MAN arbeitet an einem System, das unabhängig von Fahrzeugmarke und Telematiksystem als offenes Betriebssystem für die Logistik dienen soll. Die RIO genannte Plattform soll alle Beteiligten der Lieferkette vernetzen.

MAN Lkw

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Es ist ein Vorstoß, der den Lkw-Transport tatsächlich revolutionieren könnte: Während in der Regel Hersteller oft geschlossene Systeme entwickeln, um Kunden an die eigene Marke zu binden, geht die VW-Tochter MAN mit seiner nun angekündigten Digitalplattform RIO den genau umgekehrten Weg. RIO soll ein offenes, cloud-basiertes Betriebssystem für die gesamte Transportbranche werden, wie das Unternehmen mitteilt. „Es geht hier nicht darum, noch ein Telematiksystem auf den Markt zu bringen. Vielmehr haben wir RIO bewusst als offene Plattform konzipiert, die die zahlreichen Insellösungen zusammenführt“, so Markus Lipinsky, Leiter Digital Solutions bei MAN und für RIO verantwortlich.

„RIO wird die Transportwelt grundlegend verändern“

Es handelt sich konkret um eine digitale Plattform, die auch von Mitbewerbern genutzt werden kann und soll. Ein einheitliches Informations- und Anwendungssystem soll alle Beteiligten der Lieferkette miteinander vernetzen, vom Versender über die Spedition bis hin zum Empfänger. Unabhängig von Fahrzeugmarke und Telematiksystem wird RIO vor allem für Kunden mit gemischten Fuhrparks interessant sein. Ab 2017 wird es serienmäßig in alle MAN-Lkw eingebaut. Mit einer speziellen Nachrüstbox kann es in bestehende Fahrzeugtypen implementiert werden.

Worum geht es dabei genau? Der Fahrer soll zum Beispiel über die App auf dem Smartphone neue Transportaufträge erhalten und direkt die Navigation zum neuen Kunden starten können. Fahrzeugübergaben können mit der Plattform per digitalem Zugangsschlüssel erfolgen. Ist ein Lkw nur teilweise beladen, kann ihm entlang seiner bestehenden Route eine weitere Ladung zugewiesen werden. Das soll unnötige Leerfahrten vermindern und letztlich einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. „RIO wird die Transportwelt, wie wir sie kennen, grundlegend verändern. Erstmals ermöglichen wir die Erfassung, Verwaltung und integrierte Nutzung aller im Transportsystem verfügbaren Daten und Informationen in einer einheitlichen Plattform“, sagt Andreas Renschler, CEO von Volkswagen Truck & Bus.

Namhafte „Initialpartner“ an Bord

Mit RIO sollen verschiedene Apps nutzbar sein, ähnlich wie auf dem Android- oder iOS-Betriebssystem, die auch in üblichen Browsern nutzbar sind und entweder fahrzeugspezifisch oder herstellerübergreifend genutzt werden können. Ein einheitliches Benutzer-Interface soll für eine vertraute Arbeitsumgebung sorgen. Das System wird regelmäßig automatisch über die Cloud aktualisiert. MAN betont, dass auch und gerade kleine und mittlere Transportunternehmen mit RIO die Digitalisierung für sich nutzen können.

Die ersten Partner, „Initialpartner“, versprechen ein breites Teilnehmerfeld der Plattform. So sind u. a. namhafte Unternehmen wie Continental, Tom Tom oder Krone mit dabei. Das könnte auch Signalwirkung für andere Transportunternehmen haben. Auf der derzeit stattfinden Automobilmesse IAA Nutzfahrzeuge in Hannover wird RIO bereits live demonstriert.

/ Geschrieben von Christoph Pech




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