Händler beklagen aktuell Schwierigkeiten in Bezug auf die Verfügbarkeit von Pappe, Papier und Kartons.

Herstellung von Pappe und Wellpappe in der Fabrik
SGr / Shutterstock.com

Seit etwa zwei Jahren gibt es gerade zur Peak-Saison immer wieder Meldungen, dass Kartons rar werden. Und diese Sorge bestätigt sich auch aktuell. Dem gerade veröffentlichten E-Commerce Branchenreport des Händlerbunds zufolge ist jeder fünfte Händler von der Rohstoffknappheit bei Pappe, Papier und Karton betroffen. Um hier Ressourcen zu sparen, nutzt ein Großteil (88 Prozent) daher Verpackungen mehrfach. Vier von zehn Händlern verwenden außerdem mittlerweile alternatives Verpackungsmaterial.

Ausgehend von vorliegenden Marktdaten verzeichnete der Verband der Wellpappenindustrie (VDW) derzeit aber keine Verknappung von Produkten aus Wellpappe, wie eine Verbandssprecherin auf Anfrage des Logistik Watchblogs nach der Veröffentlichung von Umfrageergebnissen des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) von Ende August erklärte: Den Ergebnissen zufolge fühle sich der überwiegende Anteil der Händler mit Kartons unterversorgt, jedes zweite Unternehmen stehe unter Druck. Eine solche Unterversorgung bestätigte der VDW nicht. In einer Presseinformation betont die Vereinigung zudem, die Branche „stelle weiterhin zuverlässig die Versorgung mit der Transportverpackung Nummer eins sicher und leiste so einen unverzichtbaren Beitrag zur Aufrechterhaltung der Lieferketten“. Etwa zwei Drittel aller Transportverpackungen in Deutschland bestehen laut VDW aus Wellpappe. 

Probleme mit der Kostenlast

Die deutlich erhöhten Kosten für Energie, aber auch für Rohstoffe und Transportleistungen können durch die aktuellen Preise für die Wellpappe bzw. Versandkartons nicht aufgefangen werden, teilt der VDW weiter zum derzeitigen Kostendruck in der Branche mit. „Das drastisch erhöhte Preisniveau unseres wichtigsten Rohstoffes Wellpappenrohpapier stellt unsere Branche nun schon seit September 2020 vor immer neue Belastungsproben“, sagt VDW-Vorsitzende Dr. Steffen P. Würth. 

Händler bemerken bereits steigende Kosten bei den Verpackungen. Die im VDW organisierten Unternehmen hätten den immensen Kostendruck, dem sie aktuell bei den Rohstoffen ausgesetzt sind, aber „keineswegs eins zu eins an die Abnehmerseite weitergegeben“, bekräftigt eine Sprecherin des Verbands auf Nachfrage. 

Preisindizes für Wellpappe und Wellpappenrohpapier
Preisindizes für Wellpappe und Wellpappenrohpapier | Grafik: Verband der Wellpappenindustrie (VDW)

Das Gesamtpreisniveau für Wellpappenrohpapier habe sich seit September 2020 bis Mai 2022 um insgesamt 85,3 Prozent erhöht. „Im direkten Vergleich mit dem Preis unseres daraus hergestellten Produktes wird überdeutlich, wie weit sich die Schere hier geöffnet hat: Das Preisniveau für Wellpappe lag im Mai 2022 um 43,2 Prozent über dem Level vom September 2020 – die Papierpreiserhöhung hingegen fiel etwa doppelt so hoch aus“, erklärt auch VDW-Vorstandsvorsitzender Würth. Beim Preisniveau habe man im Vergleich zur Gesamtlast der Kostensteigerungen lediglich „unzureichende Anpassungen“ durchsetzen können. Die Branche müsse deshalb darauf zählen können, „dass sie die insgesamt dramatisch angestiegene Kostenlast nicht länger zu einem unverhältnismäßig hohen Anteil trägt“, so Würth. Der Verband blickt in Bezug auf die Kostensteigerungen in diversen Bereichen seit 2020 sorgenvoll auf die kommenden Monate.

/ Geschrieben von Hanna Behn




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