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Der Hamburger Hafen ist der große Gewinner bei den Umschlagszahlen in Deutschland und Nordwesteuropa. Mit einer Steigerung von 6,6 Prozent ließ der Hafen die Konkurrenten aus Bremerhaven und Rotterdam beim Wachstum hinter sich. Die niedersächsischen Häfen mussten in den ersten sechs Monaten des Jahres ein Minus beim Güterverkehr verbuchen.

Containerschiff am Hamburger Hafen
© HHM / M. Lindner

Das erste Halbjahr 2014 ist vorbei und die europäischen Seehäfen haben ihre Umschlagszahlen bekannt gegeben. Großer Gewinner in Nordwesteuropa ist dabei der Hamburger Hafen. Er konnte in den ersten sechs Monaten des Jahres 2014 einen Gesamtumschlag von 72,6 Mio. Tonnen verbuchen, das entspricht einem Plus 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die direkte Konkurrenz aus Rotterdam und Bremerhaven konnte wiederum nur ein Wachstum von knapp 2,7 Prozent verbuchen. Somit konnte der Hamburger Hafen seinen Marktanteil von 25,7 auf 26,7 Prozent ausbauen.

Großes Wachstum beim Containerumschlag

Im wichtigsten Segment, dem Containerumschlag, erhöhte sich die Zahl der abgefertigten Standardcontainer (TEU) um 6,8 Prozent auf 4,8 Mio. TEU.  Das Wachstum ergibt sich aus dem stabilen Außenhandel Deutschlands, einer stärkeren Nachfrage aus den europäischen Nachbarländern und einer Steigerung des Schiffsverkehrs mit China (+12,9 Prozent), Indien (+13,2 Prozent) und Afrika (+33 Prozent). Sollte das rasante Wachstum anhalten, könnte der Hamburger Hafen die Rekordjahre 2007 und 2008 (jeweils 10 Mio. TEU) noch deutlich übertreffen.


Rückgänge gibt es allerdings im Handel mit Russland. So ging der Handelsumschlag auf 330.000 TEU zurück (-3,8 Prozent). Dabei haben die momentan andauernden Wirtschaftssanktionen gegen Russland allerdings noch nichts zu tun. Hauptfaktoren für den Rückgang sind dabei die allgemeine Schwäche der russischen Wirtschaft, des Rubels und die Gefahr einer Inflation.

Probleme durch Riesenfrachter

Die Anzahl von Großcontainerschiffen mit mehr als 10.000 TEU ist im ersten halben Jahr um 27 Prozent auf knapp 250 gestiegen. Diese Schiffe kommen vor allem aus Asien und liefern Maschinen und Exportgüter.

Doch gerade diese Schiffe verursachen auch Probleme am Hafen, da die große Anzahl der Container dafür sorgt, dass die teils maroden und zu kleinen Verkehrswege von und zum Hafen dafür sorgen, dass es zu Staus und Engpässen auf Straße und Schiene kommt. Zudem müssten eigentlich die Fahrrinnen in der Elbe verbreitert und vertieft werden, doch aufgrund von Klagen einiger Umweltverbände verzögert sich das Bauvorhaben noch bis Oktober. Dann erst wird am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein Urteil über das Projekt gesprochen.

Sollte der Containerverkehr mit China weiter ansteigen und die Sanktionen gegen Russland nicht verschärft werden, dann könnte der Hafen 2014 einen Gesamtumschlag von etwa 145 Millionen Tonnen und beim Containerumschlag 9,7 Mio. TEU erreichen. „Wir können 2014 im Seegüterumschlag ein Plus von vier Prozent und im Containerumschlag von fünf Prozent erreichen, wenn alles gut läuft“, schätzt Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing e.V. (HHM).

Leichter Rückgang des Güterverkehrs an niedersächsischen Häfen

Weniger gut sieht es allerdings bei den Seehäfen in Niedersachsen aus. Wie die Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen in einer Pressemitteilung erklärt, fiel der Gesamtumschlag um 2 Prozent auf 22,85 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Als Grund dafür wird die konjunkturelle Gesamtentwicklung gesehen. „In wichtigen Geschäftsfeldern wie etwa dem Umschlag von Automobilen, Agrarprodukten und Projektladungen wie z.B. Windenergiekomponenten haben wir deutlich positive Entwicklungen im ersten Halbjahr gesehen“, erklärte Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen. Sie gehe allerdings davon aus, dass die Häfen im zweiten Halbjahr das Vorjahresniveau erreichen werden.

Den größten Verlust musste dabei der Hafen Papenburg hinnehmen. Im Vergleich zum Vorjahr fiel der Gesamtumschlag um 27 Prozent. Auch Wilhelmshaven musste ein Minus von 5,9 Prozent verkraften. Die größten Zuwächse gab es in Brake an der Unterweser (+12 Prozent), Oldenburg (7 Prozent) und Emden (3 Prozent).

Die Top 20 der weltgrößten Seehäfen

Im weltweiten Vergleich liegen die drei größten Häfen Europas,Hamburg, Rotterdam und Antwerpen, in der zweiten Hälfte der 20 größten Containerhäfen der Welt. So allein sechs chinesische Häfen in den Top Ten. Rotterdam verpasst mit Platz 12 die Top Ten ganz knapp und Hamburg folgt erst auf Platz 16. Zum Vergleich: Die weltweiten Spitzenreiter Shanghai und Singapur haben jeweils einen jährlichen Gesamtumschlag von knapp 30 Mio. TEU, also fast dreimal soviel als in Hamburg.

/ Geschrieben von Ralf Krämer


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