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Am Donnerstag beginnt in München der bislang größte Prozess gegen das Lkw-Kartell. Es geht um Schadensersatz von über 800 Millionen Euro.

Lastwagen in Reihe
View Apart / Shutterstock.com

Vor dem Landgericht München beginnt an diesem Donnerstag der bislang größte Prozess gegen das Lkw-Kartell. Nachdem die EU-Kommission die großen europäischen Lkw-Hersteller MAN, Daimler, DAF, Iveco und Volvo/Renault wegen illegaler Preisabsprachen über einen Zeitraum von 14 Jahren bereits zu einem Bußgeld in Milliardenhöhe verurteilt hat, folgt nun die nächste Klage wegen Schadensersatz. Diese stammt von der Firma Financialright Claims und vertritt in einer Sammelklage die Ansprüche von insgesamt 7.000 Unternehmen mit rund 200.000 Lkw, wie die Verkehrsrundschau schreibt.

Richterin fordert konkrete Nachweise für interne Absprachen

Die Klage, welche vor dem Landgericht München eingereicht wurde, umfasst 18.000 Seiten. Die Forderung: Schadensersatz für 85.000 angeblich überteuerte Transporter in Höhe von 827 Millionen Euro. Nach Angaben der Richterin müssen allerdings konkrete Beweise geliefert werden, „dass ein für 110.000 Euro gekaufter Lastwagen nur 100.000 Euro gekostet hätte, wenn die Hersteller sich nicht über Preise ausgetauscht hätten“, wie die Verkehrsrundschau weiter schreibt. Eine Forderung „ins Blaue“ reiche nicht aus. Die Kläger hätten dafür den Frankfurter Wirtschaftsprofessor Roman Inders mit einem Gutachten beauftragt. Seiner Meinung nach habe das Lkw-Kartell zu Preisaufschlägen geführt, „in der Spitze deutlich über 10 Prozent“, so seine Einschätzung.

Hersteller wehren sich gegen Vorwürfe

Die betroffenen Unternehmen bestreiten unterdessen die Vorwürfe entschieden. So haben die ausgetauschten Bruttolistenpreise keine Rolle im Vertrieb gespielt, mit den Käufern hätte man individuell Preise ausgehandelt, betont MAN-Sprecher Sacha Klingner. „Wir werden uns gegen unberechtigte Ansprüche entschieden zur Wehr setzen“, sagt außerdem Daimler-Sprecherin Uta Leitner.

Einen ersten Erfolg hat die Klage allerdings bereit erzielt: Für die 18.000 Seiten der Klage hat die Firma Financialright Claims Bäume auf der Insel Rügen gepflanzt. „Da die Klagen notwendigerweise in Papierform eingereicht wurden, haben wir als Ausgleich Waldaktien beim Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. gekauft“, erklärte das Unternehmen.

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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