Ein Ulmer StartUp möchte den zusätzlichen und kurzfristigen Bedarf an Lagerflächen sicherstellen und vermittelt diese im Airbnb-Stil.

Expozed1-Gründer Timo Birk & Pascal Pohl (vlnr)
Expozed1-Gründer Timo Birk und Pascal Pohl (v.l.n.r) © Expozed1

Mieten und Vermieten einer Lagerfläche so einfach wie bei einer Ferienwohnung – das ist das erklärte Ziel des Gründer-Duos Pascal Pohl und Timo Birk. Realisiert haben sie das über die Plattform Expozed1 – auf der es tatsächlich bei einem ersten Blick auf die Startseite große Ähnlichkeiten zur Benutzeroberfläche von Ferienhausbuchungsseiten gibt. 

Gegründet wurde das Unternehmen im März 2020, Anfang Oktober ging die Webseite an den Start. Es sind zurzeit bereits mehrere Lagerflächen in Baden-Württemberg und Bayern buchbar, fast täglich kämen neue hinzu. So ist in den vergangenen anderthalb Monaten die Gesamtgröße der temporär und bedarfsorientiert anmietbaren Flächen auf insgesamt 40.000 Quadratmeter gestiegen. Ebenso hat sich das eigene Team vergrößert und zählt mittlerweile sechs Leute. 

Wir sprachen mit Pascal Pohl über die Gründung, den Mehrwert des Angebots für die Logistikbranche, dessen Funktionsweise und den Einfluss von Corona.

Vermietung von Lagerflächen im Airbnb-Stil

Logistik Watchblog: „Expozed1“ ist eine Vermittlungsplattform für Lagerflächen im Stil von Airbnb. Wie entstand die Idee, eine solche ins Leben zu rufen? Welchen Hintergrund bringen die Gründer und das Team mit?

Pascal Pohl: Vergangenes Jahr hat ein befreundeter Unternehmer eine Lagerfläche für drei Monate gesucht. Als er sich an mich wandte, konnte ich kurzfristig eine Fläche vermitteln. Ich dachte mir, dass sich flexibles Vermieten, was bei Ferienwohnungen längst üblich ist, doch auch auf Lagerflächen übertragen lassen müsste. Angetrieben von der Idee habe ich mit Timo Birk, den ich aus dem Studium kenne, einen Co-Founder an Bord geholt. 

Timo und ich verfolgen die Immo-Branche seit Jahren und sind gut vernetzt. Durch unseren BWL-Background bringen wir Expertise im Business Development und Vertrieb mit. Im Tagesgeschäft werden wir von Mitarbeitern im Marketing/Vertrieb unterstützt. Unser Programmierer, der bereits StartUp-Erfahrung gesammelt hat, ist für die technische Realisierung der Plattform unter Einhaltung aller Sicherheits- & Datenschutzbestimmungen verantwortlich. Wir arbeiten zusammen daran, Expozed1 zu der Plattform für flexibles Mieten bzw. Vermieten von Lagerimmobilien zu machen und damit Leuten wie meinem Bekannten zu helfen.

Wo lagen die größten Hürden bei der Gründung?

Vor der Gründung im März grübelten Timo und ich schon häufiger, ob wir wirklich losstarten sollten oder noch warten. Aber schlussendlich war uns klar: „Wir müssen jetzt reagieren“. Das Problem wird durch die Pandemie nicht kleiner – im Gegenteil. Gerade durch Corona ist Flexibilität noch stärker gefragt.

Als wir die Plattform dann konzipierten, sind wir auf einige Herausforderungen, die Prozesse zu automatisieren, gestoßen. Um es überhaupt so komfortabel für die Nutzer zu machen, mussten wir für uns selbst erst einmal die Hürden und Formalia beim Mieten bzw. Vermieten durchleuchten und diese lösen.

Startseite Expozed1
Startseite Expozed1

„Wir schaffen Flexibilität, da wo sie gerade gebraucht wird“

Wen möchtet ihr mit eurem Angebot ansprechen? 

Wir sprechen mit der Plattform vom Maschinenbauer, über den Automobilzulieferer bis hin zum E-Commerce-Händler jeden an, der flexibel mieten oder vermieten möchte. Immer wenn es darum geht, flexibel zu reagieren, profitieren Unternehmen von unserer Lösung. Etwa wenn es kurz vor Weihnachten einen Ansturm auf die E-Commerce-Händler gibt, können sie kurzfristig die Spitze durch das Anmieten einer Lagerfläche abfedern. 

Wenn ich an den Maschinenbau denke, da kommt es recht häufig vor, dass man viel Rohmaterialien abnimmt, um besonders gute Konditionen zu erhalten. Dafür extra ein Lager zu errichten oder sich langfristig zu binden, lohnt sich nur selten. Eine Industrie, mit der ich mich in letzter Zeit häufiger beschäftige, sind die Reifenhersteller. Die haben einen sehr saisonalen Absatz und deren Hallen sind daher auch nicht ganzjährig bis unter die Decke voller Reifen. Durch das automatisierte System auf unserer Plattform hält sich der Aufwand für die Unternehmen in Grenzen und das Einstellen eines Objekts ist zudem gebührenfrei.

Es gibt einerseits bereits zahlreiche Logistik- und Fulfillment-Dienstleister und andererseits Immobilienvermittler am Markt. Inwieweit konkurriert euer Angebot mit diesen? 

Wir sehen uns vielmehr als Partner der Unternehmen. Wir sind zwar grundsätzlich auch im Markt der Gewerbe-/Logistikflächen unterwegs, doch unser Fokus ist ein anderer. Wir schaffen mit unserer Plattform Flexibilität und können kurzfristige Mietzeiten realisieren. 

Immobilienvermittlern geht es beispielsweise hingegen vor allem um langfristige Arrangements. Durch die starke Automatisierung aller Prozesse schaffen wir kürzere Wege für Nutzer und können die Nachfrage nach Flächen mit kurzer Mietdauer bedienen.

Welchen Mehrwert bietet ihr darüber hinaus, etwa für die Immobilien-, E-Commerce- und Logistikbranche? 

Wir schaffen Flexibilität, da wo sie gerade gebraucht wird. Dadurch können wir etwa Unternehmen unterstützen, die wirtschaftlich in Schieflage geraten sind. Wie? Sie können bei uns ungenutzte Lagerfläche anbieten, bevor es in ihrer Branche wieder aufwärts geht. Das bringt zusätzliche Einnahmen für drohende Leerstände, die sonst nur Kosten verursachen. 

Andererseits können Firmen aus Branchen mit einem temporär hohen Flächenbedarf von einer unkomplizierten Buchung profitieren. Nutzer können angebotene Flächen virtuell ansehen. Was für Ausstattungsmerkmale bietet die Lagerhalle? In welchem Zeitraum ist sie verfügbar? Nach und nach werden Interessenten auch auf Basis der Bewertungen anderer Mieter abschätzen können, ob das angebotene Objekt die Erwartungen erfüllt. 

So funktioniert die Buchung

Wie genau funktioniert der Mietabschluss? Wie sind die Konditionen und Voraussetzungen für Vermieter und Mieter?  

Der Anbieter kann seine Fläche bei Expozed1 kostenfrei und transparent inserieren. Die üblichen Hürden (Vertrag, Versicherung und komplizierte Zahlungsabwicklung) entfallen durch die Automatisierung. Der Mieter zahlt eine prozentuale Servicegebühr auf die Mietsumme. Dafür wird dem Mieter sehr viel abgenommen, die Buchung ist ähnlich leicht wie die einer Ferienwohnung. 

Die Mindestmietdauer beträgt einen Monat. Bei den Flächen geht es schon ab einer Größe von 250 Quadratmeter los. Seit einigen Tagen ist es zudem möglich, auch Teilflächen zu buchen, was es für Mieter noch einmal deutlich flexibler macht. Die Verfügbarkeit kann der Vermieter jederzeit ändern, wenn er seine Fläche zum Beispiel selbst in Anspruch nehmen möchte. 

Aktuell zahlt der Mieter die Gesamtsumme direkt zu Beginn. Dafür stehen die Zahlungsmethoden Sofortzahlung, Giropay und Kreditkarte über den Dienstleister Klarna zur Verfügung. Wir hören sehr genau auf das Feedback. Falls das Mieten auf Raten stark nachgefragt wird, schauen wir uns das genauer an.

Angebotsseite Expozed1
Angebotsseite Expozed1

In welchem Bereich bewegen sich die Kosten für die Lagerflächen?  

Die Kosten hängen im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Dem Preis pro qm, den der Vermieter festlegt und der Gesamtgröße der Lagerfläche. Die qm-Preise unterscheiden sich je nach Lage und Ausstattung. Nutzer zahlen zwischen unter einem und bis zu rund elf Euro pro Quadratmeter. Natürlich spielt auch die Mietdauer eine Rolle.  

Wie habt ihr die rechtlichen Fragen gelöst? Wie sieht ein Mietvertrag aus? Wer haftet im Falle von Schäden, zum Beispiel bei Einbrüchen oder Feuer? 

Wir sorgen direkt beim Onboarding des Vermieters dafür, dass alle relevanten Informationen bereitstehen. Sobald ein Objekt einmal auf Expozed1 gelistet ist, kann es jederzeit automatisiert vermietet werden. Da dem System alle Daten vorliegen, wird auch der Vertrag und ohne Zutun von Mieter oder Vermieter erstellt.

Bei der Versicherung arbeiten wir mit einem renommierten Partnerunternehmen zusammen, das bereits Jahrzehnte Erfahrung mitbringt. Mieter können die Versicherung direkt mitbuchen und sind vor so gut wie allen Eventualitäten geschützt.

Gibt es Sachen bzw. Waren, deren Einlagerung ihr nicht vermitteln würdet? Gab es vielleicht schon Anfragen für besonders verrückte oder kuriose Gegenstände?

Natürlich sind Gefahrstoffe immer ein Thema. Das erschwert die Vermietung auch etwas. Bei allem anderen, wie üblicher Palettenware oder Stückgut ist es kein Problem. Transparenz für alle Seiten ist uns sehr wichtig. Daher erhält der Vermieter vorab die Informationen, was gelagert wird. 

Bei Expozed1 gilt unser Blick allerdings vielmehr dem Verbinden von Unternehmen, um Flächen transparent zu machen.

Wie handhabt ihr Stornierungen? Wie kurzfristig sind diese überhaupt möglich?

Nutzer können ihre Buchung mit wenigen Klicks direkt über die Plattform stornieren. Innerhalb der ersten 48 Stunden nach Buchung ist das gebührenfrei. Anschließend fallen prozentual Servicegebühren an. 

Bedarf für Lagerfläche an Hotspots wird zunehmen

Gegründet habt ihr das Unternehmen im März dieses Jahres. Spielen aktuelle Bedürfnisse, die sich aufgrund der Corona-Pandemie ergeben haben, in die Gründung und Weiterentwicklung eurer Plattform mit hinein? Seht ihr dadurch nochmal besonderen Bedarf und Herausforderungen?

Wir sehen einen Bedarf für mehr Flexibilität. Mit unserer Lösung sind wir da gut aufgestellt und sie passt in den aktuellen Zeitgeist. Zuletzt hat im Frühjahr natürlich Corona für eine große Verschiebung der Märkte gesorgt. Einige Branchen und Unternehmen haben davon wirtschaftlich profitiert und sehr stark skaliert. So hat etwa eCommerce teils mehr als 15 Prozent im Umsatz zugelegt. Damit hat auch der Bedarf nach Lagerfläche zugenommen, um Nachfrage-Spitzen auszugleichen. Den Automotiv-Bereich hat die Pandemie hingegen hart getroffen. Entweder Flächen wurden nicht genutzt oder man produzierte auf Lager und benötigte zusätzliche Kapazitäten, bis Lieferketten wieder liefen bzw. der Abverkauf wieder in die Gänge kommt. 

Eure Plattform ging Anfang Oktober an den Start. Wie sieht euer Angebot aktuell aus? Und wie ist die Resonanz? 

Es gibt schon einige „first mover“, die genauso von der Idee überzeugt sind wie wir. Aktuell sind erste Lagerflächen aus Süddeutschland auf Expozed1.de gelistet, denen wir mehr Flexibilität bringen. Bislang haben wir viel Rückenwind und Zuspruch erhalten. Im nächsten Schritt versuchen wir nun weitere, attraktive Flächen für unsere Plattform zu gewinnen. Dafür ist es wichtig, dass man uns kennt und den Mehrwert erkennt. Wir veranstalten aktuell Webinare, um die Funktionsweise zu erklären und zu zeigen, wie einfach es ist ein Objekt in wenigen Schritten einzustellen. Umso mehr sich das Prinzip rumspricht, desto besser.   

Welche Zukunftspläne verfolgt ihr kurz, mittel- und langfristig für die Plattform? Wie wird sich der Bedarf an (privaten) Lagerflächen künftig noch verändern?

Wir wollen die Plattform noch stärker an die Nutzerbedürfnisse anpassen. Dazu werten wir das Feedback sehr genau aus und justieren nach. Gerade sind wir etwa dabei, den Übergabeprozess noch stärker zu automatisieren. Für das kommende Jahr planen wir die Mietpreisfestlegung durch einen KI-gesteuerten Prozess zu unterstützen. Neben Standortparametern sollen auch Angebot und Nachfrage berücksichtigt werden.

Der Bedarf an Lagerflächen wird vor allem an den Hotspots weiter zunehmen. Zu diesem Schluss kommen auch Studien, die eine stetig zunehmende Bedarfslücke ausmachen. Für uns gibt es also jede Menge zu tun!

Vielen Dank für das Gespräch!

/ Geschrieben von Hanna Behn





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