Die Logistikbranche warnt aktuell vor erneuten kilometerlangen Staus an den Grenzen und einem Versorgungskollaps. Schuld sind die neuen Quarantäneregeln in der Coronapandemie.

Lkw im Stau
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Der grenzüberschreitende Warenverkehr könnte in den kommenden Wochen deutlich erschwert werden. Grund dafür ist die neue von der Bundesregierung erlassene Quarantäneverordnung. Diese besagt, dass Reiserückkehrer aus Risikogebieten zehn Tage in Quarantäne und unmittelbar nach oder vor der Einreise einen Coronatest machen müssen. Allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen, speziell für die Transport- und Logistikbranchen gelten diese Regelungen nicht „bei Aufenthalten von weniger als 72 Stunden“.

Allerdings stellt genau diese Richtlinie zahlreiche Spediteure von große Probleme. Rund jeder fünfte in Deutschland beschäftigte Fahrer stammt aus dem Ausland, sie sind im Schnitt drei bis vier Wochen unterwegs, ehe sie wieder in ihr Heimatland zurückkehren. Dort müssten dann alle Fahrer in Quarantäne. Mit dieser Bestimmung steuert die Bundesregierung „wissentlich in den Versorgungskollaps“, so die Kritik von Dirk Engelhardt, Präsident vom Verband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) gegenüber dem Handelsblatt.

Droht eine Warenknappheit?

Unter diese besonderen Einreiseregelungen fallen 118.735 Fahrer. Sollten sie alle in Quarantäne, würden schon bald so viele Fahrer fehlen, dass es zu einem Zusammenbruch der Versorgungsketten kommen könnte, lautet die düstere Prognose des BGL-Präsidenten. Stattdessen sollte man das Konzept einer „Green Lane“ durchsetzen, welches freien internationalen Warenverkehr auch in Zeiten einer Pandemie sicherstellen soll.

„Die auf EU-Ebene vereinbarten Green Lanes für den Güterverkehr bleiben ausgerechnet in Deutschland eine Vision“, heißt es nun von Engelhardt. „Durch die geplanten umfangreichen Melde- und Testpflichten für Lkw-Fahrer aus Hochrisikogebieten noch vor den Grenzen drohen uns Lkw-Staus, wie wir sie zu Weihnachten in England hatten.“

/ Geschrieben von Corinna Flemming