Mehr als 80 Prozent sämtlicher international gehandelter Waren werden per Seefracht transportiert – darunter finden sich auch immer wieder Plagiate. 

Containerfrachtschiff
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Nachgeahmte und unerlaubt hergestellte Waren werden über sämtliche Transportwege verschickt, meist werden sie sogar in Postsendungen vom Zoll beschlagnahmt. Allerdings kommt insbesondere der Seefracht beim Versand von gefälschten Produkten eine noch nennenswertere Bedeutung zu: 56 Prozent des Gesamtwerts sämtlicher beschlagnahmter Fälschungen werden in Schiffscontainern transportiert. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Untersuchung zum Missbrauch der Containerschifffahrt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO). 

Mehrheit der Plagiate stammt aus Ostasien 

Die Studie bezieht sich auf das Jahr 2016, für die u. a. zahlreiche internationale Zoll- und Verkehrsdaten herangezogen wurden. Demnach belief sich der weltweite Handel mit gefälschten Waren im Jahr 2016 auf 460 Milliarden Euro – das seien etwa 3,3 Prozent Anteil am weltweiten Handel. Die meisten Sendungen, die gefälschte Waren enthielten, sollen aus China und Hongkong stammen, aber auch Indien, Malaysia, Mexiko, Singapur, Thailand, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören weiterhin zu den wichtigsten Herkunftsländern von Plagiaten, heißt es. 

Auch wurde in einer separaten, für die Europäische Union durchgeführten Analyse ermittelt, dass die Hälfte der Container mit Herkunft aus Ländern mit den meisten gefälschten Waren über Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich in die EU gelangt seien. 6,8 Prozent aller Wareneinfuhren aus Drittländern in die EU seien Fälschungen, es handele sich um Waren im Gesamtwert von 121 Milliarden Euro.  

Handel mit Fälschungen hat geringere Priorität beim Zoll

Die Studie kommt auch zu dem Schluss, dass es bereits mehrere Maßnahmen beim Zoll gegen illegalen Handel gibt, allerdings wird dem Bereich der Plagiate dabei eine geringere Bedeutung beigemessen. Das geschieht, weil letztere als Handelsverstöße und somit weniger als kriminelle Absichten wahrgenommen werden als dies etwa bei der illegalen Beförderung von Waffen oder Drogen der Fall ist. „Daher sind die bestehenden Durchsetzungsmaßnahmen möglicherweise nicht angemessen auf dieses Risiko ausgerichtet“, heißt es in der deutschsprachigen Zusammenfassung zu den Studienergebnissen. Positiv würden sich Anstrengungen der Wirtschaft, also beispielsweise Absichtserklärungen und gemeinsame Leitlinien von Markeninhabern, Reedereien und Spediteuren auswirken. Dadurch könne ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es wichtig ist, „ausreichende Informationen über die Organisationen einzuholen, die ihre Transportdienstleistungen in Anspruch nehmen“. Hier bestehe aber noch erheblicher Verbesserungsbedarf. 

Die Corona-Pandemie könnte nun aber zusätzlich dafür sorgen, dass derartige illegale Aktivitäten zurückgehen: „Die aufgrund der COVID-19-Krise wachsende Besorgnis über gefälschte persönliche Schutzausrüstung und Arzneimittel ebnete den Weg für erhebliche Fortschritte bei der Bekämpfung dieses illegalen Handels“, erklärt Christian Archambeau, Exekutivdirektor des EUIPO, zur Studie. Es seien aber alle Beteiligten gefordert: „Es bedarf gemeinsamer Anstrengungen, um Fälschungen aller Art, auf allen Routen, sei es auf dem Seeweg in Containern oder in kleinen Postsendungen, zu bekämpfen.“

/ Geschrieben von Hanna Behn