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Wegen der Wurfsendung „Einkauf aktuell” droht der Deutschen Post bald Ärger. Bundesweit wollen in den nächsten Tagen etwa zehn Personen gesondert Klage gegen den Logistiker einreichen. Unterstützt wird dies von der Initiative „Letzte Werbung“.

Werbung in Briefkästen
Aleksandr Mokhnachev/shutterstock.com

Jede Woche erhalten rund 20 Millionen Haushalte in Deutschland die Wurfsendung „Einkauf aktuell” der Deutschen Post. Diese in Plastikfolie eingeschweißten Heftchen mit Angeboten und Aktionen unterschiedlicher Supermärkte sind einer Stuttgarterin schon länger ein Dorn im Auge. Anne Venugopal hat sich bereits mit einem Einschreiben an den Bonner Konzern gewandt, um den Erhalt der Werbeblättchen zu stoppen, allerdings ohne Erfolg. Nun strebt sie eine Klage an. „In unserem Haus leben 27 Parteien. Neben den Briefkästen steht ein großer Mülleimer. Bei uns wird die ‚Einkauf aktuell’ zu 100 Prozent direkt nach Erhalt weggeschmissen“, erklärt die 34-Jährige laut der Stuttgarter Zeitung. Konkret geht es ihr um die Massen an Müll, welche durch die Wurfsendung der Deutschen Post entstehen. Jährlich sollen rund 33 Kilogramm Werbung in jedem Briefkasten landen.

Kontroverse um Wurfsendung „Einkauf aktuell“

Die Debatte um die Werbeprospekte schwelt schon länger, wie erst kürzlich auch hier in einem Kommentar behandelt. Die Deutsche Post gibt allerdings an, dass sich mehr als jeder fünfte Deutsche über die Prospekte freue. „Weitere 47 Prozent freuen sich zwar nicht, aber die Prospekte stören sie auch nicht“, heißt es weiter. Zudem verweist der Logistiker darauf, dass Empfänger jederzeit mit einem „Keine-Werbung“-Aufkleber gegen den Einwurf vorgehen können. Im Falle von Anne Venugopal sei dies allerdings nicht möglich, da die Hausverwaltung des Mehrfamilienhauses ein einheitliches Bild bei den Briefkasten bewahren möchte.

Gemeinsam mit der Initiative „Letzte Werbung“ will sie nun gegen die Deutsche Post und die Wurfsendungen klagen. In den kommenden Wochen sollen bundesweit etwa zehn Personen gesondert Klage gegen die Post einreichen. „Unser Ziel ist es, dass ein Fall bis vor den Bundesgerichtshof kommt“, sagt Katharina Wallmann von der Initiative. „Wir wollen eine Grundsatzentscheidung.“

Werbung nur mit explizitem Einverständnis

Damit soll eine Systemänderung angestrebt werden: Die Initiative will den Spieß einfach umdrehen und statt einem Aufkleber gegen Werbung einen für Werbung erzielen. Nur wer die Sendungen tatsächlich möchte, soll dies entsprechend auf dem Briefkasten kennzeichnen, alle anderen werden vom Empfang ausgeschlossen. „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Wenn man Werbung haben möchte, soll man sie weiterhin bekommen“, betont Wallmann. Zum Kritikpunkt des entstandenen Mülls durch die Prospekte kontert die Deutsche Post, dass diese ausschließlich auf Recyclingpapier gedruckt werden.

Sollte die Klage tatsächlich Erfolg haben, könnte das laut der Stuttgarter Zeitung einen herben finanziellen Schaden für den Bonner Konzern bedeuten. Zwar gibt es keine konkrete Zahlen, wie viel die Deutsche Post tatsächlich mit dieser Werbung verdient, wie es im Bericht mit Verweis auf die Welt am Sonntag heißt, soll der betreffende Geschäftsbereich aber um die 300 Millionen Euro im Jahr an Erlösen erzielen.

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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