Immer mehr Anbieter mischen in der Kurierbranche mit – was die Diskussion um die dabei vorherrschenden Arbeitsbedingungen befördert. Ein StartUp will diese Dienstleistung fairer gestalten.

Fahrradkurier
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Mit Gorillas, Wolt, Flink, Getir, Foodpanda, jüngst auch Wuplo und weiteren Anbietern wie Edeka und Penny steigt die Anzahl der Express-Lieferdienste im sogenannten Quick-Commerce-Markt stetig – befördert werden diese durch neue Kundenbedürfnisse im Zuge der Corona-Pandemie. 

Während die teils noch jungen Unternehmen damit gute Umsätze fahren, steht längst auch der Arbeitsalltag der Rider auf dem Prüfstand: So gab es etwa beim Lebensmittel-Expresslieferanten Gorillas heftige Kritik und Streiks wegen der Arbeitsbedingungen, die den Service OnlinehändlerNews zufolge sogar einige Kunden und einen potenziellen Investor kosteten. In eine ähnliche Richtung geht auch die Forderung nach höheren Löhnen von Lieferando-Kurieren

Das StartUp Radkurier24 will nicht zuletzt wegen prekärer Arbeitsverhältnisse der Kuriere einen anderen Ansatz in der Branche verfolgen: „Wir möchten einen klimafreundlichen Beitrag leisten und eine faire Alternative für Kuriere. Umweltschutz und faire Bezahlung sind uns wichtig“, erklärt Co-Gründer Martin Hawel. 

Provisionsfreie Bezahlung und Unterstützung für den Handel

Das StartUp wurde 2019 gegründet und aus Eigenmitteln aufgebaut, Sitz ist in München. Bei Radkurier24 handelt es sich um eine Art Job-Plattform, auf der selbstständig arbeitende Radkuriere aus dem deutschsprachigen Raum für ihre Dienstleistung werben können. Einige der Kuriere hätten von Anstellungen bei bekannten Großunternehmen auf die Plattform gewechselt und würden nun lieber selbstständig arbeiten. Auf diese Weise könne es für sie auch eine gerechtere Bezahlung geben: „Im Kurierwesen arbeiten die Kuriere in der Regel immer selbstständig als Subunternehmer und müssen dabei oftmals bis zu 30 Prozent Provision abgeben. Bei manchen Unternehmen werden die Kuriere zu einem Mindestlohn von gerade einmal 10,50 Euro pro Stunde angestellt“, erläutert Hawel gegenüber dem LogistikWatchblog zur Situation in der Branche.

Screenshot Startseite / Radkurier24.com
Screenshot Startseite / Radkurier24.com

Bei Radkurier24 müssen Kuriere keine derartig hohe Provision abgeben. Stattdessen könnten sie können deutlich mehr als 10,50 Euro pro Stunde verlangen und hätten die Möglichkeit, qualitativ hochwertigere Aufträge zu bekommen. „Wir möchten Radkurieren ermöglichen, ihren Verdienst möglichst provisionsfrei, also ohne Abgaben an eine Agentur, zu behalten und zusätzlich den Einzelhandel stärken“, führt der Plattformbetreiber aus. Unternehmen welche nicht so oft etwas ausliefern müssen haben mit Radkurier24 eine optimale Lösung ohne eine eigene Lieferflotte haben zu müssen. 

Auf der Webseite wird dieses Anliegen in noch deutlichere Worte gefasst: „Wir sehen uns als blitzschnellen Konkurrenten und Alternative zu berühmten Großanbietern, die nicht nur die Luft verschmutzen, sondern auch ihre Leute unfair behandeln. Unser Blick ist auf eine bessere Zukunft gerichtet“, heißt es da. Der Gründer erläutert darüber hinaus, dass er skeptisch sei, wer letztlich für Lieferungen zahlen soll: „Ich denke, dass die Kosten auf lange Sicht gesehen auf die Kunden abgewälzt werden, sofern kein Investor mehr dafür bezahlen will.“

So funktioniert die Kurierbuchung bei Radkurier24

Aktuell sind über 560 Kuriere auf der Kurierplattform registriert. Unternehmen, beispielsweise Händler, die einen Auftrag zu vergeben haben, können auf dem Vermittlungsportal direkt und ohne Voranmeldung mit einem Fahrradkurier aus ihrer Region in Verbindung treten. Die Kuriere legen sich ein Profil an, auf das Auftraggebende klicken und sie direkt beispielsweise via E-Mail, SMS oder Anruf  kontaktieren können. Dabei ist auch in Echtzeit sichtbar, wo sich Fahrerinnen und -fahrer aufhalten: „In Berlin haben wir schon eine recht gute Abdeckung. Kunden können auf den Städtekarten mit einer Genauigkeit eines 200-Meter-Radius sehen, wo sich der nächste einsatzbereite Kurier gerade befindet.“

Die Kuriere liefern dabei „alles aus, was in den Rucksack passt“, verspricht die Plattform – „und zwar so, dass Ihre sorgfältig ausgesuchten Waren genauso beim Ziel ankommen, wie Sie diese in Auftrag geben“. Das passende Equipment sei in der Regel vorhanden, etwa auch für Lebensmittel. „Jedoch überlassen wir die Lebensmittellieferungen mittlerweile lieber den Großkonzernen, denn der klassische Radkurier transportiert andere Güter“, räumt Hawel ein. Für die Zukunft glaubt der Radkurier24-Chef weiter an das Wachstum der Kurierbranche. Dass dabei Umweltschutz und faire Bezahlung wichtige Themenfelder bleiben, lässt sich kaum von der Hand weisen.

/ Geschrieben von Hanna Behn