Das Kölner StartUp Lieferlotse will weltweite Transporte vereinfachen und verbindet Liefertransporte mit verfügbaren Spediteuren.

Karton ins Auto laden
MiniStocker/Shutterstock.com

Was für den einen nur noch Schrott ist, kann für den anderen ein wahrer Schatz sein. Besonders über Ebay Kleinanzeigen wechseln Gebrauchsgegenstände tagtäglich den Besitzer. Was aber, wenn der Gegenstand zu groß für ein Paket ist? Wie lassen sich Räder oder andere sperrige und große Gegenstände sicher und im besten Fall preisgünstig transportieren? Vor diesem Problem stand auch Felix Hartmann, einer der Gründer von Lieferlotse. Es müsste eine App geben, auf der man so einen Transportauftrag einstellen kann und die diesen dann mit Transporteuren matcht, die genau diese Strecke fahren – so die relativ einfache Antwort. Gesagt, getan und gemeinsam mit Marcel Schmidt und Stefan Oertel wurde Lieferlotse – Die Mitfahrzentrale der Dinge – ins Leben gerufen.

Das Kölner StartUp verbindet über eine Web-App gewünschte Lieferaufträge mit Partnern, die zur gewünschten Zeit in die richtige Richtung fahren. Für private Transporteure ergibt sich der Nutzen daraus, dass sie ihre täglichen Wege nutzen können, um Transporte zu übernehmen. Für gewerbliche Transporteure gehören ungenutzte Leerfahrten der Vergangenheit an, erklärt Mitgründer Marcel Schmidt die Vorteile von Lieferlotse. Die Auftraggeber wiederum profitieren davon, Gegenstände transportieren lassen zu können, die so nicht oder nur zu sehr hohen Kosten von den bisherigen Dienstleistern transportiert werden. Technisch gesehen kann Lieferlotse bereits jetzt auf der ganzen Welt genutzt werden und hat immer mal wieder Anfragen zu innereuropäischen Transporten, bis jetzt wird die App nach Angaben der Gründer aber nur in Deutschland beworben.

Kostenpflichtiges Provisionsmodell in Planung

Den Preis für einen bestimmten Transport legt der Inserent einer Sendung fest, ein potenziell interessierter Transporteur kann diesen Auftrag entweder so annehmen wie angegeben oder mit dem jeweiligen Auftraggeber in Kontakt treten und die Gebühren verhandeln, so der gängige Ablauf der Vermittlungsplattform. Noch kann Lieferlotse von allen Beteiligten kostenlos genutzt werden, die Gründer verdienen nach eigenen Angaben aktuell noch nichts an der Vermittlung. In Zukunft soll sich dies aber ändern, dann soll ein Provisionsmodell eingeführt werden. Wie es in den FAQ auf der Website des Unternehmens heißt, soll dies aber nur für gewerbliche Anwender gelauncht werden, für Privatpersonen sollen auch in Zukunft keine Gebühren anfallen. 

Außerdem arbeiten die Kölner derzeit noch an einem Bewertungssystem, welches von den Nutzern verstärkt gewünscht wurde, aber nicht in der zeitnahen Planung des StartUps stand. Dessen Entwicklung haben wir jetzt vorgezogen. Ansonsten fokussieren wir uns zurzeit auf die Entwicklung einer iOS und einer Android-App, so der Co-Gründer zu den Plänen für die Zukunft.

Lieferlotse
Das Lieferlotse-Team (v.l.n.r.: Felix Hartmann, Marcel Schmidt, Stefan Oertel) © Lieferlotse

Wie aber kann die Plattform garantieren, dass Zusteller nicht in eine Situation geraten, in der unwissend problematische oder sogar illegale Gegenstände transportiert werden bzw. dass die transportierten Sachen auch wirklich ankommen? Dafür rät Lieferlotse als Vorsichtsmaßnahme zunächst die in der App angegebenen Personalien gegenseitig kurz anhand eines Ausweisdokumentes zu prüfen. Dies soll eine erste Hürde für schwarze Schafe sein, die beispielsweise einen Diebstahl planen. Wir haben uns zum möglichen Transport illegaler Gegenstände ferner mit der Polizei besprochen und empfehlen – neben dem schon genannten Ausweischeck – auf Übergaben auf freier Strecke zu verzichten, so Marcel Schmidt. Zusätzlich rät er allen Transporteuren, die Waren nicht einfach blind anzunehmen, sondern sich diese vor der Lieferung auch einmal zeigen zu lassen.

Bleibt trotz allem ein schlechtes Gefühl, kann man den Transport natürlich außerdem jederzeit und auch noch vor Ort absagen. Sollte wider Erwarten dann im Laufe der Fahrt der Verdacht entstehen, dass man etwas Illegales transportieren könnte, sollte man sofort die nächste Polizeidienststelle ansteuern, lautet der Hinweis des Mitgründers.

Auftragsshopping und problematisches Gut

Aktuell wird Lieferlotse nach eigenen Angaben vermehrt für den Versand sperriger Gegenstände genutzt, die von den etablierten Dienstleistern nicht oder nur für unverhältnismäßig hohe Kosten transportiert werden. Ab und zu sieht sich die Vermittlungsplattform aber auch mit problematischem Gut konfrontiert, wie beispielsweise dem Tiertransport für Tierheime. Damit befasst sich das Kölner StartUp zurzeit sehr intensiv, konsultiert Spezialisten und stellt Richtlinien zusammen, wie ein solcher Transport möglich gemacht werden kann. Auch anderen schwierigen Themen will man sich laut Marcel Schmidt nach und nach widmen.

Lieferlotse
© Screenshot Lieferlotse März 2021

Langfristig beschäftigen sich die Kölner außerdem mit einer Idee, die intern den Titel Auftragsshopping bekommen hat. Dahinter steckt das vor allem bei Chinesen verbreitete Phänomen, bei dem jemand (meistens ein Bekannter) für einen Auftraggeber ein vor Ort nicht bzw. zu schwer erhältliches oder vergleichsweise günstigeres Produkt (meistens im Ausland) kauft und diesem überbringt, erklärt der Mitgründer von Lieferlotse. Das beruht allerdings meist auf dem Zufallsprinzip. Da wäre es natürlich spannend, sowas über eine Plattform organisieren zu können – die nach unseren Recherchen weltweit allerdings nicht existiert, so das Konzept. Ein solches könnte für alle Beteiligten, vom Händler über den Transporteur bis zum Beauftragenden, sehr spannend sein. Auch im kleineren lokalen Stil wäre eine solche Plattform nutzbar, beispielsweise um sich ein bestimmtes Kleidungsstück aus einem Szeneladen in Berlin mitbringen zu lassen.

Bis ein solches Projekt aber umgesetzt werden kann, arbeiten Felix Hartmann, Marcel Schmidt und Stefan Oertel weiter daran, Lieferlotse bekannt zu machen und die Mitfahrzentrale der Dinge zu etablieren.

/ Geschrieben von Corinna Flemming





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