Klima, Kosten und Corona treiben die Mobilitätswende. Das geht aus einer aktuellen Bitkom-Studie hervor.

Fahrrad
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Der Dauerkrisen-Zustand, der seit 2020 herrscht, hat offenbar entscheidenden Einfluss auf das Mobilitätsverhalten bzw. auf die Ansprüche an Mobilitätsangebote der Menschen. „In der Mobilität erleben wir eine Zeitenwende, die diesen Begriff verdient“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder im Zuge der Veröffentlichung der Ergebnisse einer neuen Bitkom-Befragung. „Die Menschen steigen aufs Rad oder ersetzen den eigenen Wagen durch Carsharing. Mit Hilfe digitaler Technologien in der Verkehrsinfrastruktur und bei neuen Mobilitätsangeboten haben wir die Chance, jetzt die Weichen für eine nachhaltigere Mobilität zu stellen, die für die Breite der Bevölkerung verfügbar und bezahlbar ist.“

Die Treiber für das veränderte Mobilitätsverhalten sind dabei die Krisen unserer Zeit: „Klima, Corona und Kosten – aus diesen drei Gründen verändern die Menschen ihr Mobilitätsverhalten“, so Rohleder. 96 Prozent der Befragten geben an, ihr Mobilitätsverhalten in den vergangenen Jahren aus diversen Gründen grundlegend geändert zu haben. 55 Prozent begründen es mit der Klimakrise, 41 Prozent mit dem 9-Euro-Ticket und gestiegenen Benzinpreisen und 30 Prozent mit der Corona-Pandemie.

Fehlende Angebote bremsen den Wandel

Als großen Gewinner macht Bitkom das Fahrrad aus, das von 39 Prozent der Befragten häufiger genutzt wird und nur von 16 Prozent seltener. 22 Prozent nutzen das Auto häufiger, 36 Prozent seltener. Die Bahn hingegen wird nur von jedem zehnten Befragten häufiger genutzt, während mehr als zwei Drittel (35 Prozent) dies seltener tun. Noch klarer ist es beim Flugzeug: Dieses wird nur von zwei Prozent häufiger genutzt, von 75 Prozent der Befragten dagegen seltener. Hauptgrund für die seltenere Nutzung von Verkehrsmitteln dürfte das mittlerweile weit verbreitete Arbeiten von zu Hause aus sein.

Der ÖPNV ist einer der großen Verlierer der repräsentativen Umfrage. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) ist unzufrieden mit dem öffentlichen Nahverkehr. In Großstädten ist die Unzufriedenheit mit 44 Prozent am Geringsten, auf dem Land mit 62 Prozent hoch. „Der klassische ÖPNV kommt in dünn besiedelten Regionen an seine Grenzen. Neue Mobilitätsdienste können hier den ÖPNV ergänzen und zugleich attraktiver machen“, so Rohleder. Diese fehlen allerdings vielerorts. Dabei würden sie es vielen Menschen erleichtern, auf den eigenen Pkw zu verzichten. 40 Prozent der Befragten würden das Auto stehen lassen, wenn andere Mobilitätsangebote zur Verfügung stehen würden, 32 Prozent bei günstigeren Preisen bestehender Angebote.

Was hingegen offenbar kaum hilft, sind Verbote. Nur zwölf Prozent würden auf das Auto verzichten, wenn Parken vor der Haustür teurer oder verboten wäre, neun Prozent bei Autoverboten in Innenstädten. 36 Prozent würden auf ihr eigenes Auto unter keinen Umständen verzichten. Rohleder: „Ganz offenkundig lässt sich ein klimafreundlicheres Mobilitätsverhalten nicht erzwingen. Die Mobilitätswende funktioniert nur mit attraktiven Alternativen zum Privat-Pkw“.

Neue Mobilitätsangebote gegen die Krise

Eine Mehrheit der Befragten sieht neue Mobilitätsangebote als Antwort auf die aktuellen Krisen. 89 Prozent sind davon überzeugt, dass damit die Lebensqualität auf dem Land erhöht werden kann. 82 Prozent sehen in neuen Angeboten einen Beitrag zum Klimaschutz. 79 Prozent glauben, dass entsprechende Angebote die individuellen Kosten senken, zudem könnten sie für 63 Prozent den ÖPNV attraktiver machen, da sie gerade in ländlicheren Gebieten mehr Optionen und bessere Erreichbarkeit bringen könnten. „Es gibt eine große Bereitschaft in der Bevölkerung, umzusteigen. Umso wichtiger ist es, dieser Nachfrage auch ein entsprechendes Angebot gegenüberzustellen“, fordert Rohleder.

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/ Geschrieben von Christoph Pech

Kommentare

#1 gunnar 2022-10-13 13:40
ich mache es hier auf dem lande etwas anders um der umwelt zu helfen und den kosten zu entfliehen.
ich werde meinen 21j alten diesel ( 7,2l auf 100km ) solange fahren, bis ich nicht mehr fahren kann.
ich bilde fahrgemeinschaf ten, kaufe immer gleich für mehrere und größer ein, fahre nicht unnötig usw.
immerhin habe ich vor 4 jahren noch 60.000km im jahr gehabt, jetzt durch umdenken und gemeinschaften nur noch 11.000 bis 15000km.
und schaffe sogar mehr wie voher zu erledigen.
da würde auch kein elektroauto sich lohnen, vor allem durch die umweltbelastung und kurzen lebenszeit der batterien.



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