Der Brexit sorgt für erhebliche Störungen beim Warenverkehr zwischen der EU und Großbritannien. Einige Transportunternehmen haben bereits die Reißleine gezogen und den Versand ausgesetzt.

Brexit wartende Lkw Grenze
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Quasi in letzter Minute konnten die EU und Großbritannien eine Einigung im Brexit-Chaos erzielen, die Erleichterung darüber war groß. Doch nun, gut drei Wochen später, wird deutlich, wie sehr der Austritt Großbritanniens vor allem den Warenverkehr vor erhebliche Probleme stellt.

DPD setzt erneut Versand aus

Anfang Januar musste bereits DPD Großbritannien erhebliche Einschränkungen beim internationalen Transport bekannt geben. Weil es Schwierigkeiten bei den Zollprozessen gab wurde der Paketversand nach Europa und Irland gestoppt. Wie es von der DPD als Erklärung hieß, enthielten rund 20 Prozent aller für die EU bestimmten Sendungen fehlerhafte oder unvollständige Daten, was zu erheblichen Lieferverzögerungen geführt hat. Inzwischen wurde der Service zwar wieder aufgenommen, allerdings musste nun auch DPD Deutschland reagieren und setzt Einzelsendungen nach Großbritannien aus.

Auch hier waren die neuen Bestimmungen beim Paketversand zwischen UK und der EU das Hauptproblem. „Die DPD Deutschland hat sich daher dazu entschlossen, den Versand von Einzelsendungen nach UK kurzfristig auszusetzen“, wird ein Unternehmenssprecher bei der DVZ zitiert. Wann genau der Versand wieder aufgenommen werden kann, ist nicht bekannt. Der Logistiker arbeitet allerdings an einer zeitnahen Lösung.

DB Schenker stoppt Transporte, DHL ist „voll operativ“

Auch DB Schenker musste bereits Einschränkungen bekannt geben und informierte vor einigen Tagen Kunden darüber, dass bis auf weiteres keine Sendungen mehr für Empfänger in Großbritannien abgeholt oder transportiert werden können. Auch hier wurden die neuen Zollvorschriften als Grund genannt, aktuell gebe es laut DB Schenker „erhebliche Probleme bei der Bewältigung der seit dem Brexit anfallenden Zollformalitäten im Warenverkehr“. Nach eigenen Angaben würden nur zehn Prozent der zu transportierenden Waren auch die korrekten Papiere enthalten und somit versandfähig sein. Um möglichst bald für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen, hat der Logistiker der Deutschen Bahn bereits zusätzliche Kräfte abgestellt, die den Kunden bei der nachträglichen Erstellung der notwendigen Dokumente helfen.

Keine Probleme soll es wiederum bei DHL Freight, Tochterunternehmen der Deutschen Post, geben. „DHL Freight ist aktuell voll operativ, und wir haben keinen Annahme- oder Verladestopp“, wird ein Sprecher bei tagesschau.de zitiert. Der Logistiker ist vor Kurzem eine Partnerschaft mit dem britischen Logistikdienstleister Baxter Freight eingegangen, um für einen reibungslosen Ablauf bei den Frachttransporten in Großbritannien sowie zwischen dem Vereinigten Königreich und Europa zu sorgen.

Auswirkungen für deutsche Händler?

Trotz des Freihandelsabkommen zwischen UK und der EU wird nun aber auch der internationale Handel für deutsche Händler deutlich komplizierter. Wie bereits erwähnt, müssen Verkäufer sich an neue Zollformalitäten und damit mehr Bürokratie gewöhnen. „Die notwendige Zollanmeldung können Händler mit Niederlassung im Vereinigten Königreich selbst vornehmen, dafür brauchen sie eine neue EORI-Nummer. Händler, die über keine Niederlassung in UK verfügen, müssen die Zollanmeldung von einem offiziellen Zollvertreter vornehmen lassen, der als Dritter zwischengeschaltet wird“, schreiben die OnlinehändlerNews dazu in einem ausführlichen Artikel zu den Brexit-Neuerungen.

Auch die beiden Marktplätze Amazon und Ebay haben entsprechende Änderungen vorgenommen. Laut der Tagesschau musste aber Amazon bereits auf die Probleme reagieren und hat Lieferungen von der Insel auf das europäische Festland so weit wie möglich eingeschränkt. Außerdem werden Kunden beim Kauf über die britische Website gewarnt, dass es durch Zölle, Steuern und Importgebühren zu deutlich teureren Preisen kommen kann.

Proteste in London

Die britische Regierung versucht indessen zu beruhigen und betont, dass es sich aktuell nur um vorübergehende Probleme handelt, die sich in den kommenden Wochen und Monaten wieder legen werden. Allerdings treffen die Schwierigkeiten besonders die Transporteure von verderblichen Waren, die an der Grenze stehen und nicht weiterkommen. So ist der Handel von schottischen Meeresfrüchten aktuell fast komplett zum Erliegen gekommen, was bereits zu ersten Protesten der Spediteure in der Londoner Innenstadt geführt hat. Mit Protestparolen wie „Brexit-Gemetzel“ werfen sie der britischen Regierung Inkompetenz sowie die Zerstörung der Branche vor.

/ Geschrieben von Corinna Flemming