappt. Erst bei der Lieferung fing das Generve an. Ich musste ein freies Lieferzeitfenster finden, zu dem ich dann auch sicher zu Hause sein konnte. Das hat mir regelmäßig einen Abend je Woche Hausarrest beschert, weil ich warten musste bis die Lieferung kommt.

Wie weit ist die Lockbox inzwischen verbreitet?

Wir haben in Berlin den Betrieb aufgenommen und liefern für die Kunden kostenlos ihre Bestellungen von Kochzauber.de aus.

Die DHL hat vor wenigen Wochen den Paketkasten vorgestellt, der aber nur von Paketboten der DHL befüllt werden kann. Wie stehen Sie zu dem Paketkasten?

Das ist eine nette Idee, die aber leider nur bei Einfamilienhäusern funktioniert. Bei Mehrfamilienhäusern lässt sich so ein Paketkasten nicht installieren. Daher funktioniert der Paketkasten nicht in Städten wie Berlin, Hamburg oder München.

Kann der Lockbox-Anker bei jeder Tür verwendet werden?

Ja! Wenn der Kunde sich bei uns anmeldet, kommen wir bei ihm vorbei und machen ihm einen passgenauen Anker für seine Tür. Kostenlos.

Aus welchem Material besteht die Lockbox? Ist sie vor der (gewalttätigen) Öffnung durch Dritte gesichert?

Die Box besteht aus einem lebensmittelechten, hochfesten Kunststoff. Der patentierte Deckel lässt sich selbst mit einem großen Schraubenzieher nicht öffnen, wenn das Verschlussseil durchgezogen ist.

Man muss bei der Sicherheit immer folgendes bedenken: Die Lockbox steht niemals draußen auf der Straße. Sie steht immer hinter einer verschlossenen Eingangstür vor meiner Wohnungstür. Ein potentieller Dieb müsste sich also erst einmal auf gut Glück ins Haus reinklingeln. Dann muss er jedes Treppenhaus hoch und wieder runter laufen um zu schauen, ob irgendwo eine Lockbox vor der Tür steht. Wenn er bis dahin noch nicht von Nachbarn gestört wurde, muss er die Box aufsägen und dann mit dem Inhalt verschwinden ohne gesehen zu werden. Und wenn er Pech hat, sind in der Lockbox nur ein paar Highheels in Größe 36.

Einen Paketkasten kann ich mit zwei starken Händen und einem kleinen Schraubenzieher einfach aufhebeln, ohne dass ich dazu in ein Haus rein muss.

Wird die Lockbox automatisch bei jedem Shop angeboten, der per DPD versendet?

Der Test mit DPD funktioniert so, dass der Kunde einfach "Lockbox" und die Ankernummer in die Adresse eingibt und der DPD-Fahrer legt das Paket dann in die Lockbox.
In Zukunft werden wir aber die Shops direkt ansprechen, damit diese die Waren direkt in die Lockbox legen und der Kunde dann auch nichts für den extra Service bezahlen muss.
Lockbox wird also für den Kunden zunächst kostenlos sein.

Werden noch Kooperationen mit anderen Logistik-Unternehmen angestrebt? Kann der Kunde sich auch irgendwann eine Bestellung von der DHL oder Hermes per Lockbox liefern lassen?

Momentan planen wir keine weiteren Kooperationen. Aktuell machen wir die Logistik selber. Der Shop packt die Bestellung in die Lockbox, wir holen die Lieferung ab und stellen die Lieferung in Berlin noch am gleichen Tag zu. Für die übrigen Städte verhandeln wir mit verschiedenen Logistikunternehmen.

In Zukunft ist es also egal, über welchen Anbieter der Shop versendet. Wenn der Shop Lockbox als Versandart anbietet, kommt die Bestellung in der Lockbox.

Eine vom Kunden veranlasste Abholung einer leeren Lockbox wird mit 2,50 Euro berechnet. Bleibt eine leere Lockbox solange beim Kunden, bis er etwas neues per Lockbox bestellt?

Der Kunde kann die Lockbox bis zur nächsten Bestellung behalten. Wenn er eine neue Bestellung erwartet, stellt er einfach die alte Box vor die Tür und wir tauschen sie gegen die neue aus, ohne dass dem Kunden dafür Kosten entstehen. Wenn der Kunde die Box länger als 30 Tage behält, fragen wir an, wann wir die Box abholen können. Erst wenn der Kunde länger nichts bestellt, muss er die Box für 2,50 € abholen lassen.

Führt das nicht im Zweifelsfall zu einer „Lockbox-Knappheit“ bei DPD, wenn leere Lockboxen bei den Kunden stehen?

Wir haben ausreichend Lockboxen, damit das nicht passiert. Sollten die Lockboxen doch einmal knapp werden, können wir in 14 Tagen neue bekommen, da diese in Europa hergestellt werden.



Über Thomas Kraker von Schwarzenfeld

Thomas Kraker von SchwarzenfeldThomas Kraker von Schwarzenfeld, 44, hat in den letzten 26 Jahren mehrere erfolgreiche Unternehmen in unterschiedlichen Branchen gegründet. Sein erstes Unternehmen, ein Pizza Lieferdienst, gründete er mit gerade einmal 250,- € Startkapital.

In den 1990ern gründete er mehrere Telekommunikationsunternehmen in Deutschland und der Schweiz. In den frühen 2000ern den VOIP-Pionier ii7 GmbH. Heute besitzt er die internationale Restaurantkette Pasta Deli.

Mit seinem neuesten Startup Lockbox will er die letzte Meile im Paketdienst revolutionieren. Mit Lockbox kann der Kunde seine Pakete zu Hause empfangen, ohne selbst zu Hause sein zu müssen.

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers


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