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Über eine Million Euro Bußgeld muss die britische Royal Mail zahlen. Das Unternehmen hatte im Geschäftsjahr 2018/19 einen Teil der Zustellungen zu spät ausgeliefert.

Royal Mail Transporter
loocmill/Shutterstock.com

Das Office of Communications (Ofcom), eine britische Aufsichtsbehörde, hat sich jetzt die Royal Mail vorgeknöpft und den Zusteller zu einer Geldstrafe von 1,5 Millionen Pfund, umgerechnet rund 1,6 Millionen Euro, verdonnert. Grund sind verspätete Zustellungen im Geschäftsjahr 2018/19.

Ofcom schreibt vor, dass der Postdienst 93 Prozent der Erste-Klasse-Sendungen innerhalb eines Arbeitstages nach der Abholung zustellen muss, die Royal Mail konnte diese Zielvorgabe nicht erreichen, da im Finanzjahr 2018/19 nur 91,5 Prozent der Post pünktlich ankamen.

Royal Mail redet sich mit Baustellen raus

„Viele Menschen sind auf Postdienste angewiesen, und unsere Regeln sind dazu da, um sicherzustellen, dass sie einen guten Service zu einem erschwinglichen Preis erhalten“, kommentiert Gaucho Rasmussen, Direktor bei Ofcom, in der Meldung der Behörde. „Die Royal Mail hat ihre Kunden enttäuscht, und diese Bußgelder sollten als Erinnerung dazu dienen, dass wir Maßnahmen ergreifen, wenn Unternehmen versagen.“

Der Logistikdienstleister argumentiert laut dem Guardian, dass die Leistung vor allem durch Straßenbauarbeiten auf Englands Autobahnen behindert wurden. Diese Argumentation lies die Aufsichtsbehörde allerdings nicht zu, auch ohne diese Störungen würde die Royal Mail immer noch unterdurchschnittlich abschneiden.

100.000 Pfund für überteuerte Briefmarken

Weitere 100.000 Pfund, rund 110.000 Euro, muss der Dienstleister wegen zu teuren Briefmarken zahlen. Ofcom hatte in der Vergangenheit eine Preisobergrenze für Second-Class-Briefmarken festgesetzt, um sicherzustellen, den Postservice für jedermann verfügbar zu machen, der aber gleichzeitig finanziell tragbar bleibt. Für den Zeitraum vom 1. April 2018 bis zum 31. März 2019 wurde die Obergrenze auf 60 Cent festgelegt. Die Royal Mail erhöhte jedoch am 25. März 2019 den Preis auf 61 Cent, wodurch Kunden sieben Tage lang über der festgelegten Gebühr belastet wurden, bevor die Preisobergrenze am 1. April 2019 offiziell erhöht wurde.

Rund 65.000 Euro hat die Royal Mail durch diese unerlaubte Erhöhung zusätzlich eingenommen. Die Strafe hat das Unternehmen akzeptiert und will die durch den Fehler zusätzlich generierten Einnahmen einer Wohltätigkeitsorganisation für Kinder spenden.

Bußgelder bald auch in Deutschland?

Derartige Strafen müssen die KEP-Dienstleister hierzulande noch nicht befürchten. Allerdings könnte sich das mit der Reform des Postgesetzes schon bald ändern. Dieses sieht vor, der Bundesnetzagentur deutlich mehr Macht zu verleihen und bei groben Verstößen auch entsprechende Geldstrafen verhängen zu können. Dadurch soll der Kundenschutz erhöht werden, wenn die Dienstleister weiterhin gegen die Bestimmungen verstoßen.

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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