Der Automobilzulieferer Continental hat einen radarbasierten Abbiegeassistenten entwickelt, mit dem schwere Nutzfahrzeuge nachgerüstet werden können.

Lang-lkw mit Abbiegeassistent erkennt Radfahrer
© Continental

Gutes Wetter, aber auch die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus in öffentlichen Verkehrsmitteln, haben laut dem Mobiliätsreport des Bonner Institut für angewandte Sozialwissenschaft (Infas) zu mehr Fuß- und Radverkehr geführt. Gleichzeitig kam es zuletzt wieder vermehrt zu schweren Unfällen mit Fußgängern und Radfahren durch rechtsabbiegende Lkw – meist mit tödlichem Ausgang. Warnsysteme in den Lastwagen sollen dazu beitragen, die Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr zu erhöhen. 

Aus diesem Grund gilt für Lang-Lkw von bis zu 25 Metern Gesamtlänge künftig verpflichtend die Ausstattung mit einem elektronischen Abbiegeassistent, der Fahrer akustisch vor einer Kollision mit Radfahrern warnt. Zusätzlich müssen mitblinkende Seitenmarkierungsleuchten angebracht sein. Neue Fahrzeuge müssen diese Ausstattungsmerkmale ab dem 1. Juli besitzen, für ältere Modelle gibt es eine zweijährige Übergangsfrist. Das Hannoveraner Technologieunternehmen Continental hat deshalb jetzt einen Nachrüstsatz auf den Markt gebracht. „Die Sicherheit von schwächeren Verkehrsteilnehmern zu erhöhen ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe“, so Gilles Mabire, Leiter des Geschäftsbereichs Commercial Vehicles & Services bei Continentale, einer Unternehmensmeldung zufolge.  

Abbiegeassitent kann Fußgänger oder Radfahrer im toten Winkel erkennen

Das Warnsystem von Contintental basiert auf Radartechnologie. Damit sei der Hersteller nach eigenen Angaben bisher der einzige Anbieter, dessen System erkenne, ob sich nun Radfahrende oder Zufußgehende neben dem Lkw oder Bus befinden. „Denn anders als bei kamera- oder ultraschallbasierten Systemen erkennt die Sensorik, ob es sich tatsächlich um einen Radfahrer oder Fußgänger handelt“, erläutert dazu Georg Kliewer, Leiter des Bereichs Spezialfahrzeuge Aftermarket bei Continental.

Die Radarsensoren überwachen seitlich vom Fahrzeug einen vier Meter langen und bis 14 Meter hinter der Fahrzeugfront großen Bereich. Befindet sich beispielsweise ein Fahrradfahrer in diesem Areal, wird der Fahrer gewarnt. Dabei will der Hersteller die Informationsflut für den Fahrer gering halten: „Wir haben uns bewusst gegen den zusätzlichen Einsatz von Displays entschieden. Der Fahrer erhält ein klares Warnsignal, das seine Aufmerksamkeit auf die Gefahrensituation lenkt, so dass Kollisionsgefahren frühzeitig erkannt werden können“, so Georg Kliewer weiter. „Die zusätzliche Information per Displaybild, wo sich die Person befindet, ist in diesem Moment ganz häufig gar nicht relevant.“ Ein Display könne aber nachträglich installiert werden. 

Sicherheitssystem auch für kleinere Nutzfahrzeuge geplant

Das System könne leicht verbaut werden: Befestigt wird es bei Lang-Lkw am Rückspiegel, sodass Bohrungen in der Fahrzeugkarossierie nicht nötig seien. Damit der Bereich korrekt erfasst werden kann, muss der Assistent in mindestens zwei Metern Höhe angebracht werden – eine Bedingung, die aber laut Continental bei nahezu allen Bussen und schweren Lkw erfüllt ist. Zusätzlich würden die Entwickler bereits an einer Lösung für leichte Nutzfahrzeuge arbeiten, die ebenfalls auf der Radartechnologie basieren soll.

Abbiegeassistenten gelten hierbei als ein wichtiger Teil der Lösung für mehr Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer. Verkehrsverbände hatten bereits Anfang des Jahres aber auch weitere, infrastrukturelle Änderungen gefordert, um diese zu schützen.

/ Geschrieben von Hanna Behn